4. Newsletter Wald 2020 (22.12.2020)

Editorial von Michael Reinhard

Michael Reinhard

Liebe Leserinnen und Leser

Während ich diese Zeilen von meinem Haus im Kanton Waadt aus schreibe, liegt wieder eine dichte Nebelschicht über dem Mittelland. In den Bergen dagegen scheint die Sonne. Wieder einmal war der November relativ trocken, mit eingeschränkten Auswirkungen auf den Wald am Ende der Vegetationsperiode. 2020 dürfte unter meteorologischen Gesichtspunkten ein weiteres Rekordjahr gewesen sein, das nicht ohne Folgen für unsere Wälder bleiben wird. Wie die Wälder haben auch wir ein schwieriges Jahr hinter uns, das geprägt war von neuen Arbeitsweisen und intensiverem Austausch. Unseren Zeitplan für das Jahr 2020 konnten wir zwar einhalten, z. B. mit dem Inkrafttreten der neuen Pflanzenschutzregelung oder bei der Festlegung neuer Instrumente zur Bekämpfung des illegalen Holzhandels. Ein vorrangiges Anliegen war es in diesem Jahr jedoch, alle geplanten Projekte finanzieren zu können und die Wirtschaft auf diesem Wege so weit als möglich zu unterstützen. Dies ist uns im Rahmen unseres Handlungsspielraums auch gelungen – meine Anerkennung dafür gilt meinem Team, das während dieses ganzen aussergewöhnlichen Jahres den Fokus nicht aus den Augen verlor und allerhand Kreativität an den Tag gelegt hat um seinen Aufgaben nachzukommen. Hervorheben möchte ich aber auch die Arbeit unserer institutionellen und privaten externen Partner, die in dieser Ausnahmesituation ebenfalls ihre Flexibilität unter Beweis gestellt haben.

Von unseren grossen Projekten zum Jahresende 2020 möchte ich den neuen Massnahmenplan der Waldpolitik erwähnen, der mit dem Departement derzeit abschliessend bearbeitet wird und uns Anfang nächstes Jahr weiterhin beschäftigen wird. Das Ergebnis von zwei Jahren äusserst intensiver Zusammenarbeit mit allen unseren externen Partnern gibt in den Grundzügen den Massnahmenplan von 2015–2020 in vervollständigter und aktualisierter Form wieder. Die neue Ressourcenpolitik Holz stand 2020 ebenfalls auf der «Tagesordnung», mit Schwerpunkt auf der Wertschöpfungskette sowie dem klimagerechten, nachhaltigen Bauen, der Innovation und der Kommunikation. Die Ressourcenpolitik Holz erfährt in doppelter Hinsicht eine Erweiterung: Zum einen umspannt sie mittlerweile auch die biobasierte Wirtschaft als potenziellen Nutzenbringer für Gesellschaft und Natur, zum anderen wird sie ab sofort von weiteren Bundesämtern unterstützt. Neben BAFU, BFE und SECO vervollständigen die folgenden Ämter die Liste: BLW, ARE, BAK und BWO.

Nun steht das Jahr 2021 vor der Tür. Ich wünsche Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, liebe Waldliebhaberinnen und Waldliebhaber, schöne Feiertage und vor allem gute Gesundheit im neuen Jahr.

Michael Reinhard
Abteilungschef Wald, Bundesamt für Umwelt BAFU



Ressourcenpolitik Holz 2030 und Aktionsplan Holz 2021-2026

Die Ressourcenpolitik Holz unterstützt die Strategie der nachhaltigen Entwicklung der Schweiz. Sie leistet signifikante Beiträge zur Wald- Klima-, Energie- und Regionalpolitik sowie weiteren Sektoralpolitiken wie auch zu den nachhaltigen Entwicklungszielen der UNO. Dem Bundesamt für Umwelt (BAFU) kommt dabei die Führungsrolle zu. Zur Umsetzung dient in Zusammenarbeit mit Partnern insbesondere der Aktionsplan Holz mit den zwei Schwerpunkten «Wertschöpfung Schweizer Holz», «Klimagerechtes Bauen» sowie den Querschnittthemen «Kommunikation» und «Innovation».

Schwerpunkte_AP_Holz_2021-2026

Aktuelles über den Waldschutz

Anpassung der Verordnung des BAFU über phytosanitäre Massnahmen für den Wald (VpM-BAFU) per 1. Januar 2021

Die Verordnung des BAFU über phytosanitäre Massnahmen für den Wald (VpM-BAFU; SR 916.202.2) wird aufgrund neuer geltender Bestimmungen in der Europäischen Union per 1. Januar 2021 angepasst. Für das importierte Holz gewisser Arten aus Kanada und den Vereinigten Staaten von Amerika wurden neue Massnahmen festgelegt. Erforderlich sind neue Behandlungsmassnahmen im Herkunftsland zum Schutz vor der unbeabsichtigten Einschleppung des Eschenprachtkäfers (Agrilus planipennis). Des Weiteren wird der Pechkrebs der Föhre (Fusarium circinatum) neu als Quarantäneorganismus klassifiziert. Die Anpassungen führen zu einem besseren Schutz der Schweiz vor der Einschleppung und Ausbreitung dieser beiden waldrelevanten Schadorganismen.

Das Internationale Jahr der Pflanzengesundheit neigt sich dem Ende zu

Im Rahmen des Internationalen Jahres der Pflanzengesundheit (International Year of Plant Health IYPH) der UNO wurden in der Schweiz trotz der Corona-Krise einige Aktivitäten durchgeführt. Am 30. Januar 2020 wurde das IYPH durch den Eidgenössischen Pflanzenschutzdienst (EPSD) gemeinsam mit den nationalen Hauptpartnern eröffnet. Am 12. März 2020 wurde eine Sonderbriefmarke enthüllt, die den Japankäfer als Sujet zeigt. Weiter wurde eine Informationskampagne für Flugreisende gestartet. Mit Flyern, Postern und kurzen Filmen am Flughafen werden Reisende über die strengeren Vorschriften und die Gefahr der Einschleppung von besonders gefährlichen Schadorganismen informiert.


Internationaler Tag des Waldes (ITW): Thema 2021                                          

Von internationaler Seite wurde das Thema: “Forest restoration: a path to recovery and well-being” festgelegt. Dieses Thema ist für die Schweiz weniger aktuell. Das BAFU wird für den ITW 2021 kein Thema vorschlagen und überlässt es den Partnern, selber ein Thema zu wählen.


Kampagne «Wald-Vielfalt» läuft weiter

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Seit letzten Mai macht die Kampagne «Wald-Vielfalt» die Waldbesuchenden auf die Biodiversität im Wald aufmerksam. Highlight der Kampagne sind Parcours mit Holzfiguren, die es in rund 80 Wäldern der Schweiz zu finden gibt.

In der Corona-Zeit hat der Wald noch einmal an Beliebtheit gewonnen. Umso wichtiger scheint es uns, die Bevölkerung für das Leben im Wald und die Bedürfnisse der Waldbewohner zu sensibilisieren. Gerade bei Schulen und Familien hat das Zusammenspiel von Erlebnis und Wissensvermittlung direkt im Wald grossen Anklang gefunden. Diverse Schulklassen haben sich in den letzten Monaten mit dem Thema Waldbiodiversität auseinandergesetzt und sich bei uns für diese Kampagne bedankt. Gerne möchten wir diesen Dank an alle weitergeben, die sich aktiv für die Kampagne eingesetzt haben.

Seitens BAFU haben wir daher entschieden, die Kampagne «Wald-Vielfalt» noch ein Jahr weiterleben zu lassen. So bleiben die aufwendig erarbeitenden Inhalte weiter verfügbar und die Parcours sorgen auch nächstes Jahr für unvergessliche Walderlebnisse – ein von vielen Seiten geäussertes Bedürfnis.


Testpflanzungen überprüfen die Klimatoleranz von Baumarten

Mit dem Klimawandel geraten viele Baumarten zunehmend unter Trockenstress. Es fragt sich daher, wo sie in Zukunft gedeihen können. Die Eidg. Forschungsanstalt WSL, das Bundesamt für Umwelt BAFU, 20 kantonale Waldämter und viele Forstbetriebe spannen nun zusammen und legen zahlreiche Testpflanzungen an, um die Klimatoleranz von 18 Baumarten zu überprüfen.


Projekt «Experimentelle Kalkung» zur Bodensanierung

Das BAFU hat zusammen mit drei Standortskantonen einen Versuch zur Sanierung stark versauerter Waldböden lanciert. Auf tiefgründig versauerten und an Nährstoffen verarmten Waldstandorten wird die Wirkung einer Kalkung auf die Böden und die Vitalität der Bäume untersucht. Ziel ist, die durch menschliche Aktivitäten verursachten versauernden Einträge aus der Luft zu neutralisieren und die Pufferfähigkeit der Böden zu regenerieren. Die eingesetzten Kalke sind Naturprodukte und gelten gemäss der Schweizer Düngerbuch-Verordnung als Bodenverbesserungsmittel.

Das Projekt ist Teil der Umsetzungsarbeiten der Waldpolitik 2020 und des Postulats von Nationalrat E. von Siebenthal, in denen es um die Verbesserung der Nährstoffsituation jener Wälder geht, die von anthropogenen Einträgen besonders betroffen sind.  Das Projekt läuft vorerst über 4 Jahre und wurde im Herbst 2020 gestartet.

Die Versuchsflächen befinden sich in: 

  • Busswil bei Melchnau BE (Tannenbestand, 620 m.ü.M.) 
  • Menzingen ZG (Fichtenbestand, 980 m.ü.M.) 
  • Bachs ZH (Buchenbestand, 600 m.ü.M.)

Experimentelle Kalkung (PDF, 2 MB, 07.12.2020)Information an die interessierte Bevölkerung (Flyer)


Weitere Informationen

Point of Fire: Kundengeschenk für saubere Luft

Guter Rat am Point of Fire

Die schmuck verpackte Anzündhilfe aus Schweizer Holzwolle mit Informationen zum richtigen Anfeuern drin unterstützt Kaminfegerinnen und Feuerungskontrolleure im Kontakt mit der Kundschaft, die ihre Anlage unsachgemäss betreibt. Sind die Kunden nicht zu Hause, kann das Geschenk als guter Rat für saubere Luft hinterlassen werden. 

point-of-fire.ch/werkzeugkoffer/kundengeschenk

Newsletter Aktionsplan Holz vom 22. Dezember 2020

Themen:

  • Merci – Grazie – Grazia - Danke
  • Ressourcenpolitik Holz 2030
  • Aktionsplan Holz 2017-2020
  • Aktionsplan Holz 2021-2026
  • Daten und Worte
 

Publikationen

Experimentelle Kalkung (PDF, 2 MB, 07.12.2020)Information an die interessierte Bevölkerung (Flyer)


Personelles

Wir verabschieden: 

Giorgio Walther geht Ende Dezember 2020 nach 21 Jahren im Dienst des BAFU in die wohlverdiente Pension. Nach beruflichen Stationen beim LFI und Sanasilva (WSL, Birmensdorf) kam Giorgio 1999 nach mehrjähriger Tätigkeit in einem Ingenieurbüro (St. Moritz/Chur) und an der Försterschule Maienfeld zum BUWAL. Giorgio übernahm damals als Forstinspektor die Leitung des eidgenössischen Forstkreises Nr. 4 und verlässt das BAFU nun als Verantwortlicher für die Waldregion 4 mit der Zuständigkeit für die Kantone AI, AR, GL, GR, SG, SZ, TI und TG. Er hat dabei die Themen Walderhaltung, Waldrecht und Förderinstrumente im Bereich der Waldbewirtschaftung betreut und pflegte enge Kontakte mit den Kantonen und Bundesleitbehörden. Wir verlieren mit ihm eine Person mit viel Vollzugserfahrung sowie forstlichem Praxiswissen. Wir werden diese Kompetenzen, aber auch seinen Humor vermissen. Für seinen langjährigen Einsatz für den Wald danken wir Giorgio und wünschen ihm gute Gesundheit und viel Freude im neuen Lebensabschnitt.

Wir begrüssen:

Jacqueline Bütikofer übernimmt ab dem 1. Januar 2021 die Nachfolge von Giorgio Walther als Verantwortliche für die Waldregion 4 mit den Kantonen AI, AR, GL, GR, SG, SZ und TG. Sie übernimmt Aufgaben in der Walderhaltung (insbesondere Rodungsgeschäfte) und den Programmvereinbarungen im Bereich der Waldbewirtschaftung. Sie verfügt über einen Abschluss des Bachelorstudiums in Forstwirtschaft der HAFL Zollikofen sowie ein EMBA.

Fabian Reusser verstärkt seit November 2020 das Team Holzhandelsregulierung in der Abteilung Wald. Er hilft mit dem Aufbau des Vollzugs der neuen Holzhandelsverordnung (HHV - ist analog zur European Timber Regulation EUTR der EU ausgestaltet) vorzubereiten, insbesondere Hilfstools für die Umsetzung, Kontrollen und Holzartenbestimmung. Als Absolvent der AHB Biel mit Berufserfahrung in der Holzbranche und im Büro für Konsumentenfragen BFK (Vollzug der Deklarationspflicht für Holz und Holzprodukte) bringt er ein breites Know-how für diese Aufgabe in die Sektion Holz- & Waldwirtschaft ein. 

Wir heissen Jacqueline Bütikofer und Fabian Reusser herzlich willkommen.

Kontakt
Letzte Änderung 22.12.2020

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