1. Newsletter Wald 2020 (06.04.2020)

Editorial von Therese Plüss, Sektionschefin Waldschutz und Waldgesundheit BAFU

Therese Plüss

Liebe Leserinnen und Leser

Wir leben in einer globalen Welt. Das Coronavirus zeigt uns momentan mit voller Heftigkeit die Kehrseite der Globalisierung. Innert kurzer Frist müssen wir uns auf neue und sich verändernde Rahmenbedingungen einstellen, wie arbeiten im Home-Office, lernen von zu Hause aus statt in der Schule, Abstand halten wo normalerweise viele Leute gleichzeitig arbeiten. Wir müssen Prioritäten neu setzen und dabei flexibel sein und Geduld mit der Situation und mit uns haben.

Trotz dieser ausserordentlichen Lage möchten wir Sie mit diesem Newsletter über aktuelle Ereignisse zu Wald und Holz informieren. Langsamer und versteckter, oft nur den Fachleuten bewusst, hat der globale Personen- und Warenverkehr negative Auswirkungen, nicht nur auf die Menschen, sondern auch auf die Gesundheit unserer Pflanzen. Auch wenn in vielen Ländern zurzeit Ausgangssperren oder sonstige Einschränkungen gelten; Waren zirkulieren weiterhin über die Grenzen. Waren, die wir dringend benötigen, damit wenigstens die Teile unserer Wirtschaft weiterfunktionieren können, für die keine Einschränkungen gelten.
Es ist dabei die Aufgabe des Eidg. Pflanzenschutzdienstes EPSD und der Importeure sicherzustellen, dass keine Quarantäneorganismen eingeschleppt werden, welche einen zusätzlichen Druck auf die Waldfunktionen ausüben könnten. Mit unseren Nachbarländern sind wir diesbezüglich in Kontakt. Der EPSD stellt unter Einhaltung der Abstands- und Sicherheitsregeln weiterhin die phytosanitären Kontrollen von Einfuhren aus Drittländern sicher.

Es ist ein merkwürdiger Zufall, dass uns das Coronavirus ausgerechnet im Internationalen Jahr der Pflanzengesundheit (IYPH) die Wichtigkeit von Präventionsmassnahmen vor Augen führt. Der EPSD will dieses Jahr nutzen, um Reisende, Landwirte, Waldbesitzerinnen, Naturfreunde etc. für die Pflanzengesundheit zu sensibilisieren. Denn Reisende bringen oftmals potentiell befallene Pflanzen aus den Ferien mit heim. Aufmerksame Praktikerinnen und Praktiker helfen uns dabei, Befälle von Quarantänorganismen frühzeitig zu erkennen. Für die Sensibilisierung der Bevölkerung gestaltete die Schweizerische Post mit unserem Dienst eine Sonderbriefmarke mit einer naturgetreuen Abbildung des Japankäfers. Diese Marke wurde anlässlich einer virtuellen Medienkonferenz am 12. März enthüllt. Die B-Post-Marke stiess auf erfreulich reges Interesse: Sie ist bereits ausverkauft. Weitere Sensibilisierungsmassnahmen waren für den Frühling geplant. Diese werden nun auf einen späteren Zeitpunkt in diesem Jahr verschoben.

Im IYPH wollen wir die Vorsorge stärken, indem wir die Bevölkerung einbeziehen. Denn gebietsfremde Quarantäneorganismen sollen nicht in den Schweizer Wald gelangen. Dies gilt umso mehr, als im Wald nach wie vor die Fichten unter hohem Druck durch den Buchdrucker stehen, wie die neusten Zahlen der WSL zeigen. Auch wenn es uns schwerfällt, dies zu akzeptieren, der Klimawandel ist Tatsache; Käferkalamitäten , Sturmschäden und Trockenperioden werden zunehmen. Das Waldbild dürfte sich in den kommenden Jahren ändern, hin zu einem lichteren, diverseren und von Laubbäumen geprägten Wald. Dieser Wandel bietet auch Chancen, dass die Biodiversität in Wäldern zunimmt, z.B. weil lichtbedürftige Arten Raum und Licht bekommen und gedeihen können. Auf diese positiven Aspekte und die Vielfalt im Wald generell macht eine andere Kampagne des BAFU aufmerksam: Die Kampagne «Unser Wald. Überraschend vielfältig.» Diese Kampagne hätte jetzt im Frühjahr starten sollen, wird nun jedoch später im Jahr lanciert werden.

Für Ihr Interesse an unserem Newsletter trotz COVID-19 danke ich Ihnen. Ich wünsche Ihnen und ihren Familien, Freunden und Bekannten gute Gesundheit.

Therese Plüss
Leiterin Sektion WS
Co-Leiterin EPSD



Lancierung Internationales Jahr der Pflanzengesundheit (IYPH) und Enthüllung der Sonderbriefmarke «Pflanzengesundheit»

Am 30. Januar 2020 wurde die Kampagne zum IYPH in der Schweiz mit einer Medienkonferenz offiziell gestartet. Ziel der Kampagne ist es, die Wichtigkeit gesunder Pflanzen und Wälder aufzuzeigen. Der EPSD und die Hauptpartner haben die Öffentlichkeit über die Risiken informiert, die der zunehmende internationale Waren- und Reiseverkehr für die Pflanzengesundheit mit sich bringt. Reisende sollen überzeugt werden, so wenig Pflanzen und Pflanzenmaterial wie möglich aus Ländern ausserhalb und innerhalb der EU mitzubringen.
Mit der Sonderbriefmarke zum IYPH wird die Wichtigkeit der Früherkennung für die Pflanzengesundheit aufgezeigt. Jeder kann dazu beitragen, indem er bei einem Verdacht auf einen besonders gefährlichen Schadorganismus den zuständigen Dienst informiert. Dazu hat der EPSD Informationsmaterial zu vier neuen Schadorganismen erstellt.

Weitere Informationen finden Sie unter: www.pflanzengesundheit.ch

Sonderbriefmarke Pflanzengesundheit

Medienmitteilungen


Kampagne «Unser Wald. Überraschend vielfältig.»

2020 führt das Bundesamt für Umwelt (BAFU) gemeinsam mit Partnern unter dem Titel «Wald-Vielfalt» eine Kampagne zur Stärkung der Biodiversität in Schweizer Wäldern durch. Hauptziel der Kampagne ist es, der Bevölkerung die Wichtigkeit vielfältiger, artenreicher Wälder aufzuzeigen.

Geplant war, die Kampagne am 19. März 2020, also rechtzeitig für den internationalen Tag des Waldes (21. März 2020) zu lancieren. Aufgrund der aktuellen ausserordentlichen Lage in der Schweiz haben wir uns entschieden, die Kampagne «Wald-Vielfalt» zu stoppen und zu einem späteren Zeitpunkt zu lancieren. Wann dies sein wird ist zurzeit noch offen. Wir sind überzeugt, dass die Kampagne auch zu einem späteren Zeitpunkt erfolgreich durchgeführt werden kann.


Projekt «Experimentelle Kalkung von Waldstandorten» – Update

In drei Testregionen (u. a. in den Kantonen Bern und Zug) in der Schweiz soll geprüft werden, ob und wie mittels einer Kalkung der tiefgründigen Versauerung entgegengewirkt werden kann. Ziel ist die Verbesserung des Nährstoffstatus der Wälder und damit eine Stabilisierung der betroffenen Waldbestände durch die Schliessung von Nährstoffkreisläufen und Entsauerung des Bodens.
Derzeit sind zwei von drei Regionen ausgewählt, die letzten Voruntersuchungen laufen, und im Frühjahr wird mit der Aufnahme und Einrichtung der Flächen begonnen.


Art. 32 WaG – Call für Gesuche 2021/2022

Im Hinblick auf die nächste Periode (2021/2022) zur Unterstützung von Aufgaben, die im Interesse der Walderhaltung liegen (Artikel 32 WaG), wurden ein Leitfaden und ein neues Gesuchsformular erarbeitet. Mit den beiden neuen Dokumenten wird sichergestellt, dass die knapperen finanziellen Mittel effizient und im Sinne der Gesetzgebung optimal vergeben werden. Auch die inhaltliche Koordination der unterstützten Aufgaben der einzelnen Organisationen soll vereinfacht und sichergestellt werden. Die Organisationen werden im April über die nächste Eingabemöglichkeit der Gesuche und die angepassten Rahmenbedingungen informiert.

 

Weitere Informationen

Vernehmlassung Waldverordnung und Holzhandelsverordnung
Im Rahmen des Verordnungspakets Umwelt Frühling 2021 werden diese beiden Verordnungen vom 06. April bis am 20. August 2020 in die Vernehmlassung geschickt. In der Waldverordnung soll Art. 13a zu den forstlichen Bauten und Anlagen gemäss der Annahme der Motion UREK-S 18.3715 «Umsetzung der Waldpolitik 2020. Erleichterung bei der Rundholzlagerung» um die Möglichkeit von Rundholzlagern ergänzt werden. Weiter soll anschliessend an die erfolgte Ergänzung des Umweltschutzgesetzes um das Verbot des Inverkehrbringens von illegal geschlagenem Holz (Geschäft 18.095) mit der Holzhandelsverordnung für die Schweiz eine gleichwertige Regelung zu der bestehenden der Europäischen Union (EU) geschaffen werden.

Le bois met le feu aux Jeux !
Vom 7. Januar bis zum 22. Januar 2020 wurden in Lausanne die Olympischen Jugendspiele durchgeführt. Erstmals in der Geschichte der Olympischen Spiele wurde die Olympische Flamme durch lokales Holz gespiesen: mit Schweizer Holzpellets.

Mehr Informationen unter:
8.1.2020 - Die olympische Flamme brennt mit Schweizer Pellets


Publikationen

 

Jahrbuch Wald und Holz 2019

Cover Jahrbuch Wald und Holz 2019

Waldressourcen, Holznutzung, Leistungen und Produkte des Waldes. 2019


Personelles

Jean-Laurent Pfund leitet seit acht Jahren die Fachstelle für Wildtiere, Wald und Natur (service de la faune, des forêts et de la nature, SFFN) des Kantons Neuenburg. Per 1. April 2020 wechselt er in die Sektion Waldleistungen und Waldpflege der Abteilung Wald des BAFU. Als ausgebildeter Forstingenieur ETH ist Jean-Laurent Pfund seit 1991 in seinem Beruf tätig. 1998 promovierte er an der ETH im Rahmen eines binationalen Projekts mit Madagaskar. Seine Tätigkeit im internationalen Forstwesen setzte er bis 2011 fort. Beim BAFU wird er sich mit nationalen und internationalen Fragen im Zusammenhang mit Wald-Ökosystemleistungen (CO2-Senkenleistung, Trinkwasser, monetäre Bewertung) befassen. Er wird einen Teil der von Pierre Alfter bearbeiteten Dossiers übernehmen und die Thematik der Wald-Ökosystemleistungen auf internationaler Ebene verstärkt bearbeiten.

Monika Brönnimann war seit 2003 am BAFU zuerst im Sekretariat und anschliessend in der Sektion Walderhaltung und Waldpolitik tätig. Sie übernahm dort Aufgaben in der Bearbeitung von Rodungsvorhaben, der Beurteilung von Umweltverträglichkeitsprüfungen im Bereich Wald, der Vollzugskontrolle Walderhaltung und der Rodungsstatistik. Monika verliess das BAFU per Ende Februar, wobei wir ihr für die geleistete Arbeit in den letzten Jahren herzlich danken und ihr für die Zukunft alles Gute wünschen.

Kontakt
Letzte Änderung 06.04.2020

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