2. Newsletter Wald 2020 (02.07.2020)

Editorial von Michael Husistein, Sektionschef Walderhaltung und Waldpolitik

Michael Husistein

Liebe Leserinnen und Leser

«Wald tut gut». Dies war das Motto des Beitrags in der Hintergrundsendung 10vor10 von TV SRF am 10. Juni 2020. Während des Lockdowns haben viele Menschen den Wald zur Erholung aufgesucht, weil er einer der wenigen noch frei zugänglichen Orte war. Doch der Wald leistet viel mehr als einen Beitrag zur Erholung und die Ansprüche an ihn sind entsprechend vielfältig: Er ist Naturschutzgebiet, Holzlieferant, Arbeitsplatz, Landschaftselement und Schutzgarant. Der Wald in der Schweiz ist zum Glück gut geschützt und kann viele dieser Ansprüche erfüllen. Eine gute Waldpolitik stellt dabei eine ausgewogene Abwägung zwischen diesen Ansprüchen sicher und schafft damit einen möglichst optimalen Nutzen für die Gesellschaft, Wirtschaft und die Umwelt. Wichtig bei so vielen unterschiedlichen und nicht selten divergierenden Interessen ist es, dass die Waldpolitik auf einer faktenbasierten Grundlagen aufbaut.

Der Anlass für den oben erwähnten Fernsehbeitrag war, dass das BAFU zusammen mit der WSL am 10. Juni die Medien und die Öffentlichkeit über die Ergebnisse des vierten Landesforstinventars LFI4 (Erhebungsperiode 2009-2017) informiert hat. Das LFI gibt uns wichtige Informationen zum Zustand und zur Entwicklung des Waldes. Es ist somit ein wichtiges Instrument, um Handlungsbedarf zu erkennen, Massnahmen einzuleiten, umzusetzen und sie zu überprüfen. So ist das LFI eine zentrale Datenquelle, um zu prüfen, ob Ziele erreicht wurden, etwa in der Waldpolitik 2020 oder in der Agenda 2030 der UNO für die nachhaltige Entwicklung.

Wie gut geht es denn nun dem Schweizer Wald? Die Antwort auf diese Frage finden Sie weiter unten in diesem Newsletter sowie in den weiterführenden Informationen. Soviel sei aber jetzt schon gesagt: Der Schweizer Wald ist generell in gutem Zustand, aber wegen des Klimawandels auch vermehrt unter Druck. Der Wald schützt besser vor Naturgefahren als noch vor acht Jahren. Waldstrukturen und Baumarten sind vielfältiger – eine erfreuliche Entwicklung, auch im Hinblick auf den zunehmenden Stress durch Trockenheit und Stürme. Zu schaffen machen dem Wald aber starker Insektenbefall und Krankheiten. Und das Ausmass dieser Einflüsse hat dann ab dem Jahr 2018, also dem Jahr nach Abschluss dieser 4. Erhebungsperiode, mit ausgeprägten Ketteneffekten aus Stürmen, Trockenheitsperioden und Borkenkäferschäden noch deutlich zugenommen und prägt das aktuelle Waldmanagement.

Wie können wir diese Veränderungen in Zukunft erfolgreich gestalten? Das Parlament hat am Tag der LFI-Präsentation die Motion 19.4177 von Ständerat Engler bzw. Alt-Ständerat Hêche angenommen. Damit beauftragt es den Bundesrat zusammen mit den Kantonen und weiteren relevanten Akteuren und Akteurinnen, eine Gesamtstrategie für die Anpassung des Waldes an den Klimawandel zu erarbeiten.

Und nun ist auch bekannt, wer das BAFU zukünftig als neue Direktorin führen und uns bei diesen herausfordernden Arbeiten begleiten wird: Katrin Schneeberger, bisher stellvertretende Direktorin des ASTRA, übernimmt auf den 1. September die Leitung des BAFU. Wir gratulieren zu dieser Wahl und freuen uns bereits jetzt auf die Zusammenarbeit.

Ich hoffe, dass Sie liebe Leserinnen und Leser diesen Sommer nun in vollen Zügen geniessen können und ich wünsche Ihnen eine anregende Lektüre.

Michael Husistein
Stv, Abteilungschef, Leiter Sektion Walderhaltung und Waldpolitik



Ergebnisse des vierten Landesforstinventars (LFI4) 2009 – 2017

Urwaldreservat Scatlè, Brigels (GR)
© Urs-Beat Brändli, WSL

Die langfristige Entwicklung (Periode 2009-2017) im Schweizer Wald fällt gesamthaft positiv aus – jedoch gibt es regionale Defizite.

Knapp 60% der Schweizer Waldfläche befindet sich in einer Hanglage mit mehr als 40% Neigung. Die aktiv bewirtschaftete Waldflächen befinden sich eher in den Tieflagen, in den höheren Lagen werden die Bestände dichter und der Anteil der Starkholzbestände ist seit dem LFI1 (1983-85) kontinuierlich gestiegen.

Die Schutzwirkung ist auf rund drei Vierteln der Schutzwaldfläche sichergestellt, bei einem Viertel ist die Schutzfunktion aufgrund der mangelhaften Bestandesstabilität und ungenügender Verjüngung langfristig gefährdet.

Die Waldbiodiversität zeigt positive Trends: die Baumarten- und Strukturvielfalt, sowie Totholzmengen haben vielenorts zugenommen. Abgenommen haben sehr naturferne Fichtenbestände im Mittelland. Für die Nachhaltigkeit im Wald sind die fehlende Holznutzung in den Gebirgswäldern und auf der Alpensüdseite ein kritischer Faktor.

Der Medienkonferenz zur Veröffentlichung der Ergebnisse des LFI4 fand am 10. Juni 2020 mit zahlreichen Medienschaffenden im Forst bei Rosshäusern im Westen von Bern statt. Mehr dazu siehe:


Abenteuer Vielfalt – willkommen im Wald!                                                            

In diesem Jahr führt das Bundesamt für Umwelt (BAFU) zusammen mit verschiedenen Partnern eine Kampagne unter dem Titel «Wald-Vielfalt» durch, dies im Rahmen der internationalen Tage des Waldes (21. März 2020) und der Biodiversität (22. Mai 2020). Bis Ende November steht das vielfältige Waldleben bis im Mittelpunkt.

Zu Kampagne «Wald-Vielfalt» gehört unter anderem eine Entdeckungstour durch Schweizer Wälder, bei der Holzfiguren typischer Waldbewohner gefunden werden müssen. Die Aktionen sollen das Bewusstsein für vielfältige, lebendige Wälder stärken, die wir auch in Zukunft brauchen.

Übersichtskarte Parcours und Wettbewerbsteilahme

Sauerklee auf einer Waldlichtung im Frühling

Abenteuer Vielfalt – willkommen im Wald!

19.05.2020 – Die Wälder gehören zu den vielfältigsten Lebensräumen in der Schweiz. Über 20‘000 Tierarten, unzählige Pflanzen und Pilze, Flechten und Moose sind hier zuhause. Darauf macht die neue «Wald-Vielfalt»-Kampagne aufmerksam. Kommen Sie mit auf einen Spaziergang und erleben sie hautnah, was Vielfalt im Wald bedeutet.


Weitere Informationen

Generischer Notfallplan für Quarantäneorganismen
Quarantäneorganismen können effizienter bekämpft werden, wenn alle zuständigen Stellen auf einen Befall oder Ausbruch vorbereitet sind. Für eine wirksame Ereignisbewältigung ist es wichtig, die Aufgaben, Abläufe, Massnahmen und Zuständigkeiten zu kennen. Aus diesem Grund hat der Eidg. Pflanzenschutzdienst EPSD einen generischen Notfallplan erarbeitet, welcher auf internationalen Empfehlungen basiert. Er soll bei Befällen in der Wald- und Landwirtschaft genutzt werden.

Der generische Notfallplan kann unter dieser Adresse abgerufen werden:

www.blw.admin.ch

Newsletter zum Internationales Jahr der Pflanzengesundheit
Mit den Themen:
-  Wie ist die Enthüllung der Sonderbriefmarke gelaufen?
-  Was für neue Infomaterialen stehen zur Verfügung?

All diese Informationen finden Sie hier:

Newsletter Aktionsplan Holz vom 29. Juni 2020
Themen:

  • Aktualisierte Dokumentation Brandsicherheit und Holz
  • Geschäftsmodelle zur Extraktion und Valorisation von Holzinhaltsstoffen
  • Einsatz von Buchen-Brettschichtholz in hochbelasteten Anwendungen
  • Brettschichtholz aus Laubholz, Anschlüsse
  • Laubholz Deckensystem
  • Daten und Worte
 

Pädagogisches Dossier zum Wald-Knigge
Gemeinsam mit der Stiftung SILVIVA erarbeitetet der AfW (Arbeit Gemeinschaft für den Wald) zu jeder Wald-Knigge-Regel zwei Vorschläge für Aktivitäten, welche die Lehrpersonen mit ihren Schülerinnen und Schülern umsetzen können. Zu jeder Aktivität geben sie zudem ein paar wenige Hintergrundinfos zur entsprechenden Regel und zum Wald. Die Aktivitäten sollten ohne grosse Vorbereitungen sowohl von Waldfachleuten als auch von Laien durchgeführt werden können.

www.afw-ctf.ch/de/wald-knigge/paedagogisches-dossier

Der Corona-Lockdown veränderte die Waldbesuche der Schweizer Bevölkerung
Dichtestress im Wald? Der Lockdown während der Corona-Pandemie ab Mitte März veränderte die Waldbesuche der Schweizer Bevölkerung markant. Dies zeigt ein einzigartiger Vergleich zweier Umfragen der Eidg. Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft WSL, die vor und während der Krise stattfanden.

Neue Organisation Abteilung Biodiversität und Landschaft
Per 1. Mai 2020 hat das BAFU seine organisatorischen Strukturen angepasst, um den künftigen Herausforderungen in der Biodiversitäts- und Landschaftspolitik zielgerichtet begegnen zu können. Die ehemalige Sektion „Wildtiere und Waldbiodiversität“ hat sich zum Kompetenzzentrum für „Wildtiere und Artenförderung“ entwickelt. Die Waldbiodiversität ist neu in die Sektion „Biodiversitätspolitik“ integriert.

Unkomplizierte Förderung – noch bis Ende 2020:  Waldpflegeprogramm der Klimastiftung Schweiz
Haben auch Sie einen alten Wald, der wieder bewirtschaftet werden müsste? Decken Holzerlös und allfällige Subventionen Ihren Aufwand nicht? Dann beantragen Sie finanzielle Unterstützung der Klimastiftung Schweiz.

UNECE Photo Contest: “Humans locked down, Nature unlocked”
Der Fotowettbewerb des UNECE Wald- und Holzkomitees in Genf prämiert Bilder mit Sujets zur Rückkehr der Natur in die Städte. Deadline für den Einsand ist 15.09.2020. Die besten 13 Fotos werden an der UNO in Genf ausgestellt und im offiziellen UNECE Kalender 2021 verwendet.

natureunlocked.unece.org

 

Personelles

Alexandra Strauss übernahm am 1. Juni die neu gebündelte Stelle als wissenschaftliche Mitarbeiterin für Waldpolitik. Sie verfügt über ein Studium in Japanologie (Hauptfach), Politikwissenschaften und Informatik (Nebenfächer) sowie als Weiterbildung ein Executive MBA in nachhaltigem Wirtschaften. Sie arbeitete zuletzt für die WSL, für das BAFU in der Abteilung Ökonomie und Innovation sowie beim WWF Schweiz. Alexandra Strauss wird schwerpunktmässig Aufgaben in den Bereichen Parlamentsgeschäfte, Rechtsetzung, Grundlagen für die Formulierung und Umsetzung der Waldpolitik sowie die Waldberichterstattung betreuen.

Virginie Moret unterstützt ab dem 1. Juli 2020 das Team der Fachspezialistinnen und Fachspezialisten Walderhaltung. Sie verfügt über einen Hochschulabschluss in Geografie. Virginie Moret übernimmt Aufgaben in der Bearbeitung von Rodungsvorhaben, Beurteilung von Umweltverträglichkeitsprüfungen im Bereich Wald, der Vollzugskontrolle Walderhaltung und der Rodungsstatistik. Sie ersetzt Monika Brönnimann.

Miriam Widmer tritt am 1. Juli die neu geschaffene Stelle für die Umsetzung der Pflanzengesundheitsverordnung an. Sie wird schwerpunktmässig die Rechtsgrundlagen pflegen, Kommunikationsmassnahmen verantworten und die Schweiz im Bereich forstliche Pflanzengesundheit international vertreten. Frau Widmer ist Geografin und war zuletzt bei der FAO in Rom tätig.

Das Thema Sturm wird in der Abteilung Wald neu von Michael Sautter betreut. Er übernimmt das Dossier von Erica Zimmermann. Damit ist die Ereignisbewältigung für alle biotischen und abiotischen Risiken für den Wald neu in der Sektion Waldschutz und Waldgesundheit angesiedelt. 

Kontakt
Letzte Änderung 02.07.2020

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