3. Newsletter Wald 2019 (01.10.2019)

Michael Reinhard

Editorial von Michael Reinhard

Liebe Leserinnen und Leser

Graues oder leuchtend rotes Laub welkender Bäume, das aus dem satten Grün des ansonsten gesunden Waldes hervorsticht: Solche Anblicke und Schadbilder ist man in gewissen Regionen wie etwa am Juranordfuss und insbesondere in der Ajoie nicht gewohnt. In dieser Region haben die wiederholten Trockenperioden in den Buchenwäldern massive Schäden angerichtet. Auf Einladung der Fachstelle für Wald und Naturgefahren des kantonalen Amtes für Umweltschutz konnte sich eine Delegation des BAFU vor Ort einen Eindruck verschaffen. Der Anblick ist erschütternd. Anderer Schauplatz, ähnliches Bild: In der Region Verscio im Tessin haben Pilzerkrankungen, Insektenfrass und Trockenheit den Kastanienwäldern arg zugesetzt. Der Aufwuchs besteht fast vollständig aus Neophyten. Der Schweizer Wald befindet sich im Wandel und wird auf eine harte Probe gestellt. Er verändert sich, und damit stellt sich natürlich die Frage, wie wir diesen Prozess begleiten wollen: mit harter Hand oder minimalinvasiv?

Wir haben gelernt, dass Wälder nicht sterben, sondern stets nach einem neuen Gleichgewicht streben. Genau dieses Gleichgewicht wird in den Wäldern von morgen von zentraler Bedeutung sein. In unseren Bemühungen, die Funktionen des Waldes für die Menschen und die Umwelt zu erhalten und langfristig zu sichern, stehen wir an einem entscheidenden Punkt. Das Forschungsprogramm Wald und Klimawandel hat wertvolle Ergebnisse geliefert und erste waldbauliche Instrumente zur Verfügung gestellt. Überall in der Schweiz sollen Testpflanzungen durchgeführt werden. Aber es gibt kein Wundermittel, um Schäden durch extreme Auswirkungen von heute auf morgen zu beheben. Abgestorbene Bäume lassen sich nicht von einem Tag auf den andern ersetzen. Wir müssen uns auf die Intelligenz der natürlichen Systeme verlassen und neue Wege beschreiten. Dort, wo unser Wissen endet, wird der Wald zum In-situ-Labor. Erfahrungsaustausch, Zusammenarbeit und Wissenstransfer zwischen den Regionen werden in den kommenden Jahren besonders wichtig sein und uns in dieser Veränderungsphase begleiten. Bereits heute ist klar, dass die Antworten auf unsere Fragen vielfältig und je nach Landesgegend unterschiedlich ausfallen werden.

In diesem Zusammenhang hat der Bund zusätzliche Personalressourcen bewilligt. Noch im laufenden Jahr werden neue Stellen besetzt. Innerhalb der Abteilung Wald des BAFU werden die Aufgaben in den Bereichen Waldbrände, biotische Gefahren, Pflanzengesundheit und Anpassung an den Klimawandel neu verteilt. Damit wird unsere Abteilung die Herausforderungen in Sachen Waldgesundheit und Klima besser meistern können.

Ich hoffe, dass Sie den Spätsommer und Herbst in vollen Zügen geniessen können, und wünsche Ihnen anregende Lektüre.

Michael Reinhard
Abteilungschef Wald, Bundesamt für Umwelt



Wald im Trockenstress

Mehrere trockene Sommer haben in den letzten Jahren unsere Wälder geschwächt. Das Ausmass der Trockenheitsschäden in Wäldern variiert stark. Entlang der Jurakette sind die Schäden beispielsweise grösser als entlang der Voralpen. Fichten, Buchen, Eichen und Weisstannen haben unter der Trockenheit gelitten. Die Schäden an der Weisstanne sind in dem Ausmass ungewöhnlich, gilt sie doch als hitzetoleranter als die anderen Arten. Jedoch verträgt sie die Kombination aus Hitze und Trockenheit schlecht. Regionen, die häufiger von Trockenheit betroffen waren, haben jetzt stark geschwächte Waldbestände, betroffen sind namentlich die Regionen nördlich des Jura, aber auch das Wallis und Graubünden (ausgenommen sind Hochlagen und das Engadin). Diese Situation kann die Ausbreitung von Krankheitserregern begünstigen und führt jetzt schon zum Absterben von Bäumen. Beispiele sind die hohe Buchenmortalität am Juranordfuss und der hohe Borkenkäferbefall auf den Fichten im nördlichen und östlichen Mittelland sowie im Jura.  Sollten sich ähnliche Wetterbedingungen in den kommenden Jahren wiederholen, ist mit einer Verschärfung der Situation zu rechnen.

Karten mit Wasserverfügbarkeit für die Pflanzen

Die Wasserverfügbarkeit für Pflanzen und im Boden wurde erstmals in einer Zeitreihe von 1981 – 2018 animiert als Karte und als Diagramm aufbereitet und ist nun online abrufbar. Damit kann die verminderte Wasserverfügbarkeit visuell aufgezeigt werden.

Beispiel Wasserverfügbarkeit für Pflanzen auf map.geo.admin.ch


Forstmesse Luzern – Baumarten-App hilft den Zukunftswald zu gestalten

An der Forstmesse in Luzern haben die WSL, das BAFU und die Kantone an einem gemeinsamen Stand einen Prototyp der Baumarten-App vorgestellt. Die Grundidee der sogenannten „tree-app“ ist, für jeden Punkt im Schweizer Wald zu zwei verschiedenen zukünftigen Klimaszenarien eine Baumartenempfehlung abzugeben. In zahlreichen Fachgesprächen haben wir an der Forstmesse wertvolle Rückmeldungen zur Gestaltung der App erhalten, die noch in die definitive Version bis Ende 2019 aufgenommen werden können. Im Laufe des nächsten Jahres werden dann die Daten für die ganze Schweiz in der App erfasst sein.

tree-app.ch

tree-app.ch

Sensibilisiert wurden die Besucherinnen und Besucher am Stand auch über die Vegetationshöhenstufen, die sich bis Ende des 21. Jahrhunderts um 500-700m nach oben verschieben werden. Dies geschah mit einer eindrücklichen Projektion an einem Bergmodell (rechts auf dem Foto). Ein Schattenbaum stellte die Zukunftsaussichten der vier Baumarten Fichte, Weisstanne, Traubeneiche und Hanfpalme vor und an den Rückwänden des Standes wurde die Klimageschichte von 1864 bis 2090 abgebildet. 

Stand Zukunftswald gestalten - Baumarten im Klimawandel
Stand Zukunftswald gestalten - Baumarten im Klimawandel
© Oliver Graf, dialog:umwelt

Bodensanierungsversuch mit Kalkung

Das Projekt zur Sanierung von tiefgründig versauerten Waldstandorten im Auftrag des BAFU wurde gestartet. Es soll in drei Testregionen geprüft werden, ob mit einer einmaligen Kalkung eine Verbesserung des Zustands erreicht werden kann. Die Auswahl der Standorte läuft derzeit. Die Arbeiten sind ein Auftrag aus dem Postulat von Nationalrat von Siebenthal: 


Bioökonomie

Bei der Aktualisierung der Ressourcenpolitik Holz des Bundes wird auch die Empfehlung des NFP 66, Grundlagen für eine biobasierte Entwicklung zu schaffen, aufgenommen. Zu diesem Zweck hat der Aktionsplan Holz eine Vorstudie „Bioproduktewerk“ erstellen lassen und unterstützt den Schweizerischen Nationalfonds SNF bei der Erarbeitung eines Pflichtenheftes „Bioökonomiestrategie“. 


Weitere Informationen

Newsletter Aktionsplan Holz vom 30. September

Themen:

  • Schweizer Holz
  • Ökobilanz von Waldpellets
  • Filterverfügbarkeit bei Heizanlagen
  • Wohnkabine aus Holzwerkstoffen
  • Daten und Worte

Personelles

Am 2.9.2019 hat Frau Marjo Kunnala, Absolventin der HAFL in Zollikofen, in der Sektion Holz- und Waldwirtschaft begonnen. Sie wird die ertragskundlichen Dossiers wie Holznutzungspotenzial, Anpassungsfaktoren LFI und Forststatistik, die BAFU-Projektleitung im Projekt LFI sowie Monitoringdaten für die internationale CO2 Berichterstattung zu Holz übernehmen. Sie wird bei der Aktualisierung der Studie «CO2-Effekte von Wald und Holz» den Teil Holz betreuen. Sie ist die Nachfolgerin von Paolo Camin.       

Wir heissen Marjo Kunnala herzlich willkommen.

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Letzte Änderung 01.10.2019

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