4. Newsletter Wald 2018 (18.12.2018)

Michael Reinhard

Editorial von Michael Reinhard

Liebe Leserinnen und Leser

Bald fällt der Vorhang über das Jahr 2018 – einem Jahr, das für unsere Wälder eine schwere Belastungsprobe bedeutete. So warf der Sturm «Burglind» im Januar Bäume mit einem Gesamtvolumen von rund 1,3 Mio. m3. Zudem wurden die westlichen Voralpen und Alpen von grossen Schneemengen, Lawinen, Überschwemmungen und Erdrutschen heimgesucht. Der weitere Jahresverlauf war dann von Niederschlagsmangel und Hitzeperioden gekennzeichnet. In manchen Regionen galten während mehr als drei Monaten in Folge Feuerverbote im Freien – ein Rekord. Bereits Ende Juli begannen in der Nordostschweiz die Buchenblätter sich zu färben und abzufallen. Dies sorgte in der Deutschschweiz – ähnlich wie 2015 in der Westschweiz – für Aufsehen. Die geschwächten Wälder waren leichte Beute für Schädlinge, deren Vermehrung zu mehr Holzschlag und damit einem grösseren Holzvolumen am Markt führte. Im Oktober fegte das Sturmtief Vaia über die Ostschweizer Wälder. Die Folgen dieser Naturereignisse wird man erst im Verlauf der nächsten Jahre klar abschätzen können.

Nicht nur das Wetter, sondern auch die Politik setzte die Wälder 2018 unter Druck. So mussten sich die Mitarbeitenden der Abteilung Wald mit mehreren parlamentarischen Vorstössen befassen, die eine Aufweichung der Waldschutzregelungen verlangten. Jetzt liegt der Ball beim Parlament. Es wird in den kommenden Sessionen über die Beschlüsse des Bundesrates befinden.

Die diesjährigen Wetterkapriolen zeigen einmal mehr in aller Deutlichkeit, wie wichtig es ist, unsere Wälder für den Klimawandel «fit zu machen». Weiter unten erhalten Sie Informationen über die Instrumente zur Umsetzung des Forschungsprogramms Wald und Klimawandel. Auch die Anpassung der Massnahmen der «Waldpolitik post 2020» dient dem gleichen Zweck. In vorliegenden Newsletter informieren wir Sie über diesen Prozess, den die Abteilung Wald vor Kurzem angestossen hat. Die Frage der involvierten Akteure bleibt sehr aktuell. Diesbezüglich vermittelt die Analyse der Waldeigentümer/-innen neue Erkenntnisse über das Waldeigentum in der Schweiz.

Bevor der Vorhang über das zu Ende gehende Jahr also definitiv fällt, möchte ich allen unseren Partnern beim Bund, bei den Kantonen sowie aus Wirtschafts- und Umweltschutzkreisen für ihre wertvolle Zusammenarbeit danken. Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, wünsche ich schöne Festtage, frohe Weihnachten und ein gedeihliches, erfolgreiches neues Jahr bei guter Gesundheit. Dasselbe wünsche ich auch unseren schönen Wäldern.

Michael Reinhard

Abteilungschef Wald, Bundesamt für Umwelt



Waldpolitik post 2020            

Ausgangslage

Die Waldpolitik 2020 soll, wie bereits Ende 2017 im Newsletter Wald angekündigt, weitergeführt werden. Die vom Bundesrat 2011 genehmigten Ziele und strategischen Stossrichtungen werden somit weiterhin gültig sein. Mit der Weiterführung der Waldpolitik 2020 ergibt sich eine Konstanz im Handlungsprogramm des Bundes. Das UVEK hat nun den Auftrag, den Massnahmenplan auf die zukünftigen Herausforderungen auszurichten. Erfolgreiche Massnahmen der aktuellen Waldpolitik sollen dabei weitergeführt, andere verbessert und wo nötig neue hinzugefügt werden. Damit soll die zukünftige Waldpolitik den Änderungen im Umfeld der Wald- und Holzwirtschaft, des Klimawandels, sowie den ökologischen und gesellschaftlichen Ansprüchen an den Wald auch weiterhin Rechnung tragen können. Der Massnahmenplan soll dabei wiederum den Fokus auf die verbindlichen Massnahmen des Bundes legen und auf die wichtige Rolle der Kantone und der weiteren Akteure in der Umsetzung hinweisen.

Zeitplan

Die Planung und Vorarbeiten für die Überarbeitung des Massnahmenplans und der Publikation einer neuen Broschüre zur Waldpolitik post 2020 sind intern angelaufen. Bis im Frühling 2019 werden die Verantwortlichen des BAFU den heute bestehenden Massnahmenplan überprüfen und nach Bedarf anpassen. Bei Bedarf werden in diesem Prozess auch die externen Partner aus den kantonalen Verwaltungen und den Verbänden einbezogen. Im Juni 2019 soll dann ein erster Entwurf des neuen Massnahmenplans vorliegen, welcher mit den wichtigsten Entscheidungsträgern diskutiert wird. Dabei soll auch das notwendige Engagement für eine erfolgreiche Umsetzung verankert werden. Ziel ist es, den neuen Massnahmenplan bis Ende Mai 2020 auf Stufe UVEK verabschieden zu können und anschliessend eine aktualisierte Publikation zur Waldpolitik nach 2020 zu veröffentlichen.


Neue BAFU-Analyse: Der Schweizer Wald gehört Vielen

Die rund 1,31 Mio. ha Schweizer Wald gehören fast 250'000 Eigentümerinnen und Eigentümern. Eine Analyse des Bundesamts für Umwelt (BAFU) zeigt, wer diese Waldbesitzerinnen und -besitzer sind, wie ihr Verhältnis zu ihrem Wald ist und welche Ziele sie verfolgen

Die Eigentümerinnen und Eigentümer des Schweizer Waldes

Cover Der Schweizer Privatwald und seine Eigentümerinnen und Eigentümer. Schlussbericht. 2005. 120 S.

Untersuchung des Verhältnisses privater und öffentlicher Eigentümerinnen und Eigentümer zu ihrem Wald. 2018


Bundesrat überweist die Botschaft für eine Schweizer Holzhandelsregulierung analog zur EU

Am 7.12.2018 hat der Bundesrat die Botschaft zur Revision des Umweltschutzgesetzes (USG) für eine Schweizer Holzhandelsregulierung (CHTR) ans Parlament überwiesen. Damit kommt der Bundesrat den Forderungen zweier gleichlautenden Motionen (17.3855/17.3843) von National- und Ständerat (NR Flückiger-Bäni und SR Föhn) nach, möglichst rasch eine analoge Regelung zur Europäischen Holzhandelsregulierung der EU (EUTR 995/2010) zu erlassen.


Rückblick UNECE COFFI 2018 - Building the Future with Forests, 5.-9.11. in Vancouver BC, Kanada

Die «76th Session of the UNECE Committee on Forests and the Forest Industry (COFFI)» fand erstmals in einem Mitgliedsstaat aus Nordamerika statt und war ganz der innovativen und nachhaltigen Verwendung des Holzes gewidmet. In der «Vancouver Invitation on Forest Products for a Better Future» wurden konkrete Empfehlungen zur Holzverwendung für Länder und Privatindustrie verabschiedet.

Alle Präsentationen und Dokumente sind auf:
www.unece.org/forests/coffi2018


Projekt «Feldtaugliche Nutzbarmachung der Resultate Forschungsprogramm Wald und Klimawandel»          

Die WSL wird die Ergebnisse des Forschungsprogramms Wald und Klimawandel auf verschiedenen elektronischen Geräten nutzbar machen. Zusammen mit dem BAFU und den Kantonen werden die Bedürfnisse der Nutzerinnen und Nutzer und die notwendigen IT-Schnittstellen in zwei Arbeitsgruppen geklärt. Eine wichtige Grundlage sind dabei die Ergebnisse aus den Feldtests in den letzten Jahren. Es ist vorgesehen, an der Forstmesse in Luzern vom 15.-18. August 2019 erste Resultate des Projektes, wie auch weitere interessante Informationen zu Wald und Klimawandel zu präsentieren.


Neue Pflanzengesundheitsverordnung

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Der Bundesrat hat am 31. Oktober 2018 die Totalrevision der Pflanzenschutzverordnung verabschiedet. Sie wird umbenannt in Pflanzengesundheitsverordnung (PGesV).
Publikation im Amtsblatt > viertletzter Erlass (SR 916.20)

Die Totalrevision verstärkt Präventionsmassnahmen und bringt neue Instrumente, um die Einschleppung und Verbreitung von besonders gefährlichen Schadorganismen zu vermeiden.
Weitere Informationen finden Sie auf: www.pflanzengesundheit.ch

Als Ergänzung zur PGesV arbeitet der EPSD zudem momentan an einer neuen interdepartementalen Pflanzengesundheitsverordnung. Sie enthält technische Bestimmungen sowie die Listen mit den geregelten Schadorganismen und Waren. Die Anhörung der interessierten Kreise findet im Frühjahr 2019 statt. Sowohl die PGesV wie auch die interdepartementale Verordnung treten am 1. Januar 2020 in Kraft.


Projekt «Testpflanzungen WSL-Kantone»          

Die Kantone konnten der WSL bis 31.10.2018 Meldungen für mögliche Versuchsflächen einreichen. Nun wertet die WSL diese aus. Das Projekt wurde in der Schweizerischen Forstzeitschrift 6/2018 beschrieben, weitere Informationen zum Projekt «Testpflanzungen zukunftsfähiger Baumarten» sind verfügbar unter: www.testpflanzungen.ch.


Experimentelle Kalkung von Waldstandorten

Übermässige Einträge von stickstoffhaltigen Luftschadstoffen bewirken in vielen Ökosystemen eine Überdüngung und tragen zur Versauerung des Bodens bei. Die Stickstoffeinträge überschreiten heute auf 95 Prozent der Waldfläche die kritischen Eintragswerte, oberhalb derer langfristig mit negativen Beeinträchtigungen zu rechnen ist. Versauerung und Nährstoffverarmung sind in vielen Wäldern problematisch, mit Folgen für die Nährstoffversorgung, Vitalität und Wachstum der Bäume.

Durch das Ausbringen von Kalk auf den Waldboden können eine bereits eingetretene Versauerung reduziert und säurebedingte Schäden vermieden werden. Zudem werden günstige Bedingungen für das Bodenleben und die Pflanzenwurzeln geschaffen, die Nährstoffversorgung wird langfristig verbessert. Im Rahmen einer Machbarkeitsstudie soll ein Programm zur Sanierung von betroffenen Waldböden getestet werden. Die WTO-Ausschreibung für dieses Projekt läuft bis am 4.1.2019.

Bericht des Bundesrates in Erfüllung des Postulats von Siebenthal (13.4201): «Optionen zur Kompensation der Versauerung von Waldböden und zur Verbesserung der Nährstoffsituation von Wäldern - Darstellung und Bewertung»

Weitere Informationen

Der Schweizer Wald – symbolträchtig, landschaftsprägend und wirtschaftlich bedeutsam

eine Swiss Story auf: www.houseofswitzerland.org

 

Waldpädagogik - Internationaler Tag des Waldes ITW 2019
© SILVIVA

Aktuelle Informationen zum ITW 2019

Der internationale Tag des Waldes 2019 am 21. März hat «Wald und Bildung» zum Thema. Aus diesem Anlass finden in der ganzen Schweiz in möglichst vielen Kantonen und Regionen von Frühling bis Sommer 2019 Bildungsveranstaltungen im Wald statt.

Weitere Informationen auf:
www.bafu.admin.ch/itw2019
www.silviva.ch/itw

Anpassung der Verordnung über den Verkehr mit Abfällen VVEA per 1.11.2018

Jährlich fallen rund 75‘000 Tonnen Holzasche an. Aufgrund von Entsorgungsengpässen, welche mit der Einführung der Verordnung über den Verkehr mit Abfällen VVEA erfolgten, wurde diese am 1. November 2018 angepasst. Nun können Rost- und Filteraschen aus der Verbrennung von Waldholz, Flurholz und Restholz sowie Rostaschen aus der Verbrennung von Altholz künftig ohne Behandlung und ohne Analyse auf Deponien des Typs D und E abgelagert werden. Filteraschen aus der Verbrennung von Altholz können bis im November 2023 ebenfalls auf diesen beiden Deponietypen abgelagert werden. Anschliessend sind sie zu behandeln. Holzasche aus kleinen Feuerungen können weiterhin im Hauskehricht entsorgt werden.

Holzenergie kann brennende Fragen zum Thema beantworten:


Publikationen

Die Eigentümerinnen und Eigentümer des Schweizer Waldes

Cover Der Schweizer Privatwald und seine Eigentümerinnen und Eigentümer. Schlussbericht. 2005. 120 S.

Untersuchung des Verhältnisses privater und öffentlicher Eigentümerinnen und Eigentümer zu ihrem Wald. 2018


Personelles

Ende November wurde Werner Riegger pensioniert. Sein grosses Fachwissen hatte er in der Projektleitung des Aktionsplans Holz und bei zahlreichen Projekten eingebracht. Als Geschäftsleiter führte er den Wald- und Holzforschungsfonds in den 6 Jahren, während denen er im BAFU arbeitete, gewissenhaft und vorausblickend. Wir danken Werner Riegger für seinen Einsatz und sein Engagement und wünschen ihm für die Zukunft alles Gute!

Herr Pierre Alfter, der zurzeit beim Kanton Neuenburg als Forstverwalter tätig ist, wird am 1.3.2019 seine Tätigkeit in der Sektion Waldleistungen und Waldpflege der Abteilung Wald des BAFU aufnehmen. Pierre Alfter ist diplomierter Forstingenieur ETH und arbeitet seit 1995 im Forstbereich. Er besitzt umfangreiche theoretische und vor allem praktische Kenntnisse in den verschiedenen forstwirtschaftlichen Themenbereichen. Beim BAFU wird er für Dossiers auf dem Gebiet der Waldökosystemleistungen (Wasserfiltration, CO2-Sequestrierung, wirtschaftliche Bewertung) und Waldbau zuständig sein. Pierre Alfter wird einen Teil der Dossiers von Clémence Dirac und Christoph Dürr übernehmen.

Paolo Camin verlässt Ende März 2019 das BAFU und wird neu die Leitung der Sektion Wald im Kanton Neuchâtel übernehmen. In den letzten 10 Jahre wirkte er als Projektleiter LFI, gestaltete die Themen CO2 & Holz massgebend, leitete die Untersuchungen zum Holznutzungspotenzial im Schweizer Wald und war International im Team of Specialists der UN-ECE in Genf tätig.

Am 1.2.2018 wird Matthias Biolley als Nachfolger von Michael Husistein das Dossier Waldökonomie im BAFU übernehmen. Matthias Biolley hat an der HAFL das Studium der Forstwissenschaften abgeschlossen, seine Abschlussarbeit beim Forstbetrieb der Burgergemeinde Bern gemacht und anschliessend in einem Forstbetrieb gearbeitet.

Kontakt
Letzte Änderung 18.12.2018

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