4. Newsletter Wald 2019 (19.12.2019)

Editorial von Michael Reinhard

Michael Reinhard

Liebe Leserinnen und Leser

Im Dezember hat das neue Parlament, das jünger, weiblicher und grüner geworden ist, seine Arbeit aufgenommen. Die Wahlentscheidung spiegelt auch die Themen wider, die letztes Jahr in unserem Arbeitsprogramm an Bedeutung gewonnen haben. 2019 wurden zahlreiche parlamentarische Vorstösse zum Thema Wald eingereicht, besonders zu Insektensterben, Verwendung von Pflanzenschutzmitteln sowie Walderhaltung und -schutz. In der Kommunikation zum Internationalen Tag des Waldes am 21. März 2020 soll die Biodiversität im Mittelpunkt stehen. Daneben werden Stimmen zur Zukunft der Ressource Holz in der Schweiz laut. Der Wald beschäftigt also nicht nur die Behörden und die Fachleute der Wald- und Holzwirtschaft, sondern auch die Bevölkerung. Dank der Lancierung von WaMos3 im 2019 werden wir in einigen Jahren über neue Daten zu den Erwartungen der Bevölkerung an das Ökosystem Wald verfügen.

2020 findet auch ein Wechsel in der Leitung des BAFU statt: Direktor Marc Chardonnens tritt Ende Januar 2020 aus gesundheitlichen Gründen zurück. Marc Chardonnens hat uns bei der Suche nach zielführenden Lösungen und Kompromissen vorangebracht und sich nachdrücklich für die Thematik Wald- und Holz engagiert. Ein sichtbares Zeichen dafür war sein Auftritt anlässlich der Konferenz Woodrise im Januar 2019 in Genf. Marc Chardonnens wird neue Aufgaben im UVEK übernehmen. Die Abteilung Wald dankt ihm herzlich für sein Engagement im Dienst des BAFU und wünscht ihm für seinen neuen Wirkungskreis alles Gute.

Auch in der Abteilung Wald des BAFU stehen 2020 Veränderungen bevor. Um Herausforderungen wie die Anpassung an den Klimawandel, die Verhütung von Waldbränden und die Umsetzung des neuen Pflanzengesundheitsrechts besser zu meistern, wurden dreieinhalb neue Stellen bewilligt. Diese Themen werden mehrheitlich neu auf die bisherigen Mitarbeitenden verteilt und die neuen Stellen verteilen sich auf die Bereiche biotische Gefahren, Waldpolitik und Waldleistungen.

Damit, liebe Leserinnen und Leser, wünsche ich Ihnen schöne, frohe Feiertage und ein glückliches neues Jahr.


Michael Reinhard
Abteilungschef Wald, Bundesamt für Umwelt

 


Waldpolitik nach 2020 – aktueller Stand und Ausblick

Die Arbeiten am aktualisierten Massnahmenplan zur Waldpolitik nach 2020 schreiten voran. In früheren Newslettern haben wir bereits zur Ausgangslage und zum Zeitplan des Prozesses informiert.

Im Zeitraum Juli und August hat wie geplant die schriftliche Anhörung zum Entwurf des aktualisierten Massnahmenplans bei ausgewählten Akteuren wie den Kantonen, Verbänden und NGO stattgefunden. Diese Möglichkeit wurde durch 24 der 56 eingeladenen Partner genutzt. Die Mehrheit der Akteure gaben an, dass die Massnahmen des Bundes und die Rolle der Kantone und weiteren Akteure nachvollziehbar sind. Mehrere Partner, insbesondere die Kantone haben aber gleichzeitig auch signalisiert, dass sie bei einem zukünftigen Handlungsprogramm noch stärker mit eingebunden werden möchten. Die inhaltlichen Anpassungen nach der Anhörung wurden schliesslich mit den wichtigsten Schlüsselakteuren (Forum Wald, KOK-A und den direkt betroffenen Vertretern des Forum Holz) am 25. September im Rahmen eines Workshops diskutiert und bereinigt.

Das BAFU bedankt sich herzlich bei allen Kantonen und Organisationen, welche an diesem Prozess mitgewirkt und mit konstruktiven Stellungnahmen und Diskussionen zur Waldpolitik nach 2020 beigetragen haben.

Die angepasste Publikation der Waldpolitik nach 2020 mit dem aktualisierten Massnahmenplan wird nun durch die BAFU-Direktion und im Frühling 2020 auf Stufe UVEK verabschiedet und im Anschluss publiziert.


Programmvereinbarung Wald 2020-2024

Im nächsten Jahr startet bereits die vierte Programmperiode im Umweltbereich (2020-2024). Bei der Überarbeitung des Handbuchs wurden die bisherigen Programme «Schutzwald», «Waldbiodiversität» und «Waldbewirtschaftung» neu in einer Programmvereinbarung «Wald» (PV Wald) zusammengefasst. Diese Programmvereinbarung entspricht insbesondere dem Wunsch der Kantone nach mehr Flexibilität beim Mitteleinsatz und einer Optimierung der Schnittstellen zwischen Kantonen und Bund. Auf fachlicher Ebene erfahren die bisherigen Programme keine wesentlichen Änderungen.

In der Periode 2020-24 stehen innerhalb der Programmvereinbarung Wald rund 571 Mio. CHF zur Verfügung. Diese Summe teilt sich wie folgt auf die Teilprogramme auf: 363 Mio. CHF im Teilprogramm Schutzwald, 99.4 Mio. CHF im Teilprogramm Waldbiodiversität und 108.9 Mio. CHF im Teilprogramm Waldbewirtschaftung.

In den letzten Monaten liefen intensive Vorarbeiten bei den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Kantone und dem BAFU im Rahmen der Verhandlungen und Vorbereitungen der Vereinbarungen. Das BAFU dankt allen Personen welche an diesen Arbeiten mitgewirkt haben, so dass mit allen Kantonen die Programmvereinbarungen erfolgreich abgeschlossen werden können. Die Kantone werden die entsprechenden Verträge zu PV Wald Mitte Dezember zur Unterschrift erhalten.

Weitere Informationen zu diesem Thema finden Sie im neusten Newsletter «Programmvereinbarungen im Umweltbereich»

Handbuch Programmvereinbarungen im Umweltbereich 2020–2024

Cover Handbuch Programmvereinbarungen im Umweltbereich 2020–2024

Mitteilung des BAFU als Vollzugsbehörde an Gesuchsteller. 2018


Neues Pflanzengesundheitsrecht ab 1. Januar 2020

Am 1. Januar ist es soweit: das neue Pflanzengesundheitsrecht tritt in Kraft. Ein Meilenstein für den besseren Schutz vor besonders gefährlichen Schadorganismen (bgSO) ist erreicht. Im November haben die beiden Bundesräte Parmelin und Sommaruga die neue interdepatementale Pflanzengesundheitsverordnung (PGesV) unterzeichnet und das BAFU hat seine Verordnung des BAFU über phytosanitäre Massnahmen für den Wald (VpM-BAFU) erstmals revidiert.
Im kommenden Jahr gilt es, die Umsetzung zu gestalten. Um die neu erforderliche Gebietsüberwachung für prioritäre Quarantäneorganismen (prioQO) effizient und risikobasiert zu gestalten, haben BAFU, WSL und fünf Kantonsforstämter ein zweijähriges Pilotprojekt lanciert.
Die Pflanzenpasspflicht wird ab 2020 für sämtliche zum Anpflanzen bestimmten Pflanzen gelten. Der Pflanzenpass wird neu in jedem Fall eine Etikette mit einheitlichem Inhalt sein, die von den dafür zugelassenen Betrieben an jeder Handelseinheit angebracht werden muss.

Ende Januar startet der Eidg. Pflanzenschutzdienst EPSD mit Partnern (u.a. WaldSchweiz, Jardin Suisse, Bauernverband) zudem mit einer Informationsoffensive, um die künftig geltenden strengeren Einfuhrvorschriften bekannt zu machen. Er tut dies wie viele andere Pflanzenschutzorganisationen weltweit im Rahmen des internationalen Jahres der Pflanzengesundheit.


Waldschutz-Rückblick 2019

Das Waldschutzjahr 2019 war geprägt von den Auswirkungen der trockener werdenden Jahre: Es zeigte sich in vielen Regionen der Schweiz, besonders aber entlang des Jurabogens, dass die Bäume stark unter der Trockenheit 2018 gelitten hatten. Der Kanton Jura sieht sich mit grossflächig abgestorbenen Buchenbeständen konfrontiert, das Kantonsforstamt beider Basel musste den bei Erholungssuchenden beliebten Hardwald sperren, weil trockene Bäume ein Sicherheitsrisiko darstellten.

Viele Kantone im Mittelland rüsteten auch 2019 viel Käferholz auf, weil die Buchdruckerpopulationen erneut angestiegen sind. Neben Fichten und Buchen litten auch Weisstannen und Eichen unter Trockenheit und Schädlingsbefall. Muss viel Holz aufgerüstet werden, sind die Sägereien zunehmend ausgelastet. Und es besteht die Gefahr, dass mehr Pflanzenschutzmittel (PSM) eingesetzt werden, um Holzlager im Wald vor Befall durch den Borkenkäfer zu schützen. Das BAFU hat nun eine Pilotstudie in Auftrag gegeben, um zusammen mit der Branche zu prüfen, ob es praxistaugliche Alternativen zum PSM-Einsatz es gibt.

Eine Erfolgsgeschichte ist die Bekämpfungsstrategie gegen den Asiatischen Laubholzbockkäfer: Es gelang dank gut koordinierter Zusammenarbeit aller Beteiligten auch den vierten und letzten Befall in Berikon (Aargau) dieses Jahr zu tilgen. Somit ist die Schweiz offiziell wieder frei von diesem gefürchteten Quarantäneschädling.

 

Projekt Testpflanzungen zukunftsfähiger Baumarten

Für das Projekt Testpflanzungen zukunftsfähiger Baumarten werden in den kommenden 3 Jahren auf 57 verschiedenen Waldstandorten in 20 Kantonen Versuchsflächen unter Berücksichtigung verschiedener Umweltgradienten installiert. Dabei werden 18 Baumarten gepflanzt, um ihre Wuchsfähigkeit unter realen Bedingungen in den nächsten Jahrzehnten zu beobachten. Mit diesem Projekt suchen die WSL und das BAFU Antworten auf die folgende Frage: Welche der Baumarten, die gegen Ende des 21. Jahrhunderts auf einem Standort gemäss Ergebnissen des gemeinsamen Forschungsprogramms «Wald und Klimawandel» als geeignet gelten, können dort bereits heute gedeihen? Das BAFU unterstützt dieses langfristige Projekt der WSL mit einem beträchtlichen Betrag. Damit werden den Waldfachleuten und den Waldbesitzern wichtige Informationen zur Verfügung stehen, um die Anpassung der Waldbestände an die Auswirkungen des Klimawandels rechtzeitig zu ermöglichen.

 

Ressourcenpolitik Holz und sein Umsetzungsinstrument ab 2021

Einige Workshops wurden dieses Jahr intern und mit Stakeholdern durchgeführt, um eine Ressourcenpolitik ab 2021 sowie sein Umsetzungsinstrument, dem Aktionsplan Holz zu skizzieren. Mitte November hat nun die BAFU-Direktion der künftigen Ressourcenpolitik Holz wohlwollend grünes Licht gegeben für eine Dauer von weiteren 6 Jahren ab 2021. Die Ressourcenpolitik Holz und sein Massnahmen Instrument sollen einen Beitrag leisten zu einer biobasierten Entwicklung der Schweiz. Die Ressourcenpolitik Holz ist eng mit der Waldpolitik nach 2020 abgestimmt. 


Aus dem Wald- und Holzforschungsfonds wird die Wald- und Holzforschungsförderung Schweiz

Seit 73 Jahren wurden gemeinsam durch Bund und Kantone Vorhaben zur Förderung der Entwicklung und Wettbewerbsfähigkeit der schweizerischen Wald- und Holzwirtschaft unterstützt. Die Eidg. Finanzkontrolle beschied, dass der Fonds aufzulösen ist, weil die gesetzliche Legitimation hierzu fehlt. Ab dem 1.1.2020 gibt es nun die „Wald- und Holzforschungsförderung Schweiz WHFF-CH“. Neu laufen die Finanzströme getrennt über die Kantone und den Bund. Jährlich werden seitens Bund 470‘000 CHF und seitens Kantone 300‘000 CHF für die WHFF-CH eingesetzt.

Gesuche können bis 31. März 2020 an whff@bafu.admin.ch eingereicht werden. Spezifische Informationen folgen noch.


Audit Forstlicher Investitionskredit

Mit dem forstlichen Investitionskredit (IK Forst) werden zinslose Darlehen für die Finanzierung von Projekten und Anschaffungen gewährt, welche dem Schutz vor Naturereignissen oder der rationellen Pflege und Nutzung des Waldes dienen.

Das BAFU lässt den forstlichen Investitionskredit (IK Forst) extern evaluieren. Den Zuschlag hat das Büro B,S,S Volkswirtschaftliche Beratung erhalten. Die Evaluation soll insbesondere die Wirkung des Instruments untersuchen. Diese wird auf Ebene Darlehensnehmer (Waldeigentümer, Forstbetriebe und Forstunternehmungen), Kanton (Forstdienste) und Bund/Gesamtwirtschaft beurteilt. Der Schlussbericht soll im Sommer 2020 vorliegen. Generelle Informationen zum IK Forst:

 

Weitere Informationen

Wald, Kanton Schwyz

Aus dem Leben einer Tanne

12.12.2019 – Tannenbäume stehen in der Adventszeit wieder besonders im Fokus. Dies ist eine gute Gelegenheit für einmal eine Tanne selber sprechen zu lassen.
Diese sprechende Tanne schildert, wie sie die Menschen erlebt, was diese mit ihr machen und welche vielfältigen Funktionen sie als immergrüner Baum auch ausserhalb der Weihnachtszeit erfüllt.

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Gut für das Klima – schlecht für die Luft?

16.12.2019 – Schwedenöfen oder Cheminées sind klimafreundlich. Doch wenn sie von den Nutzerinnen und Nutzern nicht korrekt betrieben werden, entweicht viel Feinstaub in Form von Rauch und Russ. So verursachen kleine Holzfeuerungen schweizweit mehr schädlichen Feinstaub in der Luft als der Strassenverkehr. Insbesondere im Winter. Das lässt sich zu 80 Prozent durch die richtige Anfeuerungsmethode von oben vermeiden. Es ist kinderleicht! Fachleute schwören drauf.


Publikationen

 

Personelles

Seit dem 1. August 2019 unterstützt Marc Barben die Sektion Walderhaltung und Waldpolitik als Fachspezialist Walderhaltung. Er hat einen Master in Umweltnaturwissenschaften der ETH Zürich. Weiter wird das Team ab dem 1. Januar 2020 durch Cristiana Maineri unterstützt. Sie hat eine Grundausbildung zur kaufmännischen Angestellten mit Weiterbildungen zur Direktionsassistentin und Marketingplanerin mit Eidgenössischem Fachausweis.
Cristiana Maineri und Marc Barben übernehmen Aufgaben in der Bearbeitung von Rodungsvorhaben, Beurteilung von Umweltverträglichkeitsprüfungen im Bereich Wald, der Vollzugskontrolle Walderhaltung und der Rodungsstatistik und ersetzen Jacqueline Oggier und Jeannette Jaussi.

Wir danken Jeannette Jaussi und Jacqueline Oggier für die geleistete Arbeit in den letzten Jahren und wünschen Marc Barben und Cristiana Maineri einen guten Start Im BAFU. 

Kontakt
Letzte Änderung 19.12.2019

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