4. Newsletter Wald 2017 (19.12.2017)

Paul Steffen, Vizedirektor BAFU
Paul Steffen, Vizedirektor Bundesamt für Umwelt

Editorial von Paul Steffen, Vizedirektor Bundesamt für Umwelt

Geschätzte Leserinnen, geschätzte Leser,

Anfang Oktober bin ich in meiner neuen Funktion als Vizedirektor beim BAFU gestartet. Dass ich auch für die Bereiche Wald und Holz verantwortlich bin, erfüllt mich mit grosser Freude. Denn seit meiner Kindheit habe ich einen engen Bezug zum Wald. Meine Eltern bewirtschafteten als Bauern einen eigenen kleinen Wald. Eine nachhaltige Nutzung liegt mir generell am Herzen. Dies war mir bereits als Leiter des Instituts für Nachhaltigkeitswissenschaften ein grosses Anliegen, und dieses Wissen möchte ich auch im Wald einbringen.

Vorerst nehme ich mir aber vor allem Zeit, zuzuhören und mich mit den vielen Facetten des Waldes vertraut zu machen – aus interner wie auch aus externer Sicht. Es ist mir daher wichtig, die zentralen Akteure im Bereich Wald und Holz schnell kennenzulernen.

Ich habe realisiert, dass eine nachhaltige erfolgreiche Waldbewirtschaftung eine grosse Herausforderung ist. Der Handlungsbedarf wird im Zwischenbericht zur Waldpolitik 2020 auch klar ausgewiesen (siehe letzter Newsletter). Diese Problematik kenne ich im Bereich der Land- und Ernährungswirtschaft aus meiner Zeit als Direktor der Eidgenössischen Forschungsanstalt Agroscope Reckenholz-Tänikon. Im Bereich der Nachhaltigkeit  möchte ich insbesondere bei der Wirtschaftlichkeit einen entscheidenden Schritt vorwärts machen. Um dies zu erreichen, sind der Wissensaustausch und der Dialog wichtig. Zögern sie daher nicht, Ihre Ideen und Vorschläge uns oder auch mir persönlich vorzustellen.

Ich beobachte, dass Wald und Landwirtschaft einiges gemeinsam haben: Die  Bewirtschaftung von natürlichen Ressourcen erfordert immer wieder auch ein Abwägen von Schutz und Nutzen. Im Waldbereich ist beispielsweise der Flächenschutz sehr gut verankert und die unterschiedlichen Waldleistungen sind gut aufeinander abgestimmt. Andere Bereiche können von diesen Erfahrungen profitieren.

Ein sorgfältiger und vorausschauender Umgang mit dem Ökosystem Wald wird uns weiterhin fordern und ist sehr wichtig, damit auch in Zukunft die von der Gesellschaft geforderten Ökosystem-Leistungen erbracht werden können. Die Multifunktionalität hat sich im Schweizer Wald ausgezeichnet bewährt, ebenso das Prinzip des naturnahen Waldbaus. Hier müssen wir dafür besorgt sein, dass die Schweiz weiterhin eine Vorreiterrolle einnehmen kann. In der Vergangenheit waren viele wertvolle vom Wald erbrachte Leistungen frei verfügbar. Bedingt durch den hohen wirtschaftlichen Druck wird es zunehmend wichtig, geschickte Lösungen für eine bessere Inwertsetzung dieser Leistungen zu erarbeiten.

Dass Holz einer der wichtigsten Rohstoffe der Schweiz ist, ist Fachleuten natürlich längst bekannt. Mit dem Mitte November abgeschlossenen Nationalen Forschungsprogramm 66 «Ressource Holz» liegen neue Ergebnisse und Potenziale zu Weiterentwicklungen im Holzbau, zu neuen Wegen in der holzbasierten Bioraffinerie und zu neuen innovativen holzbasierten Materialien vor. Den Elan daraus wollen wir, so wie die Kampagne #Woodvetia, nutzen, um Schweizer Holz bekannter und beliebter zu machen.

Ich wünsche Ihnen und Ihren Liebsten alles Gute zum Jahreswechsel und uns allen ein erfreuliches und positives neues Jahr.

Paul Steffen

Vizedirektor Bundesamt für Umwelt



Jahresrückblick von Rolf Manser, Chef Abteilung Wald

Für den Wald selber war 2017 ein ruhiges Jahr – mit Ausnahme von Bondo gab es keine grösseren Naturereignisse oder klimatische Extremereignisse. Auf politischer Ebene stand das Inkrafttreten des neuen Waldgesetzes per 1.1.17 sowie die Zwischenevaluation der Waldpolitik 2020 im Vordergrund. Dabei erhielten die Akteure, insbesondere Bund und Kantone, grundsätzlich gute Noten. So ist man beispielsweise in der Schutzwaldpflege gut auf Kurs, und bei der Waldbiodiversität konnten substantielle Fortschritte erzielt werden. Dies zeigte auch der Bericht des BAFU zum Zustand und zur Entwicklung der Biodiversität in der Schweiz, der im Sommer veröffentlicht wurde. Grössere Defizite bestehen hingegen in den Bereichen Holznutzung und Waldwirtschaft – dies werden denn auch unsere Schwerpunkte in den nächsten Jahren bleiben.

Im Bereich Holz standen zwei Ereignisse im Vordergrund: Anfang Jahr starteten das BAFU und die Wald- und Holzbranche gemeinsam die Sensibilisierungskampagne #Woodvetia, welche in eine eindrückliche Gruppenausstellung mit allen Holzfiguren am 9. November auf dem Waisenhausplatz in Bern gipfelte. Ebenfalls im November wurde das mehrjährige Forschungsprogramm NFP 66 Holz abgeschlossen, woraus neue Impulse für eine zielgerichtete Holzförderung in der Schweiz entstanden sind. Leider mussten wir dieses Jahr Abschied nehmen von Hansruedi Streiff, dem langjährigen Direktor von Holzindustrie Schweiz. Er verstarb völlig unerwartet bei der Ausübung seiner Passion, der Jagd. Hansruedi hinterlässt eine grosse Lücke und wird uns fehlen.

2018 wird ein Jahr mit grossen Herausforderungen für uns, nicht zuletzt auf personeller Ebene. Die Aufgaben nehmen nicht ab, die personellen Ressourcen hingegen schon. Zu den bereits bestehenden Lücken, welche mit dem Inkrafttreten des Waldgesetzes - trotz den entsprechenden Forderungen in der Botschaft - nicht geschlossen werden konnten, kommt nun noch die Umsetzung der Sparmassnahmen 2017 dazu. Dies zwingt uns zu einer rigorosen Prioritätensetzung. Wir werden aber auch 2018 unser Bestes geben!


Waldpolitik: Zwischenbericht und Waldpolitik nach 2020

2011 hat der Bundesrat mit der Waldpolitik 2020 Vision, Ziele und strategische Stossrichtungen verabschiedet, wie sich der Wald in der Schweiz entwickeln soll. 2012 hat das UVEK den Massnahmenplan dazu genehmigt: Er sieht vor, was in den verschiedenen Teilbereichen bis wann vorzukehren ist. Der im Juni 2017 veröffentlichte Zwischenbericht der ETH/HAFL zur ersten Umsetzungsetappe 2012-2015 hat aufgezeigt, wo man gut auf Kurs ist und wo noch Handlungsbedarf besteht (siehe Newsletter Wald vom 26.9.2017). Wie aber geht es in der Waldpolitik nach 2020 weiter? Die Politik selbst ist in ihrer Geltungsdauer zwar nicht ausdrücklich beschränkt, enthält aber auch keine Aussagen über die künftige Aktualisierung.

Fazit einer vertieften Analyse des BAFU ist, dass es keine strategische Legitimation oder politischen Anhaltspunkte gibt für eine grundsätzliche Kursänderung in der Waldpolitik. Aus fachlicher Sicht besteht nur punktueller technischer Anpassungsbedarf, insbesondere bei den Indikatoren und Massnahmen, während die bisherigen Errungenschaften bewahrt werden sollen. Die Kantone befürworten diese Stossrichtung. Auf Antrag des BAFU hat die Departementsvorsteherin für die Zukunft Klarheit geschaffen und entschieden, dass die aktuelle Waldpolitik auch nach 2020 weitergeführt werden soll und darüber keine Information an den Bundesrat nötig ist. Technische Anpassungen kann das UVEK beschliessen. Damit ist der Weg frei für eine Überprüfung der bestehenden Massnahmen und ihre Anpassung für die Zeit ab 2021. Die Kantone werden dabei einmal mehr wichtige Partner sein.


Bundesrat heisst Bericht zur Verstärkung der Holznutzung gut

Im Schweizer Wald wird weniger Holz genutzt als nachwächst und der einheimische, erneuerbare und klimafreundliche Rohstoff Holz wird nicht optimal verwendet. Eine Folge sind dunkle und dichte Wälder, die oft weniger stabil sind. Der Bundesrat hat am 8. Dezember 2017 den Bericht «Optimierung der Waldnutzung» gutgeheissen. Er zeigt, mit welchen Massnahmen mehr Holz genutzt werden kann. Der Bericht erfüllt ein Postulat von Nationalrat Beat Jans (SP, BS).


Waldschutz – Jahresrück- und Ausblick

Die Schweiz wurde 2017 von Freilandbefällen durch Wald-Quarantäneorganismen verschont. Das Jahr war vielmehr geprägt von den Arbeiten an den rechtlichen Grundlagen. Basierend auf dem ergänzten Waldgesetz erlässt das BAFU per 1. Januar 2018 die Verordnung über phytosanitäre Massnahmen für den Wald (VpM-BAFU). Dank der neuen Amtsverordnung kann das BAFU bei erhöhter phytosanitärer Gefahr rasch und rechtswirksam Massnahmen gegen die Einschleppung und Verbreitung von waldrelevanten Quarantäneorganismen anordnen.

Um das Verständnis zu verbessern und die Umsetzbarkeit der neuen Verordnung für die Vollzugsbehörden zu erleichtern, wurde parallel dazu die Vollzugshilfe Waldschutz erarbeitet. Die modular aufgebaute Vollzugshilfe wird die bisherigen Leitfäden übernehmen. Sowohl die VpM-BAFU, wie auch die Vollzugshilfe Waldschutz wurden von den Kantonen gutgeheissen. Im Weiteren wurde die BAFU-Gebührenverordnung ergänzt. Neu müssen Importeure eine Gebühr bezahlen, wenn ihr Verpackungsholz nicht dem ISPM-15-Standard entspricht. Diese drei Instrumente treten per 1. Januar 2018 in Kraft.

Angelaufen ist unter Federführung des BLW auch die Totalrevision der Pflanzenschutzverordnung. Das BAFU, als Teil des Eidg. Pflanzenschutzdienstes EPSD, ist in die Arbeiten involviert. Die Vernehmlassung ist vom 8. Januar bis 13. April 2018 geplant.

Das BAFU bedankt sich bei allen Beteiligten für die gute und konstruktive Zusammenarbeit! 


Rückblick auf die europäische Waldwoche, 9.-13. Oktober 2017 in Warschau, Polen

Die gemeinsame Jahreskonferenz des UNECE Committee of Forests and the Forest Industry (COFFI) und der FAO European Forestry Commission (EFC) mit über 280 Teilnehmenden aus 42 Ländern hat das neue Arbeitsprogramm 2018-21 bewilligt. Die letzte Konferenz fand 2015 in Engelberg statt; die Schweiz nimmt im COFFI das Vizepräsidium wahr. Die anspruchsvollen inhaltlichen Aufgaben werden von acht fachtechnischen Arbeitsgruppen umgesetzt. Die Schweiz setzt sich in folgenden Gebieten ein: Inwertsetzung des Klimaforschungsprogramms der Schweiz zur Anpassung an den Klimawandel (v.a. in der Outlookstudie), kohärente Kommunikation zu Wald und Holz, einheitliche Indikatoren und Berichterstattung zu nachhaltiger Waldbewirtschaftung, Studien zu attraktiven Arbeitsplätzen (green jobs), nachhaltig und legal produzierte Holzprodukte.

Die Zusammenarbeit der beiden UN Agenturen wurde 1947 in Genf gegründet, um das Angebot an nachhaltig produziertem Holz in Europa zu sichern. Sie feiern dieses Jahr das 70jährige Jubiläum.

Infos über die Konferenz 

70 Jahre Geschichte der beiden UN Agenturen 


Nächste Etappe in der Klimapolitik

Mit der Ratifikation des Klima-Übereinkommens von Paris hat sich die Schweiz verpflichtet, die Treibhausgasemissionen bis 2030 gegenüber 1990 zu halbieren. Am 1. Dezember 2017 hat der Bundesrat die Botschaft zur Totalrevision des CO2-Gesetzes zuhanden des Parlaments verabschiedet, um Ziele und Massnahmen bis 2030 zu verankern. Das Gesetz verweist ausdrücklich auf den Beitrag der Wald- und Holzwirtschaft an die Klimaziele. Zudem stärken Instrumente wie die CO2-Abgabe auf Brennstoffe und das Gebäudeprogramm erneuerbare Energieträger wie Holz. Das Programm Holzsenke Schweiz soll weitergeführt werden können.


Weitere Informationen

Newsletter Aktionsplan Holz vom 10. November mit folgenden Informationen

Höhepunkt der Kampagne #Woodvetia: Mit einem festlichen Anlass wurde am 9. November auf dem Waisenhausplatz in Bern die Holzfigur von Hildegard Kissling enthüllt. Zudem waren erstmals sämtliche 20 Holzfiguren gemeinsam ausgestellt.

Ausschreibung ERA-NET ForestValue

Informationen zur Förderung von Innovationen im Bereich der waldbasierten Bioökonomie an European Research Area Network ERA-NET Cofund „ForestValue“.

Abschluss des nationalen Forschungsprogramms NFP66 «Ressource Holz»

Am 7. & 8. November 2017 fand in Bern die Abschlusstagung vom NFP 66 «Ressource Holz» statt. An der Podiumsdiskussion wurde gefordert, dass die Schweiz eine eigene Bioökonomiestrategie prüfen solle.
Die Resultate und Abschlusspublikationen finden Sie unter:

www.nfp66.ch/de/news-medien/publikationen

Pilotprogramm Anpassung an den Klimawandel: Zweiter Projektaufruf

Die Anpassung an die Auswirkungen des Klimawandels wird immer wichtiger. Zur Unterstützung beim Umgang mit den neuen Herausforderungen hat das BAFU zusammen mit weiteren Bundesämtern im Jahr 2013 das Pilotprogramm «Anpassung an den Klimawandel» lanciert. Das Pilotprogramm hat zum Ziel, beispielhafte Projekte zur Anpassung an den Klimawandel in Kantonen, Regionen und Gemeinden anzustossen und umzusetzen. Die Projekte sollen dazu beitragen, vor Ort die Klimarisiken zu verringern, allfällige Chancen zu nutzen und die Anpassungsfähigkeit zu steigern. Die Sensibilität der Betroffenen für die Anpassung soll erhöht und die Zusammenarbeit zwischen den Akteuren gefördert werden.

In der ersten Programmphase 2013-2017 wurden 31 Pilotprojekte durchgeführt. Die Ergebnisse sind in einer Schlusspublikation und einem Video zusammengefasst. Mit einem neuen Projektaufruf geht das Pilotprogramm in die zweite Phase. Der Projektaufruf startet voraussichtlich im Februar 2018 und umfasst auch Waldthemen.

Weitere Informationen zum Pilotprogramm und zum neuen Projektaufruf finden Sie unter:


Anlässe

Forum Wissenstransfer Wald am 24. Mai 2018 – jetzt anmelden!

Am Donnerstag, 24. Mai 2018, findet zum dritten Mal das Forum für Wissenstransfer Wald am Bildungszentrum Wald in Lyss statt. Waldfachpersonen aus Praxis, Forschung und Bildung treffen sich für einen Wissens- und Erfahrungsaustausch. Den Referaten des Vormittags mit den Themen Entwicklungstrends und der Wald, Wald und Klimawandel sowie Wertschöpfungskette Holz folgt am Nachmittag eine Reihe kurzer, vielfältiger Ateliers mit Beiträgen aus Praxis und Forschung, wo Erkenntnisse und Lösungsansätze zu aktuellen Themen vorgestellt und diskutiert werden.

Internationaler Tag des Waldes 2018 «Forests and sustainable cities» am 21. März 2018 in Baden

Am 21. März 2018 werden in Baden AG gute Beispiele für die Rolle urbaner Wälder und Leistungen von städtischen Grünräumen und Stadtbäumen gezeigt. Damit soll das Bewusstsein für „Urban Forestry“ und seine Aufgaben gestärkt werden.

Le Palais des Nations à Genève proposera également un riche programme pour célébrer cette journée. Une interface technique permettra de partager en direct les expériences effectuées dans les deux villes.

Personelles

Auf Ende Jahr wird Daniel Landolt das BAFU verlassen, um bei «INTERFACE Politikstudien Forschung Beratung» in Luzern eine neue Herausforderung anzunehmen. Daniel Landolt hat in seiner Zeit bei uns die Entwicklung der Waldpolitik 2020, die Ergänzung des Waldgesetzes und weitere politische Geschäfte stark mitgeprägt. In den letzten zwei Jahren hat er zudem erfolgreich den Abteilungsstab geleitet.

Um sich beruflich neu zu orientieren, hat uns Florine Leuthardt, wissenschaftliche Mitarbeiterin im Bereich Waldschutz, Ende 2017 verlassen. Sie war massgeblich an der Erarbeitung der Strategie gegen das Eschentriebsterben sowie bei der Artenpriorisierung beim Waldschutz beteiligt.

Beiden danken wir für ihr grosses Engagement und wünschen ihnen für die Zukunft alles Gute.

Die Stelle als Stabchefin/Stabschef der Abteilung Wald wird Anfang 2018 und die Stelle im Bereich Waldschutz wird im Laufe des Jahres 2018 ausgeschrieben.

Kontakt
Letzte Änderung 19.12.2017

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