Wassernutzung

Wasser ist eine der wichtigsten Ressourcen für Leben und Wirtschaft. Es ist unentbehrlich als als Trinkwasser, für die Bewässerung, zur Energieerzeugung oder in der Industrie. Infolge des Klimawandels werden sich sowohl das Wasserdargebot als auch der Wasserbedarf verschiedener Nutzungen verändern. Eine adäquate Datengrundlage zu den Wassernutzungsdaten ist dabei unerlässlich, um bei knapper werdenden Wasserressourcen ein nachhaltiges Wassermanagement sicherzustellen.

Bewässerung Landwirtschaft

Öffentliche Wasserversorgung und Trinkwasserverbrauch

Im Rahmen der öffentlichen Wasserversorgung wird Trinkwasser für Haushalte, Industrie und Gewerbe bereitgestellt. Der Schweizerische Verband des Gas- und Wasserfachs (SVGW) führt jährlich Datenerhebungen und Hochrechnungen zur öffentlichen Wasserversorgung in der Schweiz durch. Im Jahr 2021 hat die öffentliche Wasserversorgung 914 Mio. m3 Wasser bereitgestellt (BFS 2023). Auch wenn der Verbrauch nach dem konstanten Rückgang seit den 1990er-Jahren in den letzten Jahren wieder leicht angestiegen ist, wird gemäss derzeitigen Verbrauchsprognosen künftig eine relativ konstante Nachfrage erwartet. Kritisch sind jedoch längere Trocken- und Hitzeperioden, welche zu einem hohen Spitzenbedarf führen und die Infrastruktur der Wasserversorgungen überlasten könnten.

Entwicklung der Wasserabgabe aus der öffentlichen Wasserversorgung in der Schweiz seit 1970 (Bild: SVGW).

Wasserverbrauch in Millionen m3
Wasserverbrauch in Millionen m3 im Jahr 2006 in der Schweiz, unterschieden nach Endnutzungen und Nutzungszugang, gemäss Daten des SVGW (Bild: Freiburghaus, 2009).

Zum Wasserverbrauch aus der Eigenversorgungen durch Industrie, Gewerbe und den Dienstleistungssektor liegt eine einmalige Erhebung und Hochrechnung aus dem Jahr 2006 vor. 2006 betrug der Wasserverbrauch 1'120 Mio. m3. Zwei Drittel davon werden zur Kühlung und Klimatisierung verwendet. Hinzu kommt die Wassermenge der Flusswasserkühlung der Kernkraftwerke von rund 1'600 Mio. m3 pro Jahr.

Endnutzungen und künftige Entwicklung

Wasserversorgung für Industrie und Gewerbe

Bei der Wasserversorgung für Industrie und Gewerbe ist nur lokal und im Einzelfall eine Zunahme des Wasserbedarfs zu erwarten, insbesondere weil noch Potenzial für eine effizientere Wasserverwendung besteht.

Thermische Nutzung

Bei der thermischen Nutzung wird in Zukunft vor allem eine Zunahme des Bedarfs an Prozess- und Gebäudekühlung erwartet. Da die Flüsse immer wärmer werden, lassen sich diese künftig jedoch nur noch eingeschränkt nutzen. Jedoch besteht Potenzial für die Wärmenutzung aus grossen Seen. Mit dem Ausstieg aus der Kernkraft fallen auf einzelnen Gewässerstrecken grosse Wärmeeinträge weg, was eine Entlastung der Ökosysteme darstellen wird.

Beschneiung von Skipisten

2006 wurden rund 15 Mio. m3 Brauchwasser für die Beschneiung von Skipisten verwendet. Seit den 1980er-Jahren ist der Anteil künstlich beschneiter Pisten stetig gestiegen, weshalb der Wasserbedarf heute höher sein dürfte. Die entsprechende Wassernutzung beschränkt sich auf die Wintermonate und führt lokal und kurzfristig zu einem erheblichen Spitzenverbrauch.

Landwirtschaft

Der Wasserbedarf der Landwirtschaft betrug 2006 rund 410 Mio. m³ Brauchwasser: das meiste aus Eigenversorgungen, ein kleinerer Anteil auch aus der öffentlichen Wasserversorgung. Ein Drittel davon wurde für die Bewässerung verwendet, der Rest für die Betriebe und die Speisung der Laufbrunnen. In Trockenjahren wie 2018 oder 2022 dürfte der Verbrauch für die Bewässerung deutlich höher gelegen haben, jedoch sind hierzu keine Daten vorhanden. Bis Ende Jahrhundert wird der Wasserbedarf für die landwirtschaftlichen Bewässerung für bereits heute bewässerte Kulturen um rund 40% zunehmen. Zudem zeigt sich in der Schweiz ein Trend zu mehr Spezialkulturen, die bewässert werden müssen. So nahmen z.B. die bewässerten Gemüseanbauflächen in der jüngeren Vergangenheit stark zu (+24% zwischen 2010 und 2016). Das Wasser für die Bewässerung wird den Gewässern und damit auch den Unterliegern dauerhaft entzogen.

Daten zur landwirtschaftlichen Wassernutzung in der Schweiz fliessen auch in die globale Wassernutzungsdatenbank AQUASTAT der Welternährungsorganisation FAO ein. Aktuell ist die Schweiz nicht in der Lage, die Daten im dafür gefragten Detaillierungsgrad zu liefern. Im Rahmen eines vom BAFU finanzierten Projekts hat die Berner Hochschule für Agrar-, Forst- und Lebensmittelwissenschaften einen Überblick über die Datenlage zur landwirtschaftlichen Bewässerung in den Kantonen erstellt.

Wasserkraft

Bei der Wasserkraft wird das energetische Potenzial von Wasser genutzt, ohne das Wasser direkt zu verbrauchen. Allerdings führt die Entnahme und Ableitung von Wasser dazu, dass in gewissen Abschnitten von Gewässern die Abflussmenge reduziert ist (Restwasserstrecken). Aktuell werden etwa 6'000 Mio. m3/Jahr in Speicherseen gespeichert. Für die in Laufwasserkraftwerken turbinierten Wassermengen liegt keine Schätzung vor. In den Speicherseen werden Regen- und Schmelzwasser während des Frühlings und Sommers zwischengespeichert und im Winter zur Stromerzeugung wieder in die Flüsse abgelassen. Die Speicherseen können während Trockenperioden im Sommer je nach Steuerung dazu führen, dass der Abfluss in den unterliegenden Gewässern weiter reduziert oder auch erhöht wird.

Die Wasserkraftproduktion soll gemäss der Energiestrategie 2050 des Bundes sowie der Revision des Energie- und Stromversorgungsgesetzes von Juni 2021 gesteigert werden, was sowohl Ausbau bestehender Wasserkraftwerke als auch den Bau neuer Anlagen fordert. Der Klimawandel wird in der zweiten Hälfte des 21. Jahrhunderts zu einer saisonalen Verschiebung der Wasserabflüsse in den Winter und somit auch zu einer Veränderung der Stromproduktion führen, insbesondere bei Laufkraftwerken.

Erhebung von Wasserbedarfsdaten für die Schweiz

Da insgesamt schweizweit keine regional und saisonal genügend aufgelöste Wassernutzungs- und Wasserbedarfsdaten erhoben werden, bestehen zur heutigen Wassernutzung und zum künftigen Wasserbedarf der Schweiz Informationslücken. Im Aktionsplan 2020-2025 der Anpassung an den Klimawandel in der Schweiz wird die Erhebung von Wasserbedarfsdaten jedoch schon angestrebt.

Solche Daten werden benötigt, um Massnahmen zur Vermeidung von Konflikten und Versorgungsengpässen vorausschauend zu planen und dabei die verschiedenen Interessen ausgewogen berücksichtigen zu können. Auch auf internationaler Ebene werden diese Daten zur Erfüllung ihrer internationalen Berichterstattungspflicht (AQUASTAT, SDG6, EUA) benötigt.

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Letzte Änderung 14.06.2024

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