Fallbeispiel: Wenn Gold auch punkto Nachhaltigkeit glänzt

Wer in Gold investiert hat, kann sich zurzeit freuen. In den produzierenden Ländern hingegen fordert der Ansturm auf das gelbe Metall oft einen hohen ökologischen, sozialen und wirtschaftlichen Tribut. Im Bewusstsein um dieses Problem will die junge Genfer Firma Transparence dafür sorgen, dass im Handel mit Edelmetallen und besonders auf dem Schmuckmarkt mehr Transparenz Einzug hält.

«Für eine Minenwirtschaft mit menschlichem Antlitz»: Eingang der Goldmine der Genossenschaft Sotrami in den peruanischen Anden
© Hildegard Willer, Peru

«Goldminen hinterlassen verbrannte Erde», bestätigt Veerle van Wauwe, Gründerin und Leiterin von Transparence. Etwa 30 Prozent des weltweit gehandelten Goldes stammen aus solchen Lager­stätten, die beim Abbau des Edelmetalls die Menschenrechte nicht immer berücksichtigen, oft hochgiftige Substanzen wie Zyanid und Quecksilber einsetzen und dabei auch noch enorme Mengen an Wasser und Energie verbrauchen. Der ­dabei entstehende Giftmüll verseucht Seen, Flüsse und Trinkwasserquellen und bedroht Leben und Gesundheit der Menschen, die in den betroffenen Gebieten leben.

Transparence will das Bewusstsein der Kundschaft für die wenig glanzvolle Seite des Goldgeschäfts wecken und ihr zugleich die Möglichkeit geben, Schmuck zu erwerben, der nach ethischen Grundsätzen gefertigt wurde. «Wir streben Transparenz für jede Etappe an, von der Mine bis zum Endprodukt», erklärt Veerle van Wauwe. Mittelfristig soll für jedes Geschmeide eine Art Pass abge­geben werden, mit Angaben zur Herkunft und ­darüber, wer es entworfen und hergestellt hat - ein Ansatz, der für die Schweiz ganz neuartig ist. Zu Beginn, im Jahr 2007, richtete sich die Firma vor allem auf Einzelpersonen aus. Seit 2009 aber bemüht sie sich, die grossen Marken für ihre Idee zu gewinnen und damit ihren Einfluss zu ver-grössern. Die ersten Schritte unternahm das Haus Cartier, das mit einer verantwortungsvoll operierenden Mine in Honduras zusammenarbeitet.

Abbau des goldhaltigen Gesteins im Innern der Mine von Sotrami
© Hildegard Willer, Peru

Das nachhaltige Gold von Sotrami. Das Edelmetall von Transparence wird mit einem Mehrwert gehandelt, der die gesellschaftlichen und  ökologischen Auswirkungen in die Rechnung einbezieht. Der Unterschied zum herkömmlichen Marktpreis fliesst in Projekte, die saubere Technologien, eine höhere Wirtschaftlichkeit und Energieeinsparungen fördern und auch die natürlichen Ressourcen schonen.

Im Feld arbeitet Transparence insbeson­dere mit der Genossenschaft Sotrami, in der sich die Minenarbeiter von Santa Filomena in der peruanischen Region Ayacucho zusammengeschlossen haben. Die Mine wurde für ihr Gold von FLO-CERT mit dem Gütesiegel Fairtrade & Farmined ausgezeichnet. Die Alliance for Responsible Mining ARM und die Organisation Fairtrade International haben ihre Erfahrungen vereint, um dieses Label zu entwickeln. Um das Zertifikat zu erlangen, müssen die Arbeiterinnen und Arbeiter von Sotrami rund 200 Anforderungen erfüllen, die sowohl die Arbeitsbedingungen, die Sicherheit, den Umweltschutz als auch die Gleichberechtigung von Mann und Frau betreffen.

Unter Beimischung von Wasser und Zyanid wird das Gestein fein gemahlen
© Hildegard Willer, Peru

Mit Blick auf die Umwelt müssen sie unter anderem ungefährliche Arbeitsmethoden anwenden und korrekt mit giftigen Substanzen umgehen. Zyanid wird dabei in einem geschlossenen Kreislauf eingesetzt, und es werden verschiedene Gewässerschutzmassnahmen ergriffen, etwa indem das Gift in geschlossenen Behältern transportiert wird.

Auf dem Weg zu einem in der Schweiz anerkannten Label. Veerle van Wauwe setzt sich dafür ein, dass ihre Schmuckstücke mit einer Umweltetikette versehen werden, die auch hierzulande anerkannt wird, wie etwa das Gütesiegel Respect-Inside, das von Switcher - einem Pionier der Markttransparenz - entwickelt wurde. Dazu führt Transparence Gespräche mit Max Havelaar. Auch diese Organisation arbeitet an der Rückverfolgbarkeit von Gold. «Der Weg ist noch lang, aber diese Industrie wird jetzt von vielen Akteuren mit anderen Augen betrachtet, und sie beginnt, sich für Veränderungen einzusetzen. Das kommt allen zugute - den Minenarbeitern wie der Umwelt», betont Veerle van Wauwe.

Cornélia Mühlberger de Preux

Weiterführende Informationen

Kontakt
Letzte Änderung 14.02.2012

Zum Seitenanfang

https://www.bafu.admin.ch/content/bafu/de/home/themen/wirtschaft-konsum/dossiers/magazin-umwelt-1-2012/fallbeispiel--wenn-gold-auch-punkto-nachhaltigkeit-glaenzt.html