Fallbeispiel Geldanlagen: Investieren für die Zukunft

Der Bankensektor gilt als besonders undurchsichtig. In unserem Land gibt es aber dennoch verschiedene Geldinstitute, die sich hinsichtlich ihrer Transparenz und der ethischen Leitlinien auszeichnen. Zum Beispiel die Alternative Bank Schweiz (ABS).

Der im Jahr 1990 gegründeten Alternativen Bank ist es ein Anliegen, in der Realwirtschaft tätig zu sein und dabei nachhaltige Projekte und Firmen zu finanzieren. Das Geldinstitut ist für diejenigen bestimmt, «die wissen wollen, wohin ihr Geld geht», unterstreicht Dominique Roten, Leiter Region Romandie/Tessin. Die Bank gewährleistet ihre Transparenz hauptsächlich durch die vollständige Veröffentlichung aller Kredite: Die Namen der Kreditnehmerinnen und -nehmer, die Höhe der geliehenen Beträge und auch deren Bestimmung werden publik gemacht. Das Finanzinstitut rühmt sich im Übrigen, neben der Freien Gemeinschaftsbank das einzige zu sein, das so verfährt.

Eine weitere Besonderheit der ABS: Sie verzichtet auf die Profitmaximierung. Ihre Gewinne fliessen in einen Innovationsfonds, der einfallsreiche soziale und ökologische Vorhaben unterstützt.

© Ruth Schürmann / Quelle: ABS

Die Entscheidungen der ABS.Projekte, die von der ABS finanziert werden, müssen bestimmte Kriterien erfüllen; im Hinblick auf ökologische Anliegen etwa ist eine Unterstützung der Atomenergie, der Waffenindustrie oder des umweltbelastenden Individualverkehrs ausgeschlossen. Die bewilligten Kredite flies­sen hauptsächlich in nach den Vorgaben der Nachhaltigkeit erbaute Immobilien. Die Bank fördert auch gerne ökologische, so­ziale und solidarische Unternehmungen, den ­fairen Handel, erneuerbare Energien und Biolandbau.

«Wir verfügen über ein ethisches Kontrollorgan, das von der Generalversammlung gewählt wird und dessen Rolle es ist, uns in unseren Überlegungen zu begleiten. Aller­dings hat es nicht zur Aufgabe, jede einzelne Operation zu überprüfen», erläutert Dominique Roten. Leider existiert auf diesem Gebiet kein einheitliches Gütesiegel. Dafür gibt es ein weltweites Netzwerk ethischer Banken - die Global Alliance for Banking on Values -, die alle auf ähnliche Werte setzen wie die ABS.

Die ABS bietet auch die Möglichkeit an, Geld in verschiedenen nachhaltigen Investitionsfonds der Raiffeisen-Gruppe und der Bank Sarasin anzulegen. Da es sich um börsenkotierte Produkte handelt, sind die gesellschaftlichen und ökologischen Auswirkungen undurchsichtiger. «Die Fonds, die wir vorschlagen, sind ein Kompromiss zwischen dem Engagement für die Nachhaltigkeit, der Risikoverteilung und der Rendite», erklärt Dominique Roten. Er fügt hinzu, dass die betreffenden Titel von Nachhaltigkeits-Ratingagenturen wie Inrate nach strengen und ausserhalb der Finanzwelt liegenden Kriterien ausgewählt wurden.

Erkundigen Sie sich. Es gibt also keine idealen Investitionsmöglichkeiten, die hohe ethische Anforderungen erfüllen und zugleich einen überdurchschnittlichen Gewinn abwerfen. In jedem Fall gilt es, «die vorgelegten Angebote aufmerksam zu prüfen», empfiehlt ­Dominique Roten. Er ist der Ansicht, dass der Ratgeber «Saubere Renditen - Ökologisch und sozial verantwortungsvoll investieren», der von der Erklärung von Bern und dem Schweizer Konsumentenschutz im Jahr 2007 herausgegeben wurde, interessante Wege aufzeige. Die Ratschläge haben nach wie vor ihre Gültigkeit, auch wenn die Liste der Fonds nicht mehr ganz aktuell ist. Aus-serdem gibt es in der Schweiz eine wichtige Organisation, die sich auf nachhaltige Investitionen spezialisiert hat: die Stiftung Ethos. Im Jahr 1997 in Genf gegründet, betreut sie zurzeit 121 institutionelle Anleger.

Vorderhand belaufen sich die nachhal­tigen Investitionen bloss auf etwa ein Prozent des gesamten Investitionsvolumens. Dominique Roten geht davon aus, dass dieser Anteil zunehmen wird, denn immer mehr Kundinnen und Kunden möchten ihr Geld verantwortungsvoll anlegen. Die ABS beabsichtigt, noch zu wachsen und mehr Produkte zu entwickeln, welche die Realwirtschaft unterstützen. Zudem will sie sich konsequenterweise dafür einsetzen, dass die Transparenz auch im Innern zunimmt: «Bei uns sind sogar die Löhne aller Mitarbeitenden und der Direktoren sichtbar.» 

Cornélia Mühlberger de Preux

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Letzte Änderung 14.02.2012

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