Fallbeispiel Informationsportal: Forelle oder Thon? Codecheck weiss Rat

Die Applikation www.codecheck.info macht die Strichcodes auf Produkten zu einem Ratgeber für kritische Konsumentinnen und Konsumenten.

© Ruth Schürmann

Wieder einmal Fisch zum Nachtessen? Im Wissen, dass manche Fischarten bedroht sind, die Meere geplündert werden und die Zucht in Aquakulturen vielfach auch nicht unproblematisch ist, stehen wir im Laden und fragen uns, welche Fische im Angebot noch mit gutem Gewissen und Appetit verzehrt werden können.

Codecheck weiss Rat: Das elektronische Produktehandbuch wurde von Roman Bleichenbacher, einem Absolventen der Basler Hochschule für Gestaltung und Kunst, als Diplomarbeit entwickelt. Das Portal funktioniert wie Wikipedia: Nutzerinnen und Nutzer können die Informa­tionen eingeben und gegenseitig überprüfen; bei Bedarf kontrolliert das Team um Bleichenbacher ihre Richtigkeit und korrigiert sie falls nötig.

Wer auf seinem Smartphone oder Handy die Codecheck-App heruntergeladen hat, ist daher umgehend im Bild. Ein Scan des Strichcodes auf der Verpackung mit der eingebauten Kamera - und schon erscheint auf dem Display alles, was wir als Konsumentinnen und Konsumenten über die fragliche Fischart wissen müssen. Ist sie bedroht? Werden ihre Bestände nachhaltig oder im Raubbau befischt? Kommen dabei auch Methoden zum Einsatz, die andere Meerestiere gefährden? Oder, falls der Fisch aus einer Zucht stammt: Welche Auswirkungen hat diese auf Natur und Umwelt? Ist der Kauf insgesamt empfehlenswert, noch vertretbar oder sollten wir aus ökologischen Gründen davon absehen?

Gespeist aus zahlreichen Quellen. Bei der Beurteilung der Umweltinformationen stützt sich Codecheck auf Greenpeace. Findet sich auf der Verpackung ein Gütesiegel, erfahren wir zudem, was der WWF und andere Umwelt- und Konsumentenorganisationen davon halten. Wer kein Smartphone besitzt, kann die Produktinformationen auch zu Hause am Computer über www.codecheck.info abrufen.

Panierte Dorschfilets? Greenpeace rät ab. In den meisten Meeren seien die Bestände zusammengebrochen. Als noch vertretbar taxiert wird der Kauf einzig, wenn der Fisch aus einer der noch verbliebenen, nicht übernutzten Populationen stammt, etwa aus dem Nordostpazifik oder -atlantik. Das dürfte der Fall sein, wenn Dorschfilets unter dem Gütesiegel des Marine Stewardship Council (MSC) angeboten werden. Dieses vom WWF empfohlene Label steht für sorgfältig betriebene Fischerei.

Pangasiusfilets aus vietnamesischen Zuchten? Geht durch: Die Art kann umweltverträglich gehalten und mit pflanzlicher Nahrung gefüttert werden - im Gegensatz zu manchen anderen Zuchtfischen, bei denen pro Kilogramm Schlachtgewicht bis zu 5 Kilogramm Futterfische eingesetzt werden müssen, was deren Bestände gefährden kann.

Die Codecheck-App ist ein Renner. Die Hälfte aller iPhone-Besitzerinnen und -Besitzer haben sie heruntergeladen. Noch finden sie darin vor allem allgemeine sowie gesundheitsbezogene Produktinformationen. Bei einem bestimmten Lebensmittel ist etwa zu erfahren, wie viele Kalorien darinstecken, welche Zusatzstoffe es enthält und ob diese problematisch sind.

Umweltinformationen sollen ausgebaut werden. Infos zur Umweltverträglichkeit hingegen gibt es vorläufig erst zu Produkten, die Palmöl enthalten, und zu Fischen. «Wir sind daran, die Produkt­informationen mit Angaben zu ökologischen Aspekten zu erweitern», sagt Codecheck-Gründer Roman Bleichenbacher, «zum Beispiel zur CO2-Bilanz oder - bei Kosmetika und Putzmitteln - zu deren Gefährdungspotenzial für Gewässer.»

Weil das System auf dem Strichcode-Scan basiert, funktioniert es am Fischstand im Offenverkauf nicht. Immerhin lässt sich durch Ein­gabe des Artennamens über die Tastatur erfahren, dass beispielsweise ein Thunfischfilet kein guter Kauf wäre: Die meisten Thunfischarten sind überfischt, einige vom Aussterben bedroht.

Der Entscheid fällt schliesslich für geräucherte Bioforellenfilets. Der Salzgehalt liegt hier zwar im roten Bereich - WWF, Konsumentenschutz und andere Organisationen halten die Wahl dennoch für «sehr empfehlenswert».

Hansjakob Baumgartner

Weiterführende Informationen

Kontakt
Letzte Änderung 14.02.2012

Zum Seitenanfang

https://www.bafu.admin.ch/content/bafu/de/home/themen/wirtschaft-konsum/dossiers/magazin-umwelt-1-2012/fallbeispiel-informationsportal--forelle-oder-thon--codecheck-we.html