Fallbeispiel Mobilität: Aufmerksam mobil

Wie können wir unseren ökologischen Fussabdruck verkleinern, wenn wir auf Reisen sind? Indem wir Informationsplattformen für die Mobilität wie etwa «routerank» und «mobitool» benutzen oder eine Planungshilfe einsetzen, die mit Unterstützung des BAFU speziell für Schulklassen entwickelt wurde.

Wie umweltfreundlich ist es, für eine Konferenz in Zürich eine Person aus London anreisen zu lassen? Empa-Forscher konnten zeigen: Bei Entfernungen unter 200 Kilometern ist es umweltfreundlicher, einen einzelnen Teilnehmenden mit dem Zug anreisen zu lassen, als eine Videoschaltung aufzubauen. 10 Teilnehmende dürften dann aber nur noch je 20 Kilometer entfernt den Zug besteigen.

Ich wohne in Renens (VD) und muss nach Rom. Welche Strecke soll ich wählen, und welche Transportmittel soll ich vorziehen, wenn ich zugleich die Umwelt, meinen Geldbeutel und mein Zeitbudget schonen möchte? Meine Abklärungen nehme ich am 4. Oktober 2011 vor, und nachdem ich Start- und Zielort sowie die Daten meiner Reise auf www.routerank.com eingegeben habe, zeigt mir das Programm sogleich die verschiedenen Möglichkeiten an. Wenn ich zu einer Zugsfahrt neige, wird mich die Reise zwischen 7 und 10 Stunden und 186 Franken kosten und 34 kg CO2 in die Atmosphäre aus-stossen lassen. Im Auto dauert die Fahrt etwas über 9 Stunden, beläuft sich auf rund 232 Franken und wird die Luft mit 239 Kilogramm CO2 belasten. Der Onlinerechner zeigt mir noch zahlreiche andere Optionen an, etwa eine Kombination von Zug, Auto und Flugzeug oder die Verknüpfung von Zug und Flugzeug. 79 Möglichkeiten stehen zur Auswahl! Bleibt nur noch, die Ergebnisse zu sichten.

routerank. Das ist der Name eines Start-up-Unter­nehmens der Eidgenössischen Technischen Hochschule Lausanne (EPFL), das im Jahr 2006 gegründet wurde und es gestattet, ganze Reisen zu planen - nahezu von Tür zu Tür. Die Idee dahinter ist zu zeigen, dass es dank der diversen Transportmittel und mit einer idealen Streckenwahl möglich ist, Lösungen zu finden, die den unterschiedlichen Bedürfnissen und Erwartungen der Nutzerinnen und Nutzer entsprechen. Die Umweltkomponente bekommt dabei ebenso viel Gewicht wie die Reisedauer und die Kosten der Reise. «Diese vielen Elemente können nur dank eines extrem komplexen Algorithmus berücksichtigt werden. Wir müssen dabei Hunderte von Dateien mit unterschiedlichen Formaten und Technologien handhaben», erklärt Jochen Mundiger, Gründer und Leiter der Firma. Bedeutende Kunden von routerank sind derzeit der WWF, Nokia und der Bund.

mobitool. Die Plattform mobitool dagegen wendet sich an Firmen und zielt auf deren Sensibilisierung im Berufsverkehr ab. «Wir möchten ihr Verständnis dafür erhöhen, dass die Mobilität einen bedeutenden Teil ihrer Auswirkungen auf die Umwelt ausmacht», sagt Gabi Hildesheimer, Kommunikationsverantwortliche des Projekts. Auf www.mobitool.ch können die Unternehmen mit wenigen Klicks sowohl ihre Stärken als auch die Verbesserungspotenziale erkennen. «Die Schwierigkeit besteht darin, ein Gleichgewicht zwischen exakten, detaillierten und gleichwohl einfachen Informationen zu finden, also den besten Weg zwischen den beiden Extremen einzuschlagen», führt Gabi Hildesheimer aus. Interessierte Firmenverantwortliche können zur Inspiration ein paar konkrete Anwendungsbeispiele besuchen. Die seit 2010 aufgeschaltete Website gestattet auch Einzelpersonen einen Vergleich der verschiedenen Transportmittel.

Beispiel aus dem vom BAFU unterstützten Lehrmittel «Die Mobilität und unser CO2-Budget»: Vergleich der CO2-Emissionen einer Schulklasse von 20 Personen, die von Bern aus startet und wieder an den Ausgangsort zurückkehrt.
© Bilder: Wikipedia

Schulreisen und das Klima.Das BAFU trägt ebenfalls dazu bei, die Informationen über das Verkehrsverhalten zu verbessern. Es hat ein neues Angebot unterstützt, das Lehrmittel «Die Mobilität und unser CO2-Budget», konzipiert für die Sekundarstufe II. Das Programm hilft den Schülerinnen und Schülern, die eine Klassenreise planen, bei der bewussten Wahl zwischen Zug, Bus oder Flugzeug. Dabei werden drei Kriterien mit in Rechnung gezogen: die Zeit, der CO2-Ausstoss und die Kosten. Das Instrument vermittelt fundierte Kenntnisse und Vergleiche zwischen den diversen Verkehrsmitteln. Ausserdem bietet das Programm eine kritische Beurteilung bestehender Instrumente wie routerank oder ecopassenger, eines Vergleichsrechners der internationalen Eisenbahnunion. Auch reisefreudige Einzelpersonen können das Lehrmittel einsetzen. Cornélia Mühlberger de Preux

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Letzte Änderung 14.02.2012

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