Markttransparenz als Imperativ

Editorial von Christine Hofmann, Stv. Direktorin BAFU

Das Label Minergie-Eco® umfasst eine Vielzahl von Aspekten. Häuser, die mit ihm ausgezeichnet sind, überzeugen nicht nur durch eine hohe Energieeffizienz. Vielmehr sorgt die ausgeklügelte Raumlüftung für behagliches Wohnen, und der Lärmschutz schützt vor Immissionen. Die Baustoffe werden nach Kriterien von Umweltschutz und Nachhaltigkeit ausgewählt.
© Ruth Schürmann

Auf den ersten Blick ruft das Wort «Markttransparenz» kontrastierende Bilder hervor: Hier der betriebsame Handelsplatz für materielle Güter, dort das Luftige, schwer zu Fassende. Die Wortgeschichte aber belehrt uns, dass beide Komponenten aus dem Lateinischen stammen. Der althochdeutsche «Marhat» lässt sich zurückführen auf den lateinischen «mercatus», abgeleitet vom Verb «mercari» für «handeln», «kaufen». Die Transparenz hingegen erreicht die deutsche Sprache über das französische Adjektiv «transparent» aus dem lateinischen «transparere» für «hindurchscheinen». Zuerst wurde der Begriff ganz wörtlich verwendet, bezogen auf klare Luft oder ein dünnes Gewebe, ab dem 18. Jahrhundert dann zunehmend auch im übertragenen Sinn für einsichtige Sachverhalte. Im lateinischen «parere» schwingt aber noch anderes mit, bedeutet es doch auch «sich richten nach», «gehorchen» - wie es in «parieren» anklingt. Markttransparenz liesse sich somit als Imperativ begreifen, den wir zu befolgen haben: Nur wenn wir den Lebensweg der Konsumgüter kennen, sind wir in der Lage zu ermessen, ob sie nach den Kriterien der Nachhaltigkeit produziert wurden und auch so entsorgt werden können. Die meisten möchten einkaufen, ohne befürchten zu müssen, dass dadurch die Umwelt oder die Menschen im Produktionsprozess zu Schaden kommen. Verschiedene Wirtschaftsakteure erkennen mittlerweile denn auch, dass ihnen transparente Produk­tionspfade einen Wettbewerbsvorteil verschaffen: Sie haben eigene Konzepte entwickelt, um sicherzustellen, dass ihre Rohstoffe nachhaltig produziert und rücksichtsvoll verarbeitet werden.

Das vorliegende Dossier stellt einige dieser Pioniere vor. Ferner erläutert es wichtige Methoden, die angewandt werden, um die Umweltbelastung verschiedener Produkte zu berechnen und diese untereinander zu vergleichen. Schliesslich kommen auch noch einige Projekte aus anderen Bundesämtern zur Sprache, die sich für rückverfolgbare und übersichtliche Wirtschaftsbeziehungen starkmachen. Dies unterstreicht einmal mehr, dass Markttransparenz eine wichtige Facette einer grünen Wirtschaft darstellt, wie sie der Bundesrat zusammen mit Partnern aus dem Kreis von Wirtschaft, Verwaltung und Nichtregierungsorganisationen anstrebt.

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Letzte Änderung 14.02.2012

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