2. Newsletter: Torfausstiegs-Aktivitäten in der Schweiz (06.08.2019)

Die Sektion Konsum & Produkte informiert Sie mit diesem Newsletter über den Stand der Aktivitäten und der Zusammenarbeit mit den relevanten Akteuren zur Umsetzung des Torfausstiegskonzeptes in der Schweiz. 


Absichtserklärung im Bereich Produzierender Gartenbau und Gartenhandel

Diesen Sommer wurde eine weitere freiwillige Absichtserklärung unterzeichnet, um die Torfverwendung im produzierenden Gartenbau und Gartenhandel zu reduzieren. Unterzeichnet haben mit dem Unternehmerverband JardinSuisse, seine rund 1‘700 Mitglieder, die Detailhändler Coop und Migros, sowie die zwei Erden-Produzenten RICOTER Erdaufbereitung AG und ökohum GmbH.

Der Fokus der Zusammenarbeit liegt insbesondere auf einer koordinierten Reduktion der Herstellung von Substraten für die Pflanzenproduktion mit Torf, einer Reduktion des Angebots und des Verbrauchs von Pflanzen mit Torf im produzierenden Gartenbau sowie auf dem Absatzmarkt des Detailhandels und des gärtnerischen Fachhandels. Sie beabsichtigen den Torfanteil in der Produktion und im Angebot von Zierpflanzen (Beet- und Balkonpflanzen), Zimmerpflanzen, Stauden und Zierhölzern in Containern oder Töpfen bis 2025 auf maximal 50 % und bis 2030 auf maximal 5 % zu reduzieren.

Mit dieser zweiten Absichtserklärung zielen die Unterzeichnenden auf einen Viertel der importierten Torfmenge ab, die über Pflanzen im Detailhandel und gärtnerischen Fachhandel abgesetzt wird. Dies ist ein zweiter, wichtiger Schritt zur Umsetzung des Torfausstiegkonzepts des Bundesrates.


Resultate aus der Erweiterung der Ökobilanz-Studie der ZHAW

Um weitere, für die Praxis relevante Torfersatzkomponenten zu beurteilen, erweiterte das ZHAW Institut für Umwelt und Natürliche Ressourcen die Studie «Torf und Torfersatzprodukte im Vergleich» aus dem Jahre 2015 in 2019 mit neun weiteren Torfersatzkomponenten. Dabei wurden Substratkomponenten aus Pflanzenkohle, Chinaschilf, Hanffasern, Flachsschäben, Getreidespelzen, Schilf und angebautem Torfmoos bezüglich ihrer Umweltwirkungen, sozialen Nachhaltigkeit, pflanzenbaulichen Eigenschaften und zukünftigen Verfügbarkeit beurteilt und in einem ergänzenden Bericht beschrieben.

  • Sämtliche untersuchten neun Substratkomponenten sind klimafreundlicher als Torf.
  • Besonders umweltfreundlich sind Substratkomponenten aus angebauten, nachwachsenden, sekundären Reststoffen mit geringer Konkurrenz anderweitiger Nutzung oder Substratkomponenten aus Abfallprodukten.
  • In geeigneten Mischungen können aus den Komponenten Substrate mit hochwertigen pflanzenbaulichen Eigenschaften für verschiedene Anwendungen im Gartenbau und der Gemüseproduktion hergestellt werden.
  • Substrate aus einheimischen Materialien haben den Vorteil, dass sie keine bedeutenden sozialen Risiken bergen.

Resultate des Pilotprojektes zur Praxiseinführung von torfreduzierten und torffreien Substraten im Zierpflanzenbau

Damit praxistaugliche Torfersatzsubstrate auch für die Anwendung im produzierenden Gartenbau zur Verfügung stehen, startete 2017 ein dreijähriges Pilotprojekt zur Unterstützung der Einführung von torfreduzierten (≤ 40% Torf) und torffreien Substraten bei der Aufzucht von Zierpflanzen in zehn herkömmlichen und biologischen Erwerbsgärtnereien unter fachlicher Begleitung von JardinSuisse und des Forschungsinstituts für biologischen Landbau FiBL. Torfreduzierte Substrate unterscheiden sich im Nährstoffhaushalt, in der Wasserhaltekapazität und im Giessverhalten wesentlich von üblichen Torfsubstraten.

Die Resultate der ersten beiden Versuchsjahre zeigen vielversprechende Resultate :

  • Die Zierpflanzenproduzenten haben durchwegs positive Erfahrungen gemacht. Im zweiten Versuchsjahr 2018 konnten die Ergebnisse aus dem Vorjahr bestätigt, resp. verbessert werden und die Betriebe waren motiviert, weitere Schritte zur Torfreduktion zu unternehmen.
  • Die Substratanalysen bestätigten, dass die zu geringe Stickstoffversorgung in der Hauptwachstumsphase insbesondere in den torffreien Substraten, ein problematischer Flaschenhals ist. Deshalb war es wichtig, die Produzenten dank regelmässigen Substratanalysen und Beratungen zur Kulturführung in den Anfängen zu unterstützen. Torfreduzierte, jedoch insbesondere torffreie Substrate benötigen nebst einem veränderten Bewässerungsregime ein gutes Düngemanagement.
  • Der Gehalt an Phosphor und Kalium, den beiden anderen Kernnährelementen nebst Stickstoff, lag häufig deutlich über den Empfehlungen von JardinSuisse (bis zum zweifachen). Hier sind die Zuschlagsstoffe der torffreien/torfreduzierten Substrate die wesentlichen Nährstofflieferanten. Die Testsubstrate (torffrei/torfreduziert) sind damit in der Regel besser versorgt als der Standard, ohne dass dies in diesen gut gepufferten Substraten zu Problemen führt. Die Zuschlagstoffe Rindenkompost und Holzfasern liefern von beiden Nährstoffen in der Regel genügend hohe Mengen, so dass auf eine Nachdüngung mit diesen Nährstoffen (P, K) verzichtet werden kann.
  • Die pH-Werte verliefen in allen Gärtnereien im Testsubstrat (torffrei/torfreduziert) stabil und lagen sogar bei den torffreien Substraten im günstigen Bereich unter pH 7. Das bedeutet, dass die Substratfirmen den pH-Wert besser einstellen konnten als in Vergangenheit, wo ein zu hoher Wert oft ein Problem war.
  • Allgemein gilt, dass sich die Kulturzeit mit den schwereren torfreduzierten/torffreien Substraten verlängert, was die Produktionskosten vergrössert. Dafür kann teilweise der Hemmstoffeinsatz verringert oder gar darauf verzichtet werden. Dank enger individueller Kulturbegleitung durch den Berater und Sensibilisierung für zusätzliche Messungen konnte die Kultur mit torfreduzierten/torffreien Substraten optimiert werden und damit den Abstand zu Torfsubstraten verringert werden.
  • Im zweiten Versuchsjahr fielen die Unterschiede vom betriebseigenen Standard- zum jeweiligen torfreduzierten oder torffreien Substrat bereits kleiner aus. Dank intensiver Beratung, engmaschigen Substratanalysen und Anpassungen in der Kulturführung wurde bereits im zweiten Versuchsjahr praktisch in allen Versuchsbetrieben eine zufriedenstellende Verkaufsqualität erreicht.

Laufendes Projekt: Überprüfung und Anpassung der Richtwerte «Flugschrift 113»

Die aktuelle Flugschrift 113 legt die Grenzwerte an Nährstoffen in Erden zur Beurteilung von Torfsubstraten fest. Die im Jahre 1993 verfasste Flugschrift und die darin ausgewiesenen Richtwerte sind auf Torfsubstrate abgestimmt. Dies macht es heute nahezu unmöglich, die zunehmend aufkommenden torffreien Substrate bezüglich dem Gehalt an Nährstoffen richtig zu beurteilen, weil die passenden Grenzwerte fehlen. Denn durch die Beimischung von Ersatzstoffen wie Kompost, Rinde oder mineralischen Komponenten liegen die idealen Nährstoffwerte in anderen Bereichen als in den wenig gepufferten Weisstorfsubstraten der Neunzigerjahre.

Die Nährstoff- und Substratanalyse ist ein unentbehrliches Hilfsmittel bei der Beratung der Gärtner und zur Qualitätsüberwachung bei der Substratherstellung. Durch verschiedene Pflanzen- und Anbauversuche, die Bonitur des Wachstums und der Pflanzenqualität sowie der Vergleich mit den im Labor gemessenen Analysenwerte, sollen neue Richtwerte erarbeitet werden.

Anfang 2020 wird ein Bericht inklusive einer Empfehlung zur Anpassung der Richtwerte «Flugschrift 113» veröffentlicht, welcher die Einführung torffreier Substrate wesentlich erleichtern wird.

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Letzte Änderung 06.08.2019

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