Massnahme 01: Biodiverser und resilienter Wald
Die Massnahme stärkt die Biodiversität und die Resilienz der Schweizer Wälder. Im Fokus stehen der Erhalt und Förderung der genetischen Vielfalt einheimischer Baumarten sowie die gezielte Förderung ökologisch wertvoller Waldgebiete. Damit werden wichtige Grundlagen geschaffen, um Wälder besser an den Klimawandel anzupassen und ihre vielfältigen Ökosystemleistungen langfristig zu sichern.
Worum geht es
Der Wald erfüllt wichtige Funktionen für Mensch und Umwelt: Er schützt vor Naturgefahren, speichert Kohlenstoff, liefert Holz, bietet Lebensraum für zahlreiche Arten und dient als Erholungsraum. Damit Wälder diese Leistungen auch künftig erbringen können, müssen sie widerstandsfähig gegenüber dem Klimawandel bleiben.
Eine wichtige Voraussetzung dafür ist die genetische Vielfalt der Baumarten. Sie ermöglicht es Beständen, sich an veränderte Umweltbedingungen anzupassen. Gleichzeitig braucht es Wälder mit hoher ökologischer Qualität, die miteinander vernetzt sind und gezielt gefördert werden.
Heute bestehen in beiden Bereichen noch Wissenslücken. Zwar werden genetische Ressourcen einzelner Baumarten bereits in sogenannten Generhaltungsgebieten gesichert, über deren tatsächliche genetische Vielfalt ist jedoch bislang nur wenig bekannt. Auch fehlen schweizweite Grundlagen zur räumlichen Verteilung ökologisch besonders wertvoller Wälder.
Die Massnahme schafft deshalb wissenschaftliche Grundlagen, entwickelt praxisnahe Empfehlungen und unterstützt die Umsetzung biodiversitätsfördernder Massnahmen in der Waldbewirtschaftung.
Was wird umgesetzt
Teilmassnahme 1a: Genetische Vielfalt von Baumarten stärken
Im Projekt «TreeGD» wird die genetische Vielfalt ausgewählter einheimischer Baumarten untersucht. Dabei werden seltene Nebenbaumarten sowie eine klimaempfindliche Hauptbaumart analysiert. Ziel ist es, die genetische Diversität besser zu verstehen und Empfehlungen für die Praxis abzuleiten.
Die Arbeiten umfassen unter anderem:
- die Untersuchung der genetischen Vielfalt und Populationsstruktur,
- die Bewertung der Repräsentatitvität bestehender Generhaltungsgebiete,
- Empfehlungen zur Samenernte und zum forstlichen Vermehrungsgut,
- die Entwicklung von Grundlagen für einen naturnahen und klimaangepassten Waldbau.
Die Ergebnisse werden in nationale und internationale Datenbanken integriert und über Merkblätter, Fachartikel und Veranstaltungen an die Forstpraxis vermittelt.
Teilmassnahme 1b: Ökologisch wertvolle Wälder identifizieren und fördern
Wälder mit hohem ökologischem Wert sollen schweizweit besser identifiziert und räumlich erfasst werden. Dazu werden bestehende Daten und Karten analysiert und weiterentwickelt.
Im Fokus stehen unter anderem:
- naturnahe und alte Wälder,
- seltene und National Prioritären Waldlebensräume (NPL),
- Potenzial für die Wiedervernässung feuchter Wälderdie Vernetzung wertvoller Waldflächen
- Hohes Potenzial zur Aufwertung von Waldrändern
Die Grundlagen unterstützen Kantone und Fachstellen dabei, Waldreservate und Aufwertungsmassnahmen gezielt zu planen und Prioritäten für die Biodiversitätsförderung festzulegen.
Ziele bis 2030
- Die genetische Vielfalt wichtiger Haupt- und Nebenbaumarten ist besser dokumentiert und bewertet.
- Empfehlungen für die Gewinnung von forstlichem Vermehrungsgut mit Berücksichtigung von genetische Diversität liegen vor.
- Die Grundlagen für einen klimaangepassten und biodiversitätsfördernden Waldbau sind verbessert.
- Wälder mit hohem ökologischem Wert sind räumlich besser identifiziert.
- Die Vernetzung wertvoller Waldlebensräume ist gestärkt.
- Kantone und Fachstellen verfügen über bessere Grundlagen zur Förderung biodiverser und resilienter Wälder.
Nutzen
Die Massnahme trägt dazu bei, die Anpassungsfähigkeit der Wälder an den Klimawandel zu stärken und ihre Waldfunktionen und Waldleistungen langfristig zu sichern. Eine hohe genetische Vielfalt verbessert die Resilienz von Baumarten gegenüber Trockenheit, Krankheiten und anderen Umweltveränderungen.
Gleichzeitig unterstützt die Massnahme die gezielte Förderung ökologisch wertvoller Wälder und stärkt damit die Biodiversität im Wald. Davon profitieren auch wichtige Ökosystemleistungen wie Schutzwirkung, Kohlenstoffspeicherung, Holzproduktion und Erholung.
Kantone, Fachstellen und die Forstpraxis erhalten konkrete Grundlagen und Empfehlungen, um Biodiversität und Klimaanpassung in der Waldbewirtschaftung stärker zu verankern.
Stand der Umsetzung
Die Massnahme wird schrittweise bis 2030 umgesetzt. Für die Teilmassnahme 1a startete das Projekt «TreeGD» im Herbst 2025. Es wird gemeinsam mit der Eidgenössischen Forschungsanstalt WSL und der ETH Zürich durchgeführt.
Die Arbeiten umfassen genetische Analysen verschiedener Baumarten, die Bewertung bestehender genetischer Erhaltungsgebiete sowie die Formulierung praktischer Empfehlungen für die Waldbewirtschaftung.
Für die Teilmassnahme 1b laufen erste konzeptionelle Arbeiten zur Identifikation ökologisch wertvoller Wälder und zur Abstimmung mit bestehenden Projekten und Fachstellen.
Verantwortlichkeiten
- Federführung: Bundesamt für Umwelt (BAFU)
- Zusammenarbeit: unter anderem mit WSL, ETH Zürich, Kantonen sowie weiteren Fach- und Forschungseinrichtungen
- Wichtige Umsetzungspartner: Umsetzungspartner: unter anderem WSL, ETH Zürich, kantonale Fachstellen und Waldverbände
