Massnahme 02: Biodiverse und resiliente Seen im Klimawandel
Die Massnahme stärkt die Biodiversität und die Klimaresilienz der Schweizer Seen. Im Fokus stehen die Wasserqualität, die Fischdiversität und nachhaltige Fischerei, die Revitalisierung von Seeufern sowie die Verbesserung von Monitoring und Vollzug. Damit werden wichtige Grundlagen geschaffen, um Seen als wertvolle Lebensräume langfristig zu verbessern und ihre vielfältigen Funktionen für Mensch und Umwelt zu sichern.
Worum geht es
Die Schweizer Seen stehen zunehmend unter Druck. In vielen Seen sind die Phosphor-Einträge nach wie vor zu hoch, so dass die Anfoderungen der Gewässerschutzverordnung an die Sauerstoffbedingungen nicht eingehalten werden können. Ein grosser Anteil der Seeufer sind hart verbaut. Die Fischerinnen und Fischer fangen zum Teil ehemals häufige Arten viel seltener als früher. Der Klimawandel verändert die Biodiversität und Temperatur- und Sauerstoffverhältnisse und invasive gebietsfremde Arten wie die Quaggamuschel breiten sich aus.
Bereits heute besteht in verschiedenen Seen Handlungsbedarf zur Verbesserung des ökologischen Zustands und zur Weiterenwicklung des Monitorings. In vielen Seen müssen Phosphor-Einträge reduziert werden, damit die Sauerstoffbedingungen in der Tiefe verbessert werden können. Um die Fischartenvielfalt zu erhalten und die nachhaltige Nutzung weiterhin zu ermöglichen, muss das Fischereimanagement und die Überwachung der Artenvielfalt den sich ändernden Bedingungen in den Seen Rechnung tragen. Gleichzeitig unterscheiden sich das Monitoring teilweise stark zwischen den Kantonen.
Damit biodiversitätsfördernde Massnahmen wirksam umgesetzt werden können, braucht es eine gesamtheitliche Sichtweise auf Seen. Wasserqualität, Fischerei, Revitalisierung und Monitoring sind miteinander verknüpft und Massnahmen müssen koordiniert erfolgen.
Die Massnahme erarbeitet die wichtigsten Massnahmen für biodiverse und klima-resiliente Seen - unter gesamtheitlicher Berücksichtigung der verschiedenen Stressoren und in enger Zusammenarbeit von verschiedenen Hochschulen, dem Bund und den Kantonen. Diese Arbeiten ermöglichen Bund und Kantonen ihre Massnahmen für biodiversere und klimaresiliente Seen gestützt auf neusten wissenschaftlichen Erkenntnissen zu planen und umzusetzen.
Was wird umgesetzt
Teilmassnahme 2a: Wasserqualität verbessern
Für die grössten Schweizer Seen wird untersucht, welche Wasserqualität Phoshor- und Sauerstoffkonzentratinen notwendig sind, damit die Biodiversität in Seen trotz Klimawandel erhalten werden kann.
Untersucht wird unter anderem:
- wie gross die maximal tolerierbaren Phosphor-Einträge für verschiedene Sauerstoffziele in den 25 grössten Seen sind
- wie sich der Klimawandel oder die Quaggamuschel auf die Sauerstoffverhältnisse auswirken
- welche Massnahmen notwendig sind, um die maximal tolerierbaren Phosphor-Einträge zu erreichen,
- welche Auswirkungen diese Massnahmen auf Biodiversität und Nutzungen der Seen haben.
Teilmassnahme 2b: Monitoring weiterentwickeln
Gemeinsam mit Kantonen und Forschungseinrichtungen soll das Monitoring so weiterentwickelt werden, dass es den Handlungsbedarf für biodiverse und klima-resiliente Seen schweizweit vergleichbar aufzeigen kann.
Dabei geht es insbesondere um:
- die charakteristischen Artgemeinschaften als Zielzustände für naturnahe Seen zu definieren
- Ein Indikatoren- und Methoden-Set zur Beurteilung der Biodiversität und des ökologischen Gewässerzustands zu empfehlen (primär basierend auf bestehenden Methoden von EU oder Kantonen, die Entwicklung neuer Methoden steht nicht im Vordergrund)
- Empfehlungen für eine Harmonisierung des Monitorings zu erarbeiten
Teilmassnahme 2c: Fischdiversität und Fischereimanagement stärken
Die Massnahme schafft sowohl Grundlagen für ein nachhaltiges Fischereimanagement in Seenals auch für Verbreitungskarten prioritärer Fischarten und ihrer Lebensräume.
Im Fokus stehen:
- Laich- und Jungfischhabitate,
- Grundlagen für eine nachhaltige Fischerei
- Der Einfluss von sich ändernden Umweltbedingungen (z.B. wegen Klimawandel, sinkende Phosphorkonzentrationen) auf die nachhaltige Nutzung
Besondere Aufmerksamkeit gilt den endemischen Fischarten der Schweizer Seen.
Teilmassnahme 2d: Revitalisierung von Seeufern fördern,
Für die Revitalisierung von Seeufern werden schweizweit anwendbare Methoden und Best-Practice-Grundlagen entwickelt.
Dazu gehören:
- Auswahl geeigneter Indikatoren zur Beurteilung revitalisierter Ufer
- standardisierte Methoden (pro Indikator) zur Wirkungskontrolle
- Empfehlungen für Planung und Umsetzung
- Gute Beispiele umgesetzter Projekte aufzeigen
Die Grundlagen unterstützen Kantone und Gemeinden bei zukünftigen Revitalisierungsprojekten.
Integration und Synthese
Die Erkenntnisse aus allen Teilbereichen werden zusammengeführt und in vollzugsorientierte Handlungsempfehlungen für biodiversitätsfördernde und klimaresiliente Seen überführt.
Dabei arbeiten Bund, Kantone und Forschung eng zusammen. Ein spezielles «Lake Competence Cluster» der Eawag unterstützt die fachübergreifende Koordination und Synthese der Ergebnisse.
Ziele bis 2030
- Die Auswirkungen des Klimawandels auf Schweizer Seen sind besser verstanden.
- Grundlagen für biodiversitätsfördernde und klimaresiliente Seen liegen vor.
- Für die grössten 25 Seen sowie die wichtigsten Typen von Kleinseen bestehen vollzugsorientierte Handlungsempfehlungen.
- Empfehlungen für Monitoringmethoden und Wirkungskontrollen liegen vor.
- Die Grundlagen für ein nachhaltiges Fischereimanagement in Seen sind vorhanden.
- Verbreitungskarten von wichtigen Gebieten (Laich- und Jungfischhabitate) für prioritäre Fischarten in Seen liegen vor
- Empfehlungen und Grundlagen für wirkungsvolle Revitalisierungsprojekte liegen vor
- Bund und Kantone verfügen über bessere Grundlagen für den Schutz und die Nutzung von Seen.
Nutzen
Die Massnahme trägt dazu bei, die Biodiversität und die ökologischen Funktionen der Seen langfristig zu erhalten. Verbesserte Sauerstoffbedingungen und angepasste Massnahmen stärken die Resilienz der Seen gegenüber Klimawandel und weiteren Belastungen.
Davon profitieren nicht nur empfindliche Arten und Lebensräume, sondern auch wichtige Nutzungen wie Fischerei, Trinkwasserversorgung, Bewässerung, Tourismus und Erholung.
Kantone und Fachstellen erhalten konkrete Grundlagen und praxisnahe Empfehlungen, um Massnahmen gezielter zu planen, umzusetzen und ihre Wirkung zu überprüfen.
Stand der Umsetzung
Die Massnahme wird gemeinsam von BAFU, Kantonen, Ökobüros und Forschungseinrichtungen umgesetzt. Verschiedene Projekte in den Bereichen Wasserqualität, Monitoring, Fischerei und Revitalisierung sind bereits gestartet oder befinden sich in Vorbereitung.
Die Eawag koordiniert die fachübergreifende Synthese der Arbeiten. Parallel dazu laufen verschiedene Forschungs- und Praxisprojekte, deren Ergebnisse in die vollzugsorientierten Handlungsempfehlungen einfliessen.
Bis 2030 sollen zentrale Grundlagen und Empfehlungen für biodiversitätsfördernde und klimaresiliente Seen vorliegen.
Verantwortlichkeiten
- Federführung: Bundesamt für Umwelt (BAFU)
- Projektleitung: BAFU und Eawag
- Zusammenarbeit: Kantone, Forschungsinstitutionen und Ökobüros
- Wichtige Umsetzungspartner: unter anderem Eawag, BFH, SUPSI sowie kantonale Fachstellen
