Massnahme 03: Wissensgrundlagen biodiversitätsbewusster Konsum
Die Massnahme stärkt die Wissensgrundlagen für biodiversitätsbewusste Konsum- und Beschaffungsentscheide. Dazu werden bestehende Ökobilanzdaten und Bewertungsmethoden weiterentwickelt, damit Biodiversitätswirkungen künftig besser berücksichtigt werden können – sowohl in der öffentlichen Beschaffung als auch bei Unternehmen und Konsumierenden.

Worum geht es
Konsum und Produktion beeinflussen die Biodiversität weltweit. Gleichzeitig fehlt es heute oft an aktuellen, verständlichen und wissenschaftlich fundierten Grundlagen, um die Biodiversitätswirkungen von Produkten und Dienstleistungen systematisch zu beurteilen.
Ökobilanzen sind ein wichtiges Instrument, um Umweltwirkungen entlang von Wertschöpfungsketten sichtbar zu machen. Sie werden bereits heute in verschiedenen Bereichen eingesetzt, etwa im Verkehrs-, Energie- oder Baubereich. Im Bereich Biodiversität bestehen jedoch noch wichtige Daten- und Methodenlücken.
Insbesondere fehlen:
- ausreichend aktuelle biodiversitätsrelevante Ökoinventardaten,
- aktuelle Bewertungsmethoden für Biodiversitätswirkungen,
- einfach nutzbare Instrumente für Entscheidungsträgerinnen und Entscheidungsträger,
- Grundlagen für biodiversitätsfreundliche Beschaffungs- und Konsumentscheide.
Die Massnahme schliesst diese Lücken schrittweise und schafft wissenschaftlich abgestützte Grundlagen für biodiversitätsbewusste Entscheidungen in Verwaltung, Wirtschaft und Gesellschaft.
Was wird umgesetzt
Teilmassnahme 3a: Bewertungsmethoden weiterentwickeln
Bestehende Methoden zur Bewertung von Biodiversitätswirkungen in Ökobilanzen werden analysiert und weiterentwickelt.
Dazu gehören:
- Literaturanalysen zu bestehenden Methoden,
- Bewertung der Eignung für Schweizer Verhältnisse,
- Einbezug von Fachpersonen und Praxisakteuren,
- Auswahl geeigneter Methoden,
- Weiterentwicklung der Methode der ökologischen Knappheit.
Ziel ist eine wissenschaftlich fundierte und praxisnahe Methode, die Biodiversitätswirkungen differenzierter abbilden kann.
Teilmassnahme 3b: Biodiversitätsrelevante Daten ergänzen
Die bestehende Ökobilanzdatenbank der Bundesverwaltung wird erweitert und aktualisiert.
Im Fokus stehen:
- aktualisierte Ökoinventare für den Landwirtschaftsbereich,
- biodiversitätsrelevante Datengrundlagen,
- Harmonisierung von Daten und Bewertungsmethoden,
- Verbesserung der Datenqualität,
- teilweise stärkere Regionalisierung von Daten.
Die Daten werden als Open Access zur Verfügung gestellt und können von verschiedenen Akteuren genutzt werden.
Teilmassnahme 3c: Biodiversität in Rechnern und Tools berücksichtigen
Es wird geprüft, ob ein Biodiversitätsrechner entwickelt werden kann, der Biodiversitätswirkungen einfacher verständlich und nutzbar macht.
Der Rechner soll:
- Biodiversitätswirkungen von Produkten sichtbar machen,
- Nicht-Spezialistinnen und Nicht-Spezialisten unterstützen,
- Grundlagen für Beschaffungs- und Kaufentscheide liefern,
- bestehende Ökobilanzdaten und Methoden integrieren.
Dabei werden mögliche Kooperationen mit spezialisierten Partnern geprüft.
Teilmassnahme 3d: Wissen und Erkenntnisse bereitstellen
Die gewonnenen Erkenntnisse werden verschiedenen Zielgruppen zugänglich gemacht.
Dazu gehören:
- Fachveranstaltungen,
- Kommunikationsprodukte,
- zielgruppenspezifische Informationen,
- Grundlagen für öffentliche Beschaffungsstellen,
- Informationen für Unternehmen und Konsumierende.
Ziele bis 2030
- Biodiversitätswirkungen können in Ökobilanzen besser berücksichtigt werden.
- Die Ökobilanzdatenbank der Bundesverwaltung enthält verbesserte biodiversitätsrelevante Grundlagen.
- Entscheidungsgrundlagen für biodiversitätsbewusste Konsum- und Beschaffungsentscheide stehen zur Verfügung.
- Biodiversitätsinformationen werden stärker in bestehende Bewertungs- und Beschaffungsprozesse integriert.
- Unternehmen, Verwaltung und Konsumierende erhalten bessere Orientierungshilfen.
- Biodiversitätsfreundliche Produktions- und Konsummuster werden gefördert.
Nutzen
Die Massnahme schafft eine wichtige Grundlage, um Biodiversitätswirkungen entlang von Wertschöpfungsketten besser sichtbar zu machen. Dadurch können biodiversitätsfreundlichere Entscheidungen in Beschaffung, Produktion und Konsum unterstützt werden.
Die öffentliche Hand, Unternehmen und weitere Akteure erhalten wissenschaftlich fundierte Grundlagen, um Umwelt- und Biodiversitätsaspekte systematischer in ihre Prozesse einzubeziehen.
Langfristig kann dies:
- die Nachfrage nach biodiversitätsfreundlichen Produkten stärken,
- biodiversitätsfreundliche Produktionsweisen fördern,
- die Transparenz über Umweltwirkungen erhöhen,
- die Vorbildfunktion der öffentlichen Hand stärken,
- zur Reduktion des Biodiversitätsverlustes beitragen.
Stand der Umsetzung
Die Massnahme befindet sich im Aufbau. Erste Arbeiten zur Analyse bestehender Methoden sowie zur Erweiterung biodiversitätsrelevanter Datengrundlagen sind gestartet.
Parallel dazu werden mögliche Partnerschaften mit Forschungsinstitutionen und spezialisierten Fachbüros geprüft. Die Arbeiten erfolgen schrittweise bis 2030.
Verantwortlichkeiten
- Federführung: Bundesamt für Umwelt (BAFU)
- Zusammenarbeit: Mit Fachpersonen aus Wissenschaft, Verwaltung und Praxis
- Wichtige Umsetzungspartner: unter anderem Agroscope, ecolysis, AdAstra Sustainability, ETH Zürich, ZHAW