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Veröffentlicht am 29. September 2026

Massnahme 06: Ökologisch wertvolle Flächen und Vernetzung

Geeignete Lebensräume für Tiere und Pflanzen und deren Vernetzung sind die Grundlage für die Erhaltung der Biodiversität, funktionierende Ökosysteme und deren Leistungen für Mensch und Umwelt. Die Massnahme M6 schafft datenbasierte Grundlagen, um neben bestehenden Schutzgebiete, zusätzliche wertvolle Flächen und deren Vernetzung zu identifizieren. Dabei werden insbesondere Flächen mit Potenzial für sogenannte «Other Effective area-based Conservation Measure» (OECMs) berücksichtigt. Gemeinsam mit verschiedenen Akteuren werden Ansätze für deren multifunktionale Nutzung und langfristige Erhaltung entwickelt.

Worum geht es

Viele Lebensräume in der Schweiz sind voneinander räumlich getrennt. Strassen, Siedlungen, Gewässerverbauungen oder intensiv genutzte Flächen erschweren es Tieren und Pflanzen, ihre natürlichen Lebensräume zu erhalten. Dadurch werden Populationen isoliert und anfälliger gegenüber Umweltveränderungen, weil durch die Isolation unter anderem der genetische Austausch reduziert wird.

Mit der ökologischen Infrastruktur baut die Schweiz ein Netzwerk aus Lebensräumen und Vernetzungsflächen auf. M6 unterstützt diese Bestrebung und zeigt auf, welche Flächen und Vernetzungen für die Biodiversität unter heutigen Umweltbedingungen besonders wichtig sind, und wo sie verloren gegangen sind (in Zusammenarbeit mit M9), sowie deren Entwicklung  unter zukünftigen Klima- und Landnutzungsszenarien (in Zusammenarbeit mit M7). Verschiedene Akteure und ihre Perspektiven werden eng einbezogen, denn ökologische und gesellschaftliche Systeme sind eng miteinander verbunden und müssen gemeinsam betrachtet werden. Dies trägt auch dazu bei, das internationale Ziel zu erreichen, bis 2030 mindestens 30% der Landesfläche für die Biodiversität zu sichern und wirksam zu erhalten (30×30-Ziel).

Was wird umgesetzt

Wertvolle Flächen und Vernetzungsräume identifizieren

Die Massnahme baut auf früher erarbeiteten Grundalgen (Valpar, SPEED2ZERO) auf und entwickelt diese mit aktuellen ökologischen, genetischen und sozialen Daten sowie interdisziplinären und partizipativen Methoden weiter. Dabei arbeitet sie insbesondere eng mit den Massnahmen M7 und M9 zusammen.

Die Massnahme schafft eine schweizweite datenbasierte Grundlage, um wertvolle Flächen und deren Vernetzung für heutige und zukünftige Umweltbedingungen (Klima- und Landnutzungsveränderung) sichtbar zu machen und soweit möglich mit genetischen Daten funktionale Vernetzungen zu identifizieren (M9). Grundlage sind die neuesten und umfassendsten modellierten Verbreitungskarten tausender in der Schweiz vorkommender Tier- und Pflanzenarten (M7), darunter auch nationale Prioritätsarten. Das Ziel ist zu erkennen, wo heute und in Zukunft prioritärer Handlungsbedarf besteht.

Gemeinsam Wissen für die Praxis entwickeln

Die Ergebnisse werden gemeinsam mit Kantonen, Gemeinden und weiteren Akteuren entwickelt und für die Praxis zugänglich gemacht. So entsteht eine praxisnahe Entscheidungsgrundlage für Planungen und Umsetzung von OECMs in vom Menschen geprägten Landschaften gemeinsam zu fördern.

Neue Ansätze zur Vernetzung erproben

In ausgewählten Regionen werden Pilotprojekte durchgeführt. Gemeinsam mit Kantonen, Gemeinden, Landnutzenden und weiteren Beteiligten werden Lösungen entwickelt, um OECMs umzusetzen und die Vernetzung dort zu verbessern, wo besonderer Handlungsbedarf besteht.

Dazu wird unter anderem eine Theory of Change (ToC) erarbeitet. Sie schafft eine gemeinsame Grundlage, um Ziele, kausale Zusammenhänge, Wirkungsmechanismen und mögliche Handlungsansätze zu konkretisieren und gemeinsam die notwendigen Voraussetzungen für den angestrebten Wandel zu identifizieren. Auf dieser Basis werden innovative Instrumente und geeignete Ansätze für freiwillige Vereinbarungen zur langfristigen Sicherung biodiversitätsrelevanter Flächen entwickelt und in Pilotanwendungen erprobt. Die Erfahrungen daraus sollen die Zusammenarbeit zwischen den beteiligten Akteuren im Rahmen der OECMs weiter stärken.

Gewässer als Lebensadern stärken

Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf dem Gewässerraum. Dort treffen Wasser- und Landlebensräume aufeinander, ein besonders wertvoller Übergangsbereich, welcher linear Vernetzungsachsen schafft. Sie verbinden Lebensräume, ermöglichen die Ausbreitung von Arten, Nährstoffen und Energie und tragen so wesentlich zur Biodiversität und zu wichtigen Ökosystemfunktionen und Leistungen bei.

Ziele bis 2030

  • Die für die Biodiversität besonders wichtigen Flächen und Vernetzungsräume sind unter heutigen und zukünftigen Bedingungen schweizweit identifiziert.
  • Die Liste der «Gebiete für die Biodiversität» gemäss Aktionsplan Phase II ist aktualisiert.
  • Freiwillige Vereinbarungen zur langfristigen Sicherung und Pflege biodiversitätsrelevanter Flächen sind in Zusammenarbeit mit den relevanten Stakeholdern entwickelt und in Pilotanwendungen getestet.
  • Biodiversität und die Vernetzung von Lebensräumen werden stärker in integrierte Planungen und Projekte eingebunden.
  • Die Erkenntnisse fliessen in die Weiterentwicklung der ökologischen Infrastruktur ein.

Nutzen

Gut vernetzte Lebensräume ermöglichen es Pflanzen und Tieren, sich auszubreiten. Dies stärkt die Biodiversität, unterstützt wichtige Ökosystemfunktionen und erhöht die Widerstandsfähigkeit von Ökosystemen gegenüber Klima- und Landnutzungswandel sowie anderen Belastungen. Massnahme M6 entwickelt nationale praxistaugliche Grundlagen, die Bund, Kantonen, Gemeinden und Dritten dabei helfen, Biodiversität gezielt zu fördern und mit weiteren Zielen zu integrieren.

Stand der Umsetzung

Die wissenschaftlichen Arbeiten zu M6 sind bei WSL, Eawag und UNIL im Rahmen von OneBioNet angelaufen in enger Zusammenarbeit mit Partner aus M7 und M9. Die Weiterentwicklung der im Rahmen von SPEED2ZERO erarbeiteten Modelle ist im Gang. Der Stakeholder Prozess ist geplant und wird die wissenschaftlichen interdisziplinären Arbeiten und die weitere Entwicklung der OECMs Ansätze in den kommenden Jahren begleiten.

Verantwortlichkeiten

  • Federführung: Bundesamt für Umwelt (BAFU)
  • Fachliche Begleitung: Durch Hochschulen und Forschungsinstitutionen, insbesondere EAWAG, WSL, Universität Lausanne, und InfoFlora. Die massnahmenübergreifende Koordination erfolgt über OneBionet und verbindet M6, M7 und M9.
  • Enge Zusammenarbeit: Mit Kantonen, Forschungsinstitutionen und weiteren Partnern aus Naturschutz, Raumplanung, Landnutzung und Wirtschaft.

Weiterführende Informationen