Massnahme 09: Genetische Vielfalt
Genetische Vielfalt umfasst die Unterschiede im Erbgut innerhalb und zwischen Populationen einer Art und ist die Grundlage dafür, dass sich Arten und ihre Populationen an veränderte Umweltbedingungen anpassen können. Die Massnahme M9 schafft Wissen, Instrumente und Grundlagen, um genetische Vielfalt künftig stärker in Schutz- und Fördermassnahmen einzubeziehen. Damit wird die langfristige Anpassungs- und Überlebensfähigkeit von Arten gestärkt und stärkt auch die Ökosystem-Resilienz.
Worum geht es
Biodiversität umfasst drei Ebenen, nicht nur Arten- und Lebensraumvielfalt, sondern auch die genetische Vielfalt innerhalb einer Art. Genetische Vielfalt ist das Rohmaterial für die Evolution, und somit grundlegend für die Anpassung von Arten und Populationen an eine sich verändernde Umwelt. Sie bestimmt, somit wie gut sich Populationen an Veränderungen wie z.B. Krankheiten, Umweltbelastungen oder den Klimawandel anpassen können.
Geht genetische Vielfalt verloren, steigt das Risiko, dass Populationen langfristig geschwächt werden (z.B. durch Inzucht) oder sogar verschwinden. Während für Nutzpflanzen und Nutztiere bereits zahlreiche Informationen vorliegen, bestehen bei Wildpflanzen, Tieren und Pilzen noch grosse Wissenslücken. Die genetische Vielfalt wird deshalb heute im Naturschutz oft nur am Rand berücksichtigt. Die Pilotstudie für eine Monitoring der genetischen Vielfalt (GenDiv) hat hier die ersten Lücken identifiziert und Lösungen gezeigt (Zustand der genetischen Vielfalt in der Schweiz). Die Massnahme M9 baut auf der GenDiv-Studie auf und schafft die fachlichen Grundlagen, um genetische Vielfalt gezielt in Schutz- und Fördermassnahmen einzubeziehen. In enger Abstimmung mit M6 liefert sie zudem wichtige Grundlagen für die Verbesserung der funktionalen Vernetzung in der Schweiz.
Was wird umgesetzt
Wissen zur genetischen Vielfalt ausbauen
Für ausgewählte Tier- und Pflanzenarten, mit einem Fokus auf Gewässer und den Gewässerraum, werden genetische Daten erhoben und der Zustand der Untersuchten Arten und Populationen anhand von fünf genetischen Indikatoren untersucht. Dadurch lässt sich besser verstehen, wie es um die genetische Gesundheit von Populationen steht und wo Handlungsbedarf besteht.
Monitoring aufbauen
Die Massnahme entwickelt die Grundlagen für die Integration der genetischen Vielfalt in die langfristige Monitoringstruktur der Schweiz. Ziel ist es, Veränderungen frühzeitig zu erkennen und die Entwicklung von Populationen besser beurteilen zu können.
Genetisches Wissen in den Naturschutz integrieren
Die gewonnenen Erkenntnisse sollen künftig stärker in Schutz- und Fördermassnahmen einfliessen. Sie helfen beispielsweise dabei, Vernetzungsmassnahmen zu verbessern, Populationen gezielter zu fördern, Hotspots der genetischen Vielfalt zu identifizieren und bewahren oder Auswirkungen des Klimawandels besser einzuschätzen.
Ex-situ-Erhaltung koordinieren
Ergänzend werden Grundlagen für die Erhaltung genetischer Ressourcen von national prioritären Pflanzenarten ausserhalb ihres natürlichen Lebensraums (ex situ) geschaffen. Das Konzept Ex-situ-Erhaltung Flora Schweiz wird umgesetzt, in dem bestehende Initiativen besser vernetzt und koordiniert werden, wie z.B. Samenbanken und anderen Ex-situ-Sammlungen. Die Koordination schafft einen gemeinsamen Überblick über vorhandene Bestände, ermöglicht das gezielte Schliessen von Erhaltungslücken und stellt sicher, dass besonders wertvolle genetische Ressourcen langfristig gesichert und für Forschung, Züchtung und eine mögliche Wiederansiedlung verfügbar bleiben. So werden bestehende Aktivitäten wirkungsvoller genutzt und die Erhaltung der genetischen Vielfalt der Schweizer Flora gezielt gestärkt.
Ziele bis 2030
- Die Wissensbasis zur genetischen Vielfalt erweitern.
- Diese Erkenntnisse systematisch bei der Auswahl von Massnahmen zum Schutz und zur Erhaltung der Biodiversität berücksichtigen.
- Die Grundlagen für ein nationales Monitoring der genetischen Vielfalt schaffen.
- Die Massnahmen zur Ex-situ-Erhaltung der genetischen Vielfalt besser koordinieren.
- Den Bund, die Kantone und weitere Akteure durch Richtlinien und Empfehlungen zur Umsetzung unterstützen.
Nutzen
Die Massnahme stärkt die langfristige Widerstandsfähigkeit von Arten und Populationen. Sie hilft dabei, Risiken wie Inzucht, genetische Verarmung oder den Verlust von Anpassungsfähigkeit frühzeitig zu erkennen. Gleichzeitig entstehen wichtige Grundlagen für andere Massnahmen des AP SBS II, insbesondere in den Bereichen Vernetzung (M6), Artenförderung (M8) und Biodiversität im Klimawandel (M7).
Stand der Umsetzung
Die Arbeiten bauen auf einer Pilotstudie zum Monitoring der genetischen Vielfalt (GenDiv) auf. Aktuell werden weitere Datengrundlagen erarbeitet, mögliche Synergien mit laufenden Monitoringprogrammen geprüft und die Integration genetischer Informationen in Vernetzungs-, Schutz- und Fördermassnahmen vorbereitet. Parallel dazu wird die Umsetzung des Konzepts zur Ex-situ-Erhaltung weiterentwickelt.
Verantwortlichkeiten
- Federführung: Bundesamt für Umwelt (BAFU)
- Fachliche Begleitung: Durch Hochschulen und Forschungsinstitutionen, insbesondere EAWAG, ETH Zürich und InfoFlora. Die massnahmenübergreifende Koordination erfolgt über OneBioNet und verbindet M6, M7 und M9.
- Zusammenarbeit: InfoSpecies, RegioFlora und weiteren Fachorganisationen
