Veröffentlicht am 3. Juli 2026
Sommer 2026 – Trockenheit und hohe Wassertemperaturen
Das BAFU erreichen derzeit viele Anfragen zur Trockenheit und den hohen Wassertemperaturen in der Schweiz. In diesen FAQs finden Sie die häufigsten Fragen und Antworten dazu.

Lage und Entwicklung
In der Schweiz – insbesondere im Mittelland - herrscht seit dem Frühling 2026 eine ausgeprägte Trockenheit. Niederschläge blieben deutlich unter dem langjährigen Durchschnitt. Gleichzeitig lagen die Temperaturen häufig über den üblichen Werten für die Jahreszeit.
Die Auswirkungen zeigen sich unter anderem in trockenen Böden und tiefen Wasserständen von Gewässern und Grundwasser. Die Situation hat sich in den vergangenen Wochen verschärft. Die Fachstellen beobachten die Entwicklung laufend.
Die Trockenheit kann regional unterschiedlich ausgeprägt sein. Eine gesamtschweizerische Übersicht zur aktuellen Lage und deren Entwicklung bieten die offiziellen Warn- und Informationskanäle des Bundes. Kantonale Fachstellen und Gemeinden veröffentlichen ergänzend Informationen zur Situation vor Ort.
Das Trockenheitsbulletin des Bundes wird jeden Donnerstagnachmittag aktualisiert.
Wie sich die Trockenheit weiterentwickelt, hängt vor allem von den Niederschlägen und den Temperaturen in den kommenden Wochen ab. Die aktuelle Lage sowie Prognosen zur weiteren Entwicklung werden laufend im Trockenheitsbulletin der nationalen Trockenheitsplattform des Bundes veröffentlicht.
Kurzzeitige Niederschläge verbessern die Situation nur vorübergehend. Gewässer reagieren schnell auf Regen. Grundwasser und tiefe Bodenschichten benötigen deutlich länger zur Regeneration. Für eine nachhaltige Entspannung der Lage braucht es also länger anhaltende und grossflächige Niederschläge
Gewässer und Wasserversorgung
Die Wasserstände und Abflüsse vieler Gewässer liegen unter den für die Jahreszeit üblichen Werten. Bei den Flüssen werden in weiten Teilen des Mittellandes und der Voralpen tiefe bis sehr tiefe Abflussmengen gemessen. Statistisch gesehen lagen die Werte gegen Ende Juni in einem Bereich, der alle zwei bis zehn Jahre vorkommt, teilweise auch seltener. Die Gewitter, die in den letzten Juni- und ersten Julitagen auftraten, führten insbesondere entlang der Voralpen und in der Ostschweiz zu steigenden Abflüssen. Das Abflussdefizit ist in diesen Regionen vorübergehend weniger gross. Im Jura, im zentralen und westlichen Mittelland waren die Regenmengen zu gering für relevante Abflusszunahmen. Dort ist das Abflussdefizit weiterhin extrem. Durchschnittliche oder erhöhte Abflüsse führen derzeit nur Flüsse und Bäche, die von der Schnee- und Gletscherschmelze beeinflusst werden. In den Alpen ist die Schneeschmelze früher als üblich weitgehend abgeschlossen. Nur noch in den Hochalpen liegen geringe Schneemengen.
Der Bodensee, der Walensee und der Zugersee, aber auch weitere kleinere Seen, wie z.B. der Sempacher- oder der Hallwilersee, weisen für die Jahreszeit extrem tiefe Wasserstände auf, auch weitere Seepegel liegen unter dem Durchschnitt für diese Jahreszeit. Ebenso sind regional leicht niedrige bis extrem niedrige Grundwasserstände und Quellschüttungen zu beobachten.
Die aktuellen Messwerte und Einordnungen sind zu finden unter:
Die Wassermenge in Flüssen und Bächen hängt von verschiedenen Faktoren ab. Dazu gehören Niederschläge, Schneeschmelze, Grundwasserzufluss und Verdunstung. Bleiben Niederschläge über längere Zeit aus und steigen die Temperaturen, gelangt weniger Wasser in die Gewässer. Gleichzeitig verdunstet mehr Wasser aus Böden, Vegetation und Gewässern. Dadurch sinken die Wasserstände und Abflüsse vieler Flüsse und Bäche. Die aktuelle Situation ist auf den Niederschlagsmangel seit dem Frühling und dem schneearmen Winter und damit wenig Schmelzwasser zurückzuführen.
Die Wassertemperaturen vieler Gewässer liegen zurzeit über den für die Jahreszeit üblichen Werten. Bereits im Mai wurden an zahlreichen Messstationen des BAFU neue Höchstwerte für diesen Monat verzeichnet. So kletterte zum Beispiel die Temperatur der Aare bei Bern und der Reuss bei Luzern schon Ende Mai über 20 °C, was vorher noch nicht vorgekommen war.
Im Juni erreichten die Temperaturen vieler – auch grösserer – Flüsse neue Juni-Höchstwerte. Bei mehr als einem Viertel der Stationen wurden sogar neue absolute Maxima für die ganze Messperiode gemessen (siehe Tabelle).
Aktuell liegen die Wassertemperaturen vieler Fliessgewässer im Bereich der höchsten für diese Jahreszeit gemessenen Werte. In den nächsten Tagen werden die Wassertemperaturen weiterhin sehr hoch bleiben. Die höchsten Wassertemperaturen treten im Jahresverlauf meist eher im Juli oder August auf. Eine Auswertung der Juli-Temperaturen erfolgt voraussichtlich Anfang Juli.
Kleine und mittelgrosse Gewässer reagieren besonders empfindlich auf Trockenheit und Hitze. Bei tiefen Wasserständen erwärmt sich das Wasser schneller als in grossen Seen oder Flüssen. Wegen der hohen Lufttemperaturen und der vielen Sonnenstunden steigen die Wassertemperaturen im Tagesverlauf sehr stark an. Dies wird voraussichtlich auch die nächsten Tage der Fall sein.
Ausnahmen sind Bäche und Flüsse mit hoch gelegenen Einzugsgebieten, wo die Schnee- und Gletscherschmelze während warmen Tagen kühles Schmelzwasser in die Gewässer bringt. Auch kann es in kleineren Flüssen nach Gewittern kurzzeitig zu einer Abkühlung kommen.
Aktuelle Informationen zu Wasserständen und Abflüssen von Flüssen und Bächen, zum Grundwasser sowie zu den Wassertemperaturen sind zu finden unter:
Das BAFU betreibt seit 2022 gemeinsam mit der Eawag und den kantonalen Fachstellen ein Echtzeitmonitoring der Seetemperaturen. Informationen zu Seetemperaturen sind teilweise auch bei den Kantonen, Badeanstalten oder der Seepolizei erhältlich.
Mit steigender Wassertemperatur sinkt der Sauerstoffgehalt im Wasser. Gleichzeitig geraten viele Wasserlebewesen unter Stress. Besonders empfindlich reagieren Fischarten, die auf kühles und sauerstoffreiches Wasser angewiesen sind. Siehe auch → Auswirkungen auf Natur und Umwelt.
Um empfindliche Arten und ihre Lebensräume zu schützen, können Behörden Massnahmen ergreifen. Dazu gehören beispielsweise Einschränkungen bei der Einleitung von erwärmtem Kühlwasser aus Industrieanlagen oder Kernkraftwerken sowie Badeverbote in sensiblen Gewässerabschnitten, die Fischen als Rückzugsräume dienen.
Bei Trockenheit können die zuständigen kantonalen Behörden Wasserentnahmen aus Flüssen, Bächen oder anderen Gewässern einschränken oder vorübergehend verbieten. Solche Massnahmen dienen dazu, Gewässer und ihre Lebensräume zu schützen und die verfügbaren Wasserressourcen zu sichern.
Informationen zu Wasserentnahmeverboten oder -einschränkungen veröffentlichen die zuständigen Kantone. Das BAFU verfügt nicht über einen Überblick über die Massnahmen.
Welche Möglichkeiten zur Verfügung stehen, hängt von den regionalen Gegebenheiten und den geltenden Bewilligungen ab. Informationen dazu erteilen die zuständigen kantonalen Fachstellen sowie die Landwirtschaftsfachstellen von Bund und Kantonen.
Kurzfristig können Betriebe Bewässerungen priorisieren oder auf andere verfügbare Wasserquellen zurückgreifen, sofern diese genutzt werden dürfen. Langfristig können beispielsweise effizientere Bewässerungssysteme, die Speicherung von Wasser, ein besserer Wasserrückhalt im Boden oder trockenheitsverträglichere Kulturen dazu beitragen, die Auswirkungen von Trockenperioden zu verringern.
Der Bund erarbeitet derzeit eine nationale Wassermanagement-Strategie. Sie soll den Umgang mit Trockenperioden, Starkniederschlägen, der Wasserversorgung und dem Schutz der Wasserlebensräume stärken.
Die Strategie baut auf bestehenden Arbeiten von Bund und Kantonen auf und wird unter Einbezug verschiedener Akteure entwickelt. Sie soll dazu beitragen, Nutzungskonflikte frühzeitig zu erkennen, die Datengrundlagen zu verbessern und die verfügbaren Wasserressourcen langfristig und nachhaltig zu bewirtschaften.
Die Wasserhoheit liegt in der Schweiz bei den Kantonen. Das BAFU unterstützt die Kantone mit Grundlagen, Daten, Vollzugshilfen und der Nationalen Trockenheitsplattform.
Gleichzeitig arbeitet das BAFU daran, die Datengrundlagen zur Wassernutzung weiter zu verbessern. Dazu gehören Projekte zur Erhebung von Wassernutzungsdaten und zur besseren Beurteilung von Wasserbedarf und Wasserverfügbarkeit. Ziel ist es, Nutzungskonflikte frühzeitig zu erkennen und die verfügbaren Wasserressourcen auch in Trockenperioden nachhaltig zu bewirtschaften.
Monitoring, Daten und Warnungen
Die Schweiz verfügt seit 2025 über ein nationales Früherkennungs- und Warnsystem für Trockenheit. Dafür arbeiten BAFU, MeteoSchweiz und swisstopo eng zusammen. Die WSL unterstützt sie. Auf der Trockenheitsplattform werden Daten zu Niederschlag, Bodenfeuchte, Abflüsse, Grundwasserstände, Satellitendaten zum Gesundheitszustand der Vegetation laufend bewertet und eingeordnet. Der Bund überwacht die Entwicklung kontinuierlich und passt seine Einschätzungen laufend an.
In der Schweiz gibt es seit 2025 ein nationales Früherkennungs- und Warnsystem für Trockenheit. Es überwacht laufend verschiedene relevante Einflussfaktoren wie Niederschlag, Bodenfeuchte, Abflüsse und Wasserstände in Gewässern sowie Grundwasserstände. Werden festgelegte Schwellenwerte erreicht oder lässt die Entwicklung eine erhebliche Trockenheit erwarten, veröffentlicht der Bund entsprechende Warnungen. Diese informieren über die aktuelle Lage und deren voraussichtliche Entwicklung. Diese Warnungen unterstützen die zuständigen Behörden dabei, die Situation frühzeitig zu beurteilen, sich zu koordinieren und bei Bedarf Massnahmen vorzubereiten oder umzusetzen.
Ursachen und Klimabezug
Ein einzelnes Ereignis lässt sich nicht eindeutig dem Klimawandel zuschreiben. Der Klimawandel erhöht jedoch die Wahrscheinlichkeit längerer und intensiverer Hitze- und Trockenperioden. Die Kombination aus geringerem Sommerniederschlag, wärmerer Luft und erhöhter Verdunstung führt zu vermehrter Austrocknung der Böden im Sommer. Dadurch nehmen Bodenfeuchte und Wasserverfügbarkeit schneller ab. Geringe Schneemengen verringern die Wasserspeicherung im Winter und führen zudem im Frühling und Sommer zu geringeren Abflüssen. Als Folge werden die nutzbaren Wassermengen im Sommer abnehmen.
Auswirkungen auf Natur und Umwelt
Tiefe Wasserstände führen während sommerlichen Hitzewellen zu höheren Wassertemperaturen und geringerem Sauerstoffgehalt. Dies belastet Fische und andere Wasserorganismen. Trockenstress schwächt Bäume und erhöht ihre Anfälligkeit für Schädlinge und Krankheiten, zudem können geschwächte Schutzwälder womöglich ihre Schutzfunktion nicht mehr wahrnehmen. Anhaltende Trockenheit erhöht zudem das Risiko von Wald- und Flurbränden. Die Bodenfeuchte nimmt ab, Erträge können sinken und die Bewässerungsnachfrage nimmt zu, was den Druck auf die Gewässer weiter erhöht.
Wenn Gewässerabschnitte auszutrocknen drohen oder die Bedingungen für Fische kritisch werden, können die zuständigen kantonalen Fachstellen Fische abfangen und in geeignetere Gewässer umsiedeln.
Eine Übersicht über die aktuelle Waldbrandgefahr in der Schweiz bietet das Portal waldbrandgefahr.ch des BAFU. Es bietet eine aktuelle Gefahrenkarte, Informationen zu kantonalen Feuerverboten und Hinweise zur Lage.
Vergleich und Einordnung
In den letzten Jahrzehnten erlebte die Schweiz mehrere ausgeprägte Trockenperioden, unter anderem in den Sommermonaten der Jahre 2003, 2015, 2018, 2022 und 2023. Solche Trockenperioden führen häufig zu Wasserknappheit, ausgetrockneten Böden und einer erhöhten Waldbrandgefahr. Der Sommer 2018 galt dabei als einer der trockensten seit über 100 Jahren. Die Klimaszenarien zeigen, dass Hitzeperioden zunehmen und längere Trockenperioden als Folge der Klimaerwärmung in Zukunft häufiger auftreten werden.
Webmagazin «die umwelt»: Trockenheit ist keine Ausnahme mehr