Innovation steht im Mittelpunkt des Internationalen Tag des Waldes

19.03.2024 – Innovationen in der Holzanwendung sind bekannt. Innovationen, die dem Wald zugutekommen, weniger. Sowohl die Waldwirtschaft als auch die Holzwirtschaft sind traditionelle Branchen, basierend auf grossem Handwerkswissen und -geschick. In den letzten Jahrzehnten gab es einen Innovationsschub entlang der Wertschöpfungskette Wald und Holz. Innovationen, welche Lösungen bieten für die vielfältigen Herausforderungen.

Extraktion von Holzinhaltsstoffen (Projekt der Berner Fachhochschule im Rahmen des Aktionsplans Holz).
Extraktion von Holzinhaltsstoffen (Projekt der Berner Fachhochschule im Rahmen des Aktionsplans Holz).
© Alexander Jaquemet

«Holz ist eines der ältesten Materialien der Baugeschichte – und gleichzeitig eines der modernsten. So dynamisch wie kein anderer Baustoff hat sich das Holz in den letzten Jahren verändert… » (Rinke, M., Schwartz, J., 2014: Holz: Stoff oder Form. Transformationen einer Konstruktionslogik, Niggli Verlag, Sulgen).

Mit handwerklichem Geschick bauten Zimmermänner in der Schweiz seit Hunderten von Jahren Holzbauten. Die Kunst des Schreinerns entwickelte sich immer weiter auf höchstes Niveau. In den letzten Jahrzehnten gab es in der gesamten Holzverarbeitung einen immensen Innovations-Schub aufgrund verschiedener Entwicklungen:

So wurde 1952 die Holzfachschule Biel gegründet, und seit 1986 werden Holzingenieure und immer mehr Ingenieurinnen ausgebildet. Diese setzen seither ihr Wissen in der Praxis um. An der Eidg. Technischen Hochschule in Zürich und Lausanne entstanden Lehrstühle und Forschung zur Holzkonstruktion, u.a. zum Laubholz, für welches neue Holzanwendungen gesucht werden. Die Anpassungen der Brandschutzvorschriften in den Jahren 2005 und 2015 ermöglichten einen Innovationsschub und den mehrstöckigen Holzbau.

Die digitale Transformation hat im Holzbau längst begonnen und erleichtert komplexe Bauprojekte wie Hochhäuser aus Holz zu realisieren. Beim Aufstocken und Verdichten ist Holz unschlagbar und hilft, urbane Räume nachhaltiger umzugestalten. Holz leistet einen wichtigen Beitrag zur Dekarbonisierung, in dem Kohlenstoff nach der Holzernte für lange Zeit in Holzprodukten gebunden bleibt. Und Holz kann fossile Rohstoffe oder energieintensive Materialien substituieren. Weniger bekannte Anwendungen von Holzbestandteilen gibt es in der Lebensmittel-, Pharma- und Textilindustrie.

Innovationen für den Wald

Das Konzept der Nachhaltigkeit stammt aus der Waldwirtschaft. Im Wald, wo weder gedüngt noch Kahlschlag betrieben werden darf und die Naturverjüngung vorherrscht, entwickelten sich unter idealen Bedingungen und mit dem adaptiven und naturnahen Waldbau stabile Bestände. Die Klimaerwärmung ist jedoch eine immense Herausforderung für den Wald. Praktiker und Forschende untersuchen deshalb, welche Baumarten künftig besser auf veränderte Umweltbedingungen reagieren können.

monitoring wald
Waldmonitoring mit Sentinel-2 Satellitenbildern; WHFF-Projekt.
© Dominique Weber

In der Waldwirtschaft hat sich in den letzten Jahren viel getan. Der Einsatz von Fernerkundungsdaten und Informationssystemen ermöglicht eine moderne Waldplanung. Und der Schutz vor Naturgefahren erfolgt heute mittels integralem Risikomanagement. Die Bewirtschaftungsstrukturen werden sukzessive optimiert und Ernteverfahren effizienter und kostengünstiger. Eine moderne Erntemaschine ermöglicht heute eine schonende und effiziente Holzernte. Längst wird in der Waldwirtschaft künstliche Intelligenz angewandt, z.B. Bilderkennungssoftware, die es ermöglicht, eine optimale Waldinfrastruktur zu finden.

Die Waldwirtschaft gehört nicht mehr ausschliesslich zum Primären Sektor, welcher die Ressource Holz produziert. Sie gehört mittlerweile zum Dienstleistungssektor, jedoch ohne die entsprechenden Geldflüsse, also Inwertsetzungen. Dies soll sich ändern. Seit der Veröffentlichung des Millennium Ecosystem Assessment (MEA) hat die Forschung und zunehmend auch die Praxis Konzepte zur Erfassung und Bewertung sowie Instrumente oder Geschäftsmodelle zur Inwertsetzung von Waldleistungen entwickelt.

Innovationsförderung

Seit 1946 unterstützen der Bund gemeinsam mit den Kantonen die Wald- und Holzforschung. In zahlreichen Projekten wird die Innovation in der Wald- und Holzwirtschaft vorangetrieben. Der Aktionsplan Holz legt seinen Fokus insbesondere auf die Innovation in der Holzanwendung.

Bei der Förderung sind der Wissenstransfer und die Umsetzung der Resultate in die Praxis eine Bedingung. Die Forschungsergebnisse sollen sich künftig noch besser und zeitnaher in der Praxis etablieren. Dies ist erforderlich, weil bereits heute die Auswirkungen des Klimawandels auf den Wald regional deutlich erkennbar sind.

Innovative Projektbeispiele

INNOWOOD

Klimawandel, Sturmschäden oder steigende Kosten in der Waldbewirtschaftung stellen das wirtschaftliche Konzept des Waldes vor neue Herausforderungen. Das Projekt INNOwood will den Mehrwert von lokaler Holzverwendung für den Wald und seine Leistungen für Klima und Gesellschaft stärker im Bewusstsein der Öffentlichkeit verankern.

MEHRGESCHOSSIGER HOLZBAU

Mit Holz soll erdbebensicher gebaut werden. Das Projekt schliesst die Wissenslücke in Bezug auf Steifigkeit, Tragwerksverhalten und Duktilität von Wänden mit Öffnungen. Mit dieser Grundlage soll es möglich werden, ein Grossprojekt zu lancieren.

ROBINIENHOLZ

Die Robinie ist eine invasive Baumart, welche sich im Tessin stark verbreitet hat. Auch wenn die Baumart nicht gefördert wird, stellt sich die Frage, ob mit Robinienholz nicht mehr als Holzenergie gemacht werden kann. Wie weit eignet sich Robinienholz, um Grappa darin herzustellen?

HOLZ FÜR DIE MEDIZIN

Können die verschiedenen Holzbestandteile wie Zellulose und Lignin zu Materialien für die Wundheilung kombiniert werden? In einem Forschungsprojekt wurde dies untersucht. Auch Laubholz aus dem Schweizer Wald diente als Rohstoffquelle.

MEIN WALD

Die Plattform meinwald.ch bietet Waldbesitzern und Waldbesitzerinnen spezifische Informationen über den Zustand ihrer Wälder sowie über die möglichen Entwicklungen für die nächsten drei Jahrzehnte. Mehrere Videos stellen zudem Wissen in einfacher Sprache zur Pflege und Bewirtschaftung des Waldes zur Verfügung.

STADT AUS HOLZ

Unter dem Titel «Stadt aus Holz» werden institutionelle Bauherrschaften sensibilisiert mit Holz zu bauen. Ökonomische und ökologische Kennzahlen zur Verfügung gestellt, Veranstaltungen und Besichtigungen durchgeführt. 

www.bauenmitholz.info
www.espazium.ch

Weiterführende Informationen

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Letzte Änderung 19.03.2024

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