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Bundesamt für Umwelt bewilligt Feldversuch mit gentechnisch veränderten Kartoffeln

Bern, 21.04.2015 - Das Kompetenzzentrum für landwirtschaftliche Forschung Agroscope darf einen Feldversuch mit gentechnisch veränderten Kartoffeln durchführen, die resistenter gegen die Kraut- und Knollenfäule sind. Das Bundesamt für Umwelt (BAFU) hat mit Verfügung vom 21. April 2015 den Versuch bewilligt, der auf der Protected Site am Standort Reckenholz (Zürich) stattfinden wird. Agroscope als Gesuchstellerin muss eine Reihe von Massnahmen ergreifen, um die Sicherheit zu garantieren und zu vermeiden, dass sich gentechnisch verändertes Material ausserhalb des Versuchsgeländes verbreiten kann.

Agroscope hatte das Gesuch Ende Oktober 2014 beim Bundesamt für Umwelt (BAFU) eingereicht. Der Feldversuch soll im April 2015 beginnen und höchstens fünf Jahre dauern. Die zu verwendenden Kartoffeln wurden von Forschenden der Universität Wageningen (NL) entwickelt. Sie haben mit gentechnischen Methoden Gene aus Wildkartoffeln, die eine Resistenz gegen die Kraut- und Knollenfäule verleihen, in kultivierte Kartoffelsorten eingebracht. Diese in den Niederlanden bereits getesteten cisgenen Kartoffeln (siehe Kasten) wiesen eine gute Resistenz gegen die Krankheit auf.

Im Feldversuch von Agroscope soll die Resistenz der gentechnisch veränderten Kartoffeln gegen Stämme des Krankheitserregers Phytophthora infestans untersucht werden. Dieser ist verantwortlich für die Kraut- und Knollenfäule, die für den Kartoffelanbau in der Schweiz ein grosses Problem darstellt. Ziel des Freisetzungsversuchs ist, herauszufinden, wie sich diese gegen die Krankheit resistenten Kartoffelpflanzen im Feld verhalten und wie sich diese Resistenz auf die Umwelt auswirkt. Heute besteht für den Anbau gentechnisch veränderter Pflanzen zu Forschungszwecken eine Bewilligungspflicht, während die landwirtschaftliche Produktion per Moratorium bis Ende 2017 verboten ist.

Da das Gesuch die Anforderungen nach schweizerischem Recht erfüllt, hat das BAFU den Feldversuch bewilligt. Gleichzeitig hat es festgelegt, welche Massnahmen die Gesuchstellerin treffen muss, um zu verhindern, dass sich gentechnisch verändertes Material ausserhalb des Versuchsgeländes verbreitet. Diese Auflagen sind weitgehend mit denen vergleichbar, die bei früheren Freisetzungsversuchen in der Schweiz gemacht wurden:

  • Einsetzung einer Begleitgruppe, die den Versuch vor Ort überwacht und dem BAFU Bericht erstattet;
  • Präsentation von Einsatz- und Notfallplänen für den Fall ausserordentlicher Ereignisse sowie Vorlage der detaillierten Versuchsanordnung für jedes Jahr, in dem Freisetzungen stattfinden;
  • Durchführung verschiedener Sicherheitsmassnahmen vor Ort: Zäune, Vogelnetz, Mantelsaat ohne gentechnisch veränderte Pflanzen rings um die Versuchsfläche, Isolationsabstand zu den angrenzenden Kartoffelkulturen, Überwachungsperimeter um das Versuchsgelände;
  • Umsetzung von Sicherheitsmassnahmen beim Transport, bei der Verwendung und Vernichtung der gentechnisch veränderten Pflanzen;
  • Überwachung der Versuchsparzellen während und nach dem Freisetzungsversuch;
  • Von der Gesuchstellerin verfasster wissenschaftlicher Bericht über die Hauptresultate.

Die Versuche werden am geschützten Standort durchgeführt, den das Parlament der eidgenössischen Forschungsanstalt Agroscope Reckenholz (ZH) zugewiesen hat. Die Protected Site dient dazu, Nutzen und Risiken der Freisetzung gentechnisch veränderter Pflanzen zu analysieren, wie es die 2012 vom Parlament verabschiedete Botschaft des Bundesrates über die Förderung von Bildung, Forschung und Innovation in den Jahren 2013-2016 vorsieht.

KASTEN
Cisgenese versus Transgenese

Cisgenese ist ein Verfahren, bei dem Gene von nah verwandten Arten übertragen werden. Bei der Transgenese werden dagegen Gene zwischen verschiedenen Arten übertragen, die sich auf herkömmliche Weise nicht kreuzen lassen. In der Schweiz und in Europa unterstehen Cisgenese und Transgenese der Regelung zur Gentechnik im Ausserhumanbereich.

Beispiel für Cisgenese: In eine Apfel-Handelssorte wurden arteigene Gene eingeführt, um die Expression des Gens zu blockieren, welches das für die Bräunung des Fruchtfleischs verantwortliche Enzym Polyphenoloxidase codiert.

Beispiel für Transgenese: Mais kann gegen einen Insektenschädling, den Maiszünsler (Ostrinia nubialis), resistent gemacht werden, indem mit gentechnischen Methoden das aus dem Bakterium Bacillus thuringiensis stammende Gen eingebracht wird, das für die Produktion des insektiziden Eiweisses Cry1Ab verantwortlich ist.

Adresse für Rückfragen:

Sektion Medien BAFU
Telefon: +41 58 462 90 00
Email: mediendienst@bafu.admin.ch

Herausgeber:

Bundesamt für Umwelt BAFU
Internet: http://www.bafu.admin.ch


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