Bundesamt für Umwelt BAFU

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Zustandsbericht Klima

1. Treibhausgas produzierende Aktivitäten (Ursachen)

Der Mensch verändert durch die Emission von Treibhausgasen zunehmend die Zusammensetzung der Atmosphäre.

Der wachsende Güter- und Personenverkehr und die Heizung des Gebäudebestandes führen zu einem grossen Verbrauch an fossilen Energieträgern. Beispielsweise bei der Verbrennung von Treibstoffen wie Benzin oder Diesel wird CO2 ausgestossen, das den natürlichen Treibhauseffekt verstärkt und zu einer Erwärmung des Klimas führt.

In geringerem Umfang tragen auch die industriellen Prozesse, Landnutzungsänderungen und die Landwirtschaft zur Anreicherung von Treibhausgasen wie Methan, Lachgas und synthetischen Gasen (z.B. Fluorkohlenwasserstoffe) in der Atmosphäre bei.


2. Treibhausgas-Ausstoss (Belastungen)

Die von der Schweiz 2009 in die Atmosphäre ausgestossene Menge an Treibhausgasen entspricht 51.84  Millionen Tonnen CO2-Äquivalenten (nicht eingerechnet ist der internationale Flugverkehr mit 4 Millionen Tonnen). Dies entspricht einem Treibhausgas-Ausstoss von 6.6 t pro Kopf (davon CO2: 5.6 t).  

Unter den verschiedenen Treibhausgasen

  • hat das CO2 leicht abgenommen.
  • haben die synthetischen Gase deutlich zugenommen.
  • haben Methan- und Lachgas-Emissionen, welche vor allem aus der Landwirtschaft stammen, abgenommen.

Von den gesamten Emissionen werden

  • 32% durch den Verkehr 
  • 26% durch die Industrie und Abfallbewirtschaftung
  • 21% durch Privathaushalte (insbesondere Heizungen, ohne Verkehr)
  • 12% durch die Land- und Forstwirtschaft
  • und 9% durch Dienstleistungen verursacht:.
 PDF
Vom Menschen verursachte Treibhausgase
06.07.2010 | 35 KB | PDF


3. Klimaänderungen (Zustand)

In allen Regionen der Schweiz ist es im Mittel der letzten fünf Jahre rund 1.6°C wärmer als noch 1970. 

Die durchschnittliche Temperatur hat damit rund eineinhalbmal schneller zugenommen als diejenige der Landfläche der Nordhalbkugel. Die steigenden Temperaturen lassen sich seit den 1970er Jahren mit natürlichen Faktoren (z.B. Schwankungen der Sonnenstrahlung) nicht mehr erklären.

Die Niederschläge im Winterhalbjahr nahmen im Laufe des 20. Jahrhunderts im nördlichen und westlichen Alpenraum um 20% bis 30% zu. Im Herbst haben sie sich in der Südschweiz in vergleichbarem Mass verringert.

Die Häufigkeit intensiver Tagesniederschläge ist im Laufe des 20. Jahrhunderts bei den meisten Messstationen der Alpennordseite um 15-70% im Herbst und Winter gestiegen.


4. Veränderung von Permafrost, Schneefallgrenze, Artenzusammensetzung, Gesundheitliche Auswirkungen, Extremereignisse

Eine direkte Folge steigender Temperaturen ist der Anstieg der Schneefallgrenze, womit sich die Schneesicherheit von Wintersport-Orten verschlechtert.

Das Auftauen von Permafrostgebieten kann zu einer Destabilisierung des Untergrunds, zu Felsstürzen, Steinschlag und Murgängen führen.

Weil die Niederschläge im Winter zurückgehen und die Sommer immer trockener und heisser werden, verlieren die Alpengletscher seit Mitte der 1970er-Jahre im Schnitt Jahr für Jahr 1% ihres Volumens. Setzt sich dieser Trend fort, drohen bis 2050 75% der Alpengletscher ganz zu verschwinden.

Temperaturänderungen beeinflussen die Artenzusammensetzung von Ökosystemen und können die Ausbreitung von Krankheitserregern beschleunigen. Warme und trockene Sommer begünstigen zum Beispiel die Verbreitung des Borkenkäfers in Fichtenwäldern. Speziell im Kanton Tessin beobachtet man eine Ausbreitung subtropischer Pflanzen aus Parks und Gärten.

Die Hitzewelle des Sommers 2003 hat deutlich gemacht, dass ein wärmeres Klima auch Folgen für die Gesundheit haben kann. In der Schweiz stieg die Sterblichkeitsrate zwischen Juni und August 2003 um rund 7%.

Die kurzfristig gravierendsten Folgen haben aber möglicherweise nicht Änderungen der klimatischen Durchschnittswerte, sondern Extremereignisse wie Überschwemmungen, Dürren, Hitzewellen oder Stürme. Ein Trend lässt sich wegen der Seltenheit solcher Ereignisse statistisch schlecht belegen. Ihre Zunahme ist nach wissenschaftlichem Verständnis aber zumindest plausibel.


5. Globale und schweizerische CO2-Reduktionsziele, Anpassungsstrategie (Massnahmen)

Die negativen Folgen der Klimaerwärmung können abgeschwächt werden, indem weniger Treibhausgase verursacht werden. Auf globaler Ebene wurden für Industriestaaten erste Reduktionsziele für den Zeithorizont 2008-2012 im Kyoto-Protokoll definiert.

  • Die Industrie- und Schwellenländer verpflichteten sich darin, ihre Treibhausgasemissionen im Schnitt der Jahre 2008-2012 um durchschnittlich 5.2% gegenüber 1990 zu reduzieren. 
  • Für die Schweiz lautete die Vorgabe gleich wie für die Europäische Union: Reduktion der Treibhausgasemissionen im Schnitt der Jahre 2008-2012 um 8% gegenüber 1990.

Die wichtigste Grundlage für die Klimapolitik in der Schweiz ist das CO2- Gesetz. Für die Periode 2008 - 2012 sah das Gesetz eine Reduktion der CO2-Emissionen aus der Verbrennung fossiler Energie um 10% unter das Niveau von 1990 vor.

Das per 1.1.2013 revidierte CO2-Gesetz knüpft nahtlos daran an.

  • Die Schweiz soll ihre Treibhausgas-Emissionen im Inland bis 2020 um mindestens 20 % gegenüber 1990 senken.
  • Das Gesetz betrifft vor allem fossile Brenn- und Treibstoffe, erfasst aber neben CO2 auch andere wichtige Treibhausgase.
  • Zudem schreibt es dem Bund eine koordinierende Rolle zu bei der Anpassung an den Klimawandel.

Im Jahr 2008 führte die Schweiz die CO2-Abgabe ein, eine Lenkungsabgabe auf fossilen Brennstoffen (Heizöl, Gas). Seit 2010 subventioniert ein Teil der Lenkungsabgabe ein Programm zur energetischen Sanierung von Gebäuden (das Gebäudeprogramm).

Berücksichtigt wird für die Zielerreichung des CO2-Gesetzes auch der - beschränkte - Kauf von ausländischen Emissionszertifikaten.


Kontakt: climate@bafu.admin.ch
Zuletzt aktualisiert am: 04.03.2013

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