Beginn Inhaltsbereich

Beginn Navigator

Ende Navigator



Klima und Finanzmarkt

Heutige Investitionsentscheide beispielsweise zur Energieversorgung sind mitentscheidend, wie viele Treibhausgase zukünftig emittiert werden. Die internationale Staatengemeinschaft hat sich im Übereinkommen von Paris 2015 zum Ziel gesetzt, auch die allgemeinen Finanzflüsse klimaverträglich auszurichten. Das heisst, künftig soll mehr Geld in zukunftsgerichtete, weniger in treibhausgasintensive Technologien und Energieträger investiert werden. Wird transparent gemacht, wie sich Investitionen und Finanzierungen auf das Klima auswirken, können alle bewusst klimarelevante Entscheide fällen.

Finanzflüsse umfassen die verwalteten Vermögen in der Schweiz. Per Ende 2013 waren dies über 6000 Milliarden Schweizer Franken. Sie stammen unter anderem aus privaten Spareinlagen bei Banken, Versicherungskapital oder Vorsorgeeinlagen in Pensionskassen und die AHV. Dass Finanzinstitute und institutionelle Investoren Geld möglichst gewinnbringend anlegen, ist natürlich im Interesse der Sparer und der Altersvorsorge. Die Auswirkungen auf das Klima werden allerdings bei Anlageentscheiden kaum berücksichtigt. Allein mit ihren Auslandaktien finanzieren Schweizer Pensionskassen heute Unternehmen, die pro versicherte Person gerechnet jährlich 6,4 t CO2-Äquivalente emittieren. Dies ist nochmals rund gleich viel, wie direkt in der Schweiz jährlich pro Kopf durch Heizen, Autofahren usw. emittiert wird. Bei Unternehmensanleihen ergibt sich ein ähnliches Bild.

 


Rendite klimafreundlicher Investitionsstrategien

Eine neue Studie des BAFU (2016) zeigt, dass sich in Finanzanlagen gebundene Emissionen um 10 bis 90 Prozent verringern liessen. Schon heute gibt es klimafreundliche Indizes, die entsprechende Strategien umsetzen. In zehn von elf untersuchten Fällen erwies sich die Rendite als höher. Ein besseres Rendite-Risiko-Verhältnis erzielen acht der elf klimafreundlichen Strategien gegenüber ihrem konventionellen Vergleichsindex.

Neben der Emissionsintensität dürften sich Investoren auch dafür interessieren, welche Zukunftspläne die Unternehmen haben, in welche sie investiert sind. Für Unternehmen in klimarelevanten Sektoren gibt es neue Modelle zur Bestimmung der Klimaverträglichkeit. Die Untersuchung liefert Indizien, dass sich mit Strategien, die auf solchen Klimaverträglichkeitsmodellen beruhen, ebenfalls marktkonforme Renditen erzielen lassen.

 


Klimaverträgliche Finanzflüsse

Klimaverträglich sind Investitionen und Finanzierungen, wenn sie mit dem international vereinbarten Klimaziel, die globale Erwärmung unter 2 Grad zu halten, übereinstimmen. Studien des BAFU haben gezeigt, dass das heutige Investitionsverhalten eine Erwärmung von 4-6°C unterstützt. Um dies zu ändern, müssen genügend Finanzmarktakteure gewillt sein, einen effektiven Klimazielbeitrag zu leisten und entsprechende Strategien zu verfolgen. Dies bedingt, dass Informationen zu den Klimaauswirkungen von verschiedenen Geldanlagen, Unternehmensbeteiligungen und -finanzierungen systematisch erhoben werden.


Bund unterstützt standardisierte Messmethoden

Noch hat sich kein international vergleichbarer Standard zur Messung der Klimaverträglichkeit etabliert. Die Aussagekraft der bestehenden Angebote unterscheidet sich je nach Messmethode. Einen guten Überblick über unterschiedliche Herangehensweisen für Klimatransparenz im Finanzmarkt gibt der Bericht «Trails for Climate Disclosure» des internationalen Think Tanks 2° Investing Initiative.

Der Bund unterstützt die internationalen Bestrebungen zur Entwicklung standardisierter Messgrössen. Dadurch kann auch die Öffentlichkeit ein einheitliches Bild der indirekten Wirkungen von Finanzierungen und Investitionen auf das Klima erhalten. Auch Bestrebungen der Branche, den Schweizer Finanzplatz in eine nachhaltige Richtung zu bewegen, werden vom Bund unterstützt.

Konkret bietet das BAFU 2017 allen Schweizer Pensionskassen und Versicherungen die Möglichkeit, freiwillig und kostenlos ihre Aktien- und Unternehmensanleihen auf deren Klimaverträglichkeit testen zu lassen. Diese Pilottests werden mit einem Modell durchgeführt, das insbesondere durch Forschungsmittel der EU erarbeitet und bereits von über 100 Investoren getestet wurde. Nach Fertigstellung solle es als nicht-lizenziertes Modell unentgeltlich zur Verfügung stehen.


Risiken des heutigen Investitionsverhaltens

Klimaauswirkungen wie Überschwemmungen und Hitzeperioden können Vermögenswerte tangieren (physische Klimarisiken). Werden weltweit Massnahmen (bspw. eine CO2-Abgabe) ergriffen, die den Verbrauch fossiler Energien einschränken oder direkt verteuern, verlieren betroffene Firmen an Wert (Transitionsrisiken). Ein Bericht von PRI, Global Compact und UNEP-FI hält fest, dass der Einbezug von Langzeitrisiken wie dem Klimawandel zu den treuhänderischen Pflichten von Investoren gehört. Werden diese nicht beachtet, könnten bei Schäden durch den Klimawandel Forderungen an Investoren gestellt werden (Haftungsrisiken).


Nationale und internationale Bestrebungen

In Frankreich sind institutionelle Vermögensbesitzer ab 2017 verpflichtet, über die Klimaverträglichkeit ihrer Finanzanlagen und ihre Klimastrategien zu berichten. Schweden ist mit staatlichen Empfehlungen besonders aktiv und die Aufsichtsbehörde der englischen Zentralbank warnt vor potenziellen Haftpflichtrisiken für Verwaltungsräte im Finanz- und Versicherungssektor.

Die G20 haben unter dem chinesischen Vorsitz 2016 eine "Green Finance Study Group" ins Leben gerufen. Das Financial Stability Board FSB hat eine von der Industrie geleitete Task Force on Climate-related Financial Disclosures eingesetzt, die Empfehlungen für die freiwillige Offenlegungen von klimabezogenen Finanzrisiken erarbeitet. Diese Arbeiten werden vom Staatssekretariat für internationale Finanzfragen SIF begleitet.

2014 wurde der Verband Swiss Sustainable Finance gegründet, mit dem Ziel, durch Information und Bildung die Stellung der Schweiz im weltweiten Markt für nachhaltige Finanzen zu stärken. Zudem lancierte  das Umweltprogramm der UNO (UNEP) 2014 die „UNEP Inquiry into the Design of a Sustainable Financial System". Im Bereich Sustainable Finance unterstützte das BAFU die UNEP Inquiry finanziell und inhaltlich.


Kontakt: climate@bafu.admin.ch
Zuletzt aktualisiert am: 08.11.2016

Ende Inhaltsbereich

Volltextsuche

Studien

 PDF

CSSP – Center for Social and Sustainable Products; South Pole Group, im Auftrag des BAFU
08.11.2016 | 1278 KB | PDF
 PDF

CSSP – Center for Social and Sustainable Products; South Pole Group, im Auftrag des BAFU
23.10.2015 | 1746 KB | PDF
 PDF

2°Investiting Initiative, unterstützt durch das BAFU, 2016 (English)
08.11.2016 | 2626 KB | PDF
 PDF

2°Investiting Initiative, unterstützt durch das BAFU, 2016 (English)
10.06.2016 | 1294 KB | PDF
 PDF

2°Investiting Initiative, unterstützt durch das BAFU, 2016 (English)
10.06.2016 | 1699 KB | PDF

Berichte

Parlamentarische Geschäfte

Weitere Informationen



http://www.bafu.admin.ch/klima/13877/16632/index.html?lang=de