Zum Hauptinhalt springen

Veröffentlicht am 7. April 2011

April 2011: Trockenheit führt zu tiefen Wasserständen

Sonne, Wärme und Trockenheit – was die Menschen geniessen, führt an Schweizer Seen und Flüssen und beim Grundwasser zu niedrigen Wasserständen und Abflüssen. Der Bielersee zum Beispiel war anfangs April noch nie so tief wie jetzt.

24 Grad und Sonnenschein - so sommerlich gestaltete sich das vergangene Wochenende. Und laut Prognosen der MeteoSchweiz geht es auch in den nächsten Tagen warm und trocken weiter. Viele Sonnenhungrige zieht es ans Wasser. Vielleicht erinnert sich die eine oder der andere daran, dass diese Kiesbänke an Flüssen und Seen nicht jedes Jahr im Frühling sichtbar oder zugänglich sind.

Unterdurchschnittliche Wasserstände in der Westschweiz

Eigentlich ist es ein natürliches saisonales Phänomen, dass in dieser Jahreszeit die Flüsse wenig Wasser führen und sich die Seepegel auf einem tiefen Niveau befinden. Allerdings werden zurzeit gerade an den Westschweizer Seen und bei einigen grösseren Flüssen wie der Aare Wasserstände gemessen, die für diese Saison aussergewöhnlich tief sind.

Insbesondere die Jurarandseen weisen Wasserstände weit unterhalb des langjährigen Monatsmittels auf: Beim Murten-, Neuenburger- und Bielersee wurden für anfangs April sogar neue Rekordwerte seit 1983 verzeichnet. Am Sonntag 3. April wurde am Bielersee ein Wasserstand von nur gerade 429.02 m ü. M. registriert. Dieser Wert ist somit 10 Zentimeter tiefer als der bisher tiefste gemessene Wert an einem 3. April von 429.12 m ü. M., der im Jahr 1993 gemessen wurde. Im langjährigen Durchschnitt beträgt der Pegel am Bielersee im April 429.41 m ü. M.

Auch die Grundwasserstände und Quellschüttungen sind im Mittelland und Jura aufgrund der Trockenheit seit Jahresbeginn tiefer als üblich.

Niederschlagsdefizit seit Jahresbeginn

Der Winter 2010/2011 war mild und vor allem in den Alpen herrschte ein massives Niederschlagsdefizit, was sich auch in den geringen Schneehöhen widerspiegelte. Seit Jahresbeginn fielen gemäss Angaben der MeteoSchweiz im Wallis, im Mittelland und im Jura stark unterdurchschnittliche Niederschlagsmengen.

Überdurchschnittlich waren die Sonnenstunden und Temperaturen nördlich der Alpen. Das Mittelland und der Jura erhielten eineinhalb Mal so viel Sonne wie sonst im März. Im Jura ist schon fast die gesamte Schneedecke weggeschmolzen, zumal die Schneehöhen in diesem Jahr sehr gering ausfielen.

Vermag die Schneeschmelze zu kompensieren?

In den Alpen vermag die Schneeschmelze die vorherrschende Trockenheit teilweise zu kompensieren. Aus diesem Grund weisen die Seen im Berner Oberland vergleichsweise höhere Pegel auf als die Jurarandseen. Da genügen auch die vom Schnee gespeisten Flüsse aus den Alpen nicht, um die Seespiegel des Murten-, Neuenburger- und Bielersees wieder auf das übliche Niveau anzuheben. Die Zuflüsse in die Seen des Berner Oberlands waren anfangs Woche gering, so dass nur wenig Wasser aus dem Thunersee floss.

Bedingt durch das warme Wetter und die niedrigen Wasserstände, sind auch die Wassertemperaturen in den kleineren Fliessgewässern angestiegen. Mit rund 12° C liegen diese teilweise über den langjährigen Mittelwerten für anfangs April. Die Entwicklung der Temperaturen und auch der Wasserstände ist stark abhängig vom weiteren Witterungsverlauf im Frühling. Vorhersagen für die Wassertemperaturen im Sommer lassen sich daraus daher nicht ableiten.

Wann steigen die Pegel wieder an?

Damit die Wasserstände in Flüssen, Seen und im Grundwasser wieder ein durchschnittliches Niveau erreichen, bräuchte es mehrere Tage anhaltende Niederschläge. Erst dann wird der Regen abflusswirksam. Einzelne starke Niederschläge oder Gewitter wie anfangs dieser Woche sind zwar wichtig für die Vegetationsentwicklung oder die kurzfristige Minderung der Waldbrandgefahr, das Wasser wird aber auch in den trockenen Böden festgehalten oder verdunstet durch das warme Wetter rasch wieder.

Allerdings sieht es in den nächsten Tagen nicht nach Regen aus. Laut MeteoSchweiz bleibt das sonnige, warme und trockene Frühlingswetter in der nächsten Woche mit hoher Wahrscheinlichkeit erhalten. Die aussergewöhnlich tiefen Wasserstände somit auch. Die Kiesbänke werden also am kommenden Wochenende wiederum zum Geniessen einladen.

Aktuelle Daten im Internet

Das BAFU beobachtet und misst die Wasserstände an Schweizer Fliessgewässern und Seen sowie des Grundwassers. Die Daten sowie das hydrologische Bulletin und das Grundwasserbulletin werden laufend aktualisiert und im Internet publiziert. Für Aussagen bezüglich der Trockenheit im Sommer ist es noch zu früh.