Bodenbiologie
Regenwürmer, Pilze, Käfer, Mykorrhiza, Bakterien – zwei Drittel der grossen Vielfalt von Lebewesen auf der Erde leben im Boden. Die Bodenbiologie ist ein komplexes, in vielen Bereichen noch nicht vollständig erforschtes System. Das BAFU verfolgt zwei übergeordnete Ziele: Einerseits dient die Bodenbiologie als Indikator für die Bodenfunktionen, da sehr viele im Boden ablaufende Prozesse direkt oder indirekt von der Bodenbiologie abhängig sind und Lebewesen schnell auf Veränderungen reagieren. Andererseits erarbeitet das BAFU die notwendigen Grundlagen, um biologische Belastungen des Bodens (bspw. durch Neobiota wie den Japankäfer) zu erkennen und zu reduzieren.
Pflanzenkohle in der Schweizer Landwirtschaft – Risiken und Chancen für Boden und Klima
Pflanzenkohle entsteht durch Verkohlung pflanzlicher Biomasse, in der durch die Photosynthese CO₂ aus der Luft eingebunden ist. Sie hat das Potenzial, Kohlenstoff (C) langfristig zu speichern. Im Boden eingebrachte Pflanzenkohle kann so genannte negative Emissionen generieren. Das Faktenblatt «Pflanzenkohle in der Schweizer Landwirtschaft – Risiken und Chancen für Boden und Klima» legt den Stand der Wissenschaft zum Einsatz von Pflanzenkohle in der Schweizer Landwirtschaft dar und zeigt die derzeitigen Vorgaben zu deren Umgang auf. Das Faktenblatt wird herausgegeben vom Bundesamt für Umwelt (BAFU), vom Bundesamt für Landwirtschaft (BLW) und von der Arbeitsgruppe Interventionswerte und Risikobeurteilung (AGIR) des Cercle Sol.
Es liegt nun in der zweiten, aktualisierten Ausgabe vor. Aktualisierungen wurden beispielsweise aufgrund geänderter rechtlicher Rahmenbedingungen zum Umgang mit Pflanzenkohle sowie aufgrund von Ergebnissen von zuletzt durchgeführten Studien vorgenommen.
Bodenbiologie als Indikator
Bodenorganismen reagieren wie alle Lebewesen auf Umwelteinflüsse. Dadurch kann die Bodenbiologie als integraler Indikator für Bodenfruchtbarkeit und Bodenfunktionen dienen, da sie den Gesamtzustand eines Bodens abbilden kann. Die Herausforderung liegt jedoch in der Komplexität des Lebensraums Boden. Mit Hilfe der biologischen Aktivität, der bakteriellen Biomasse und der Gesamtdiversität können erste Aussagen zu verschiedenen Standorten getroffen- und ihre Artenzusammensetzungen und biologische Aktivität eingeschätzt werden. In naher Zukunft werden ausserdem Methoden vorliegen, um das funktionelle Potential der Bodenbiologie zu beurteilen – also wie gut das Bodenleben an einem Standort beispielsweise zur Speicherung von Kohlenstoff beitragen kann. Viele Auswirkungen auf die Bodenbiologie sind jedoch noch unbekannt und müssen weiter erforscht werden, so wie z.B. die Auswirkung von Pflanzenkohle.
Bodenbiologie als Belastung
Biologische Bodenbelastungen sind Belastungen durch gentechnisch veränderte, krankheitserregende oder standortfremde und invasive Lebewesen. Die damit einhergehenden Änderungen in der Artenzusammensetzung haben Auswirkungen auf die von der Bodenbiologie bereitgestellten Prozesse und deren Effizienz, weshalb auch bodenbiologische Belastungen Bodenfruchtbarkeit und Bodenfunktionen beeinträchtigen können. Ein zentraler Aspekt sind invasive Organismen, welche weltweit der zweitwichtigste Grund für Artenrückgang und Biodiversitätsverlust sind und auch vor den Bodenlebewesen nicht Halt machen.
Faktenblätter Bodenlebewesen
Die Amöbe züchtet sich ihre Beute gleich selbst: Wenn sie sich an Bodenbakterien labt, fördert sie gleichzeitig deren Wachstum. Dabei setzt sie die in den Bakterien gebundenen Stickstoffe wieder frei und versorgt so die Pflanzen mit Dünger.
Fachgruppe Vollzug Bodenbiologie (VBBio)
Kantonale Bodenschutzfachstellen und das BAFU haben 1995 die Fachgruppe Vollzug Bodenbiologie (VBBio) gebildet. Diese widmet sich hauptsächlich Fragen der vollzugsorientierten Bodenbiologie.