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Veröffentlicht am 29. Januar 2026

Unsere Fische: Vielfalt schafft Vielfalt

Die Schweiz – ein Hotspot der Fischvielfalt! Die neueste Forschung zeigt auf, wie gross der Reichtum an einheimischen, weltweit einmaligen Arten tatsächlich ist. Zugleich tritt deutlich ans Licht, dass viele Arten bedroht oder bereits ausgestorben sind. Das neue Wissen über «unsere» Fische eröffnet Möglichkeiten, wie wir sie sinnvoll und effizient schützen können.

Elritzen Wales

In den vergangenen Jahren lief enorm viel in der Artenbestimmung der Schweizer Fischwelt. Forschende untersuchten Seen, Flüsse, Bäche und Archive intensiv, oft vom BAFU gefördert.

Mehrere wissenschaftliche Studien haben den Blick auf unsere Gewässer und deren Bewohner geschärft. Sie geben einen aktuellen und spannenden Überblick über Fragen wie: Welche Fischarten gibt es in der Schweiz? Welche Lebensräume besiedeln sie, wie leben sie und gemeinsam mit wem?

Die Untersuchungen zeigen: Unsere Fischwelt ist so vielfältig wie die Schweiz selbst! Und auch heute noch werden Überraschungen und Kuriositäten entdeckt.

Verborgen, verkannt, verloren

Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler gehen von mehr als 120 einheimischen oder gebietsfremden Fischarten in den Schweizer Gewässern aus. Knapp die Hälfte von diesen war 2019 wissenschaftlich noch nicht oder falsch beschrieben. Und weitere Arten könnten noch entdeckt oder bestimmt werden.

Die Forschungsergebnisse zeichnen ein erfreuliches Bild, wie einzigartig und einzigartig vielfältig die Schweizer Fischwelt ist. Doch gibt es keinen Grund zur Entwarnung, denn parallel zu den Entdeckungen steht der Fischreichtum weiter unter starkem Druck. Viele Arten gibt es seit Tausenden Jahren, doch der Mensch nimmt sie erst wahr, wenn sie bereits stark bedroht oder schon ausgestorben sind.

Gemäss der Schweizer Roten Liste sind ein Drittel aller endemischen Fischarten – das heisst, sie kommen weltweit nur in einem begrenzten Gebiet vor – bereits ausgestorben; drei Viertel der verbleibenden sind gefährdet. Die Rote Liste bildet die Situation nur unvollständig ab: Viele der zuletzt beschriebenen Arten sind noch nicht erfasst. Die neuesten Erkenntnisse festigen jedoch das Gesamtbild über die bedrohten oder bereits verschwundenen Fischarten

Genau hinschauen lohnt sich

Groppe und Auge

Die Entdeckungen der letzten Jahre eröffnen neue Einblicke in die Schweizer Fischwelt. Dies ist möglich, weil die Forschenden die Möglichkeit hatten, die Gewässer systematisch zu befischen, Fänge genau und mit neuen Methoden zu betrachten und bestehende Daten und Archive zu durchstöbern.

Neuere Genanalyse-Methoden halfen die Artenstrukturen besser zu verstehen, deckten neue Familienmitglieder auf oder entlarvten falsche Verwandte. Auch fanden Fachleute in Archiven bereits ausgestorbene, bislang unbekannte Fischarten.

Vergleiche mit Forschungsdaten über die Fischvielfalt in ganz Europa deckten Schweizer «Spezialisten» auf. Besonders in den offenen und tiefen Gewässern der Seen, aber nicht nur, stiessen die Forschenden auf weltweit einzigartige Fischarten.

Aus 1 mach 34 mach 24

Einer Revolution gleich kommt die neue Sicht auf die Felchen (Coregonus). Sie spielen eine zentrale Rolle im Seeökosystem und sind als einheimischer Speisefisch äusserst beliebt. Fachleute beschrieben nun wissenschaftlich, was vielen Fischerinnen und Fischern bereits lange bekannt war: Dass nämlich in vielen Seen einzigartige, an die dortigen Verhältnisse spezialisierte Felchen leben.

Die Forschenden haben unterdessen mindestens 34 endemische Arten in der Schweiz benannt; weitere könnten hinzukommen. Zehn dieser Arten fanden sie jedoch nicht in den Seen, sondern nur noch in Archiven – wie etwa in der Steinmann-Sammlung. Die traurige Erkenntnis davon ist, dass knapp ein Drittel der Schweizer Felchenarten bereits ausgestorben ist.

Die Felchen nehmen eine zentrale Rolle für die weltweit einzigartige Vielfalt der Schweizer Seen ein. Spitzenreiter mit den meisten endemischen Arten ist der Thunersee, gefolgt vom Vierwaldstättersee und vom Bodensee/Obersee. Den Unterschied macht jeweils die besonders hohe Zahl einzigartiger Felchen-, Seesaiblings- oder Groppenarten in diesen Seen.

In den letzten Jahren wurden zahlreiche Fischarten neu beschrieben. Die folgende Bildserie zeigt einige der neusten Entdeckungen:

Auch die Schweiz hat eine «Tiefsee»

Einige der grossen Schweizer Seen sind im europäischen Vergleich sehr tief. Die Bedingungen in grosser Tiefe, wie kalte Temperaturen, eingeschränktes Futterangebot oder Dunkelheit stellen das Leben dort vor Herausforderungen.

Dennoch haben sich einige Arten auf diesen Lebensraum spezialisiert. In der Schweizer «Tiefsee» finden sich überdurchschnittlich viele weltweit einzigartige Fische. Unter diesen entdeckten Forschende zuletzt einige Überraschungen:

Wenn im See die Luft ausgeht

Die Fischforschung in den Schweizer Seen, Flüssen und Bächen deckten einige Überraschungen auf, die der Schweiz den Titel als «Hotspot der Fischvielfalt» bestätigen. Dies darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Vielfalt in den letzten Jahrzenten stark zurückgegangen ist.

Und sie steht weiter unter Druck. Neueste Auswertungen zeigen, dass die Fischbestände vielerorts nicht so sind, wie sie in einem naturnahen Gewässer zu erwarten wären: Es gibt zu wenige Fische oder ihre Artenzusammensetzung ist gestört.

Wieso dies so ist, hat viele Gründe. Verunreinigtes Wasser und nicht naturnahe Lebensräume mit fehlenden Laichplätzen oder schlechtem Nahrungsangebot machen den Fischen das Leben schwer.

In Seen stellt Sauerstoffmangel eine Bedrohung dar, verursacht durch Überdüngung und die schlechte Durchmischung von Wasserschichten. Viele See- und Flussufer bieten Tieren nur verarmte Lebensräume. In Flüssen setzen ebenfalls Verbauungen und auch die Wasserkraft den Fischen zu. Klimawandel und eingeschleppte Tiere und Pflanzen verschärfen die Lage weiter.

Wasserlebewesen unter der Lupe

Seen

Jedem Tierchen sein Pläsierchen

Verschiedene Fischarten haben teils sehr unterschiedliche Ansprüche. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler arbeiten weiter daran, bestehende Wissenslücken über unsere reichhaltige Fischwelt zu schliessen. Von den bedrohten und ausgestorbenen Arten zu lernen, heisst, andere Arten mit ähnlichen Bedürfnissen besser zu verstehen.

Die Ursachen für die Bedrohung der Fischvielfalt sind ausschliesslich menschgemacht. Damit das neue Wissen hilft, muss es in Regeln und Massnahmen für sauberes Wasser, naturnahe Gewässer sowie eine nachhaltige Fischerei einfliessen. Eine möglichst präzise Arterkennung und vertiefte Kenntnisse bilden die Grundlage, um unsere bedrohten Fische mit möglichst passenden Massnahmen zu erhalten und zu fördern – damit sie nicht gänzlich von der Welt verschwinden.

Das BAFU hat unter anderen folgende Forschungsprojekte und wissenschaftliche Studien zur Schweizer Fischvielfalt unterstützt:

Progetto fiumi: 
Eawag - Swiss Federal Institute of Aquatic Science and Technology

Project Lac:
Eawag - Projet Lac

Felchenbericht:
Nachhaltiges Fischereimanagement

NAWA TREND Biologie 2023:
Wasserlebewesen unter der Lupe

Projekte der Wyss Academy for Nature zu Fischartenvielfalt und Anpassung an Klimawandel
Eawag - Den Biodiversitätsverlust der Gewässer stoppen – trotz Klimawandel

Wiederansiedlungsprojekt Atlantischer Lachs Schweiz:
Nachhaltiges Fischereimanagement

Schweizer Seeforellenprojekt:
Eawag - Schweizer Seeforellenprojekt