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Veröffentlicht am 19. Januar 2026

Kreislaufwirtschaft verstehen

Ziel einer Kreislaufwirtschaft ist es, Ressourcen schonend zu nutzen. Dabei geht es um mehr als Recycling, denn es ist ein ganzheitlicher Ansatz. Kreislaufwirtschaft hat den gesamten Lebenszyklus von Produkten und Materialien im Blick: von der Rohstoffgewinnung über Design zu Produktion und Distribution eines Produkts, dessen möglichst langer Nutzung bis hin zum Recycling der Materialien. Damit Produkte und Materialien in diesem Kreislauf verbleiben, braucht es ein Umdenken aller Akteur:innen.

Die lineare Wirtschaft beruht auf einem Prozess, der Ressourcen entnimmt, Produkte herstellt und Abfall erzeugt. Das führt zu Rohstoffverknappung, Emissionen, grossen Abfallmengen und damit verbundenen Umweltbelastungen.

Die Kreislaufwirtschaft will die Auswirkungen unseres Ressourcenverbrauchs auf die Umwelt reduzieren: auf Klima, Böden, Wasser, Luft und Biodiversität. Darum stehen ein bewusster Verbrauch und eine möglichst effiziente und lange Nutzung im Zentrum. Bei der Verlängerung des Lebenszyklus von Materialien und Produkten helfen verschiedene Strategien.

(Akkordeon) Definition Ressourcen Der Begriff «Ressourcen» meint an dieser Stelle «natürliche Ressourcen» und schliesst sowohl Rohstoffe ein als auch das Klima, den Boden, sauberes Wasser, saubere Luft und die Biodiversität. Unter Rohstoffen sind z. B. Mineralien, fossile Rohstoffe und Metalle sowie Erzeugnissen aus der Forst- und Agrarwirtschaft zu verstehen.

Ziele der Kreislaufwirtschaft

Ressourcen schonen durch …

  • … lange Nutzung von Materialien und Produkte
  • … Senken des Energieverbrauchs
  • … Einsatz erneuerbarer Energien
  • … Verwendung nachhaltiger, nicht giftiger Rohstoffe
  • … bewussten Konsum

Kreislaufwirtschaft setzt an, bevor Ressourcen überhaupt benötigt werden. Am Anfang stehen Fragen wie diese: Braucht es ein neues Produkt? Kann ein Bestehendes wiederverwendet oder wiederaufbereitet werden? Braucht es für das Produkt neue Rohstoffe oder können sie aus einem bestehenden Produkt zurückgewonnen werden?

Um gewohnte Prozesse neu zu denken, gibt es die zirkulären Strategien.

Strategien der Kreislaufwirtschaft

Ökodesign – Produkte neu denken: Wie lässt sich ein Produkt so gestalten, dass es einfach zu reparieren ist und Materialen wieder verwendet werden können?

Das Ziel der Ressourcenschonung wird systematisch und von Beginn an in Planung, Entwicklung und Gestaltung von Produkten einbezogen. So können Kosten gespart und die Umwelt geschont werden.

Produkte im Kreislauf halten – teilen, wiederverwenden, reparieren und wiederaufbereiten

Um Produkte ausgiebig nutzen und so lange wie möglich am Leben halten zu können, bieten sich die vier folgenden zirkulären Strategien an.

  • Teilen: Produkte zusammen mit anderen nutzen, entweder indem sie für den Gebrauch gemietet oder anderen zur Verfügung gestellt werden (z.B. Bibliothek, Carsharing, Sportausrüstung mieten, Werkzeuge ausleihen oder der Maschinenring in der Landwirtschaft)
  • Wiederverwenden: Produkte am Ende eines persönlichen Nutzungszyklus anderen Nutzenden zur Verfügung stellen (z. B. Kleidung weitergeben oder Gebrauchsgegenstände über Tauschbörsen, Onlineplattformen und Brockenstuben weiterverkaufen sowie Verpackung wiederverwenden)
  • Reparieren: defekte Produkte wieder funktionstüchtig machen (z. B. Waschmaschine reparieren oder Schuhe neu besohlen)
  • Wiederaufbereiten: veraltete und abgenutzte Produkte wieder Instand setzen oder Teile davon weiter nutzen (z. B. Sitzkissen des Bürostuhls neu polstern, Tisch abschleifen, Batterie ersetzen, Laptop auf den neusten technologischen Stand bringen).

Aus Umweltsicht ist es fast immer besser, Produkte möglichst lange zu nutzen, da auch Recycling wegen des Verbrauchs von Energie, Wasser oder Chemikalien umweltbelastend ist.

Materialien im Kreislauf halten: Recycling

Erst wenn sich ein Produkt nicht mehr länger nutzen lässt, wird es dem Recycling zugeführt, um das Material weiterverwerten zu können. Materialien sollten in einer Kreislaufwirtschaft idealerweise sortenrein gesammelt und recycelt werden.

Nicht jede Strategie ist in jedem Kontext ökologisch sinnvoll. So kann Recycling und die Aufbereitung gewisser Materialien mit den heutigen Technologien einen höheren Ressourcen- und Energieverbrauch verursachen als die Verwendung von Primärrohstoffen. Was ökologisch tatsächlich Sinn macht, kann in der Kreislaufwirtschaft mittels Ökobilanzen evaluiert werden.

Ökologische, ökonomische und gesellschaftliche Vorteile

Kreislaufwirtschaft hat das Potential, ökologischen, gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Herausforderungen zu begegnen.

  • weniger Bedarf an knapp werdenden oder schwer zugänglichen Rohstoffen
  • weniger Emissionen (z. B. Treibhausgase, Giftstoffe, etc.), und dadurch Schutz von Klima, Biodiversität, Böden, Wasser und Luft
  • weniger Abfall
  • mehr Wertschöpfung im Inland (z. B. Arbeitsplätze)
  • weniger globale Abhängigkeit und mehr Resilienz der Schweizer Wirtschaft
  • gesunde Lebensgrundlage erhalten

Kreislaufwirtschaft schont also nicht nur die Umwelt, sondern auch – betrachtet über einen längeren Zeitraum – das Portemonnaie von Unternehmen und Konsument:innen. Sie eröffnet neue Möglichkeiten für Innovation und Nachfrage an Qualität – zwei Kernkompetenzen der Schweizer Wirtschaft. In Zeiten von Unsicherheiten und Lieferengpässen kann Kreislaufwirtschaft die Importanhängigkeit der Schweiz verringern.