Kunststoffe
Der Verbrauch von Kunststoffen steigt an, damit entstehen auch immer mehr Kunststoffabfälle. Die öffentliche Hand prüft zusammen mit Kunststoffherstellern und der Abfallwirtschaft sowie dem Detailhandel, welche Verwertungs- und Entsorgungsoptionen ökologisch und ökonomisch zweckmässig sind. Die stoffliche Verwertung von Kunststoffabfällen soll einen ökologischen Mehrwert bringen und finanziell tragbar sein.
In der Schweiz werden jährlich etwa eine Million Tonnen Kunststoffe verbraucht - das sind 120 Kilogramm pro Kopf (Referenzjahr 2017). Jährlich entstehen rund 790‘000 Tonnen Kunststoffabfälle, davon war fast die Hälfte weniger als ein Jahr im Einsatz, z.B. als Verpackungen. Kunststoffabfälle werden zu rund 83 % (660‘000 Tonnen) in Kehrichtverbrennungsanlagen und rund 2 % (10'000 Tonnen) in Zementwerken energetisch verwertet. Rund 9 % (70‘000 Tonnen) werden zu Rezyklaten (stoffliche Verwertung) verarbeitet. Die restlichen 6 % (50'000 Tonnen) der Kunststoffabfälle werden wiederverwendet, beispielsweise Textilien. Da die Schweiz im Gegensatz zu vielen anderen Ländern bereits seit dem Jahr 2000 keine brennbaren Abfälle mehr deponiert, müssen alle Kunststoffabfälle umweltverträglich stofflich oder energetisch verwertet werden. Beim Recycling von Kunststoffen besteht jedoch noch Potenzial zur besseren Schliessung von Stoffkreisläufen.
Ökologische Beurteilung
Kunststoffe kommen aufgrund ihrer vielseitigen Eigenschaften in unterschiedlichsten Produkten zur Anwendung (Kleidung, Verpackungen, Fahrzeuge etc.). Zum einen befinden sich Kunststoffe in sehr langlebigen Anwendungen (z.B. Baumaterialien, Fahrzeuge), zum anderen werden sie für kurzlebige Produkte eingesetzt, die nach einmaligem Gebrauch gleich wieder entsorgt werden (z.B. Takeaway-Verpackungen oder Plastikbesteck).
Bei der Herstellung von Produkten stellt sich oft die Frage, ob Kunststoffe oder alternative Materialien verwendet werden sollen. Die diesbezügliche Entscheidung sollte auf Ökobilanzen basieren, welche die Umweltbelastung eines Produktes über den gesamten Lebenszyklus betrachten. Entgegen der verbreiteten Wahrnehmung sind Kunststoffe aus der Sicht von Ökobilanzen oft effiziente Werkstoffe, so belasten beispielsweise Versandhüllen von Zeitschriften aus Kunststoff die Umwelt tendenziell weniger als Papiercouverts.
Das BAFU fördert die Kreislaufwirtschaft. Im Sinne einer Verbesserung der Schliessung von Stoffkreisläufen ist es wichtig, Entsorgungsfragen bereits bei der Herstellung des Produktes anzugehen. Design for Recycling und Ecodesign sind hierzu nur zwei Stichworte. Weiter ist Abfallvermeidung ein wichtiges Thema, denn der umweltschonendste Abfall ist derjenige, der gar nicht erst entsteht.
Kunststoffabfälle: energetisch verwerten oder rezyklieren?
Das System des Kunststoffrecyclings umfasst nicht nur den Prozess der stofflichen Verwertung der Kunststoffe, sondern auch die vorgelagerten Stufen wie die separate Sammlung von Kunststoffabfällen, deren Transport, Lagerung und Handling. Ein tragfähiges Recyclingsystem muss sowohl einen ökologischen Vorteil gegenüber der energetischen Verwertung in einer Kehrichtverbrennungsanlage oder einem Zementwerk und der Verwendung von Primärrohstoffen erbringen, als auch wirtschaftlich betrieben werden können. Für den wirtschaftlichen Betrieb muss ein gegenüber Preisschwankungen robuster Markt für den Recyclingkunststoff existieren und eine nachhaltige Finanzierung des Systems sichergestellt sein.
Ob das Recycling von Kunststoffabfällen ökologische Vorteile gegenüber einem anderen Verwertungsweg hat, hängt von vielen verschiedenen Faktoren ab. Gemäss der Abfallhierarchie in Artikel 30d Umweltschutzgesetz ist das Recycling von Kunststoffen der energetischen Verwertung vorzuziehen, da dabei die sogenannte graue Energie, d.h. die zur Herstellung des Kunststoffs benötigte Energie, nicht verloren geht. Im Einzelfall hängt der Erfolg des Systems jedoch von der Qualität des Sammelgutes (Homogenität und Reinheit), der Effizienz der Sammlung (ausgebaute Sammelstellen/ -infrastruktur/ -logistik), der Qualität der stofflichen Verwertung sowie der Marktfähigkeit des Rezyklats ab. Der Umweltnutzen des Kunststoffrecyclings wird daher nicht nur allein von den Sammelmengen und -quoten bestimmt, die Qualität des Sammelgutes hat einen ebenso grossen Einfluss. Daher sollte bei der Optimierung von Recyclingsystemen all diesen Aspekten Rechnung getragen werden.
Recycling von Kunststoffabfällen aus Industrie und Gewerbe
Industrie, Gewerbe und Landwirtschaft verbrauchen oft grosse Mengen an Kunststoffen, die nach Gebrauch in der Regel in grösseren Mengen, sortenrein sowie zum Teil unverschmutzt (z.B. Wickelfolien von Paletten) anfallen. Derartige Abfälle eignen sich in der Regel gut für das Recycling. Dieses Potenzial wird aber erst teilweise ausgeschöpft. Beispielsweise werden erst knapp ein Viertel der PE-Folien aus Industrie, Gewerbe und Landwirtschaft rezykliert.
Es ist primär Pflicht der Branche, ihre Abfallentsorgung im Sinne der Schliessung von Stoffkreisläufen zu optimieren.
Recycling von Kunststoffabfällen aus Haushalten
Viele Konsumentinnen und Konsumenten möchten ihre Kunststoffabfälle dem Recycling zuführen und daher vermehrt Kunststoffabfälle getrennt sammeln. Neben der seit den 1990er-Jahren etablierten und sehr erfolgreichen Sammlung von PET-Getränkeflaschen haben die Detailhandelsgeschäfte in der Schweiz auch separate Sammlungen von Kunststoffflaschen mit Deckel (z.B. Milch- und Shampoo-Flaschen) eingeführt. Ausserdem verbereitet sich laufend das Angebot an gemischten Kunststoffsammlungen aus Privathaushalten und dem Kleingewerbe, welches von verschiedenen Anbietern auf privater Basis angeboten wird.
Die verschiedenen Separatsammlungen reduzieren die Umweltbelastung, welche durch die Entsorgung von Kunststoffabfällen entsteht. Verbessertes Produktedesign und neue Sortier- und Recyclingtechnologien tragen laufend dazu bei, dass die Recyclingraten und die Qualität der Rezyklate erhöht werden können.
Bei den gemischten Kunststoffsammlungen erschweren derzeit die grosse Heterogenität von Kunststoffen und die verschiedensten Zusatzstoffe das Recycling. Nicht für alle Kunststoffarten gibt es ein Verfahren für die stoffliche Verwertung und/oder existiert ein sinnvoller Absatzmarkt. Auch Fremdstoffe in der Sammlung und starke Verschmutzungen der gesammelten Kunststoffabfälle führen zu einer Verminderung der verwertbaren Menge und Qualität des Rezyklats.
Für die Sicherstellung der umweltverträglichen Entsorgung von Siedlungsabfällen sind die Kantone zuständig, die diese Aufgabe meist ihren Gemeinden übertragen. Unter dieses Entsorgungsmonopol fallen auch Kunststoffabfälle aus Haushalten. Die von Privaten angebotenen Separatsammlungen von Kunststoffabfällen aus Haushalten müssen somit von den Kantonen beziehungsweise von den Gemeinden gutgeheissen werden. Zu diesem Zweck hat das BAFU einen Musterkonzessionsvertrag für Gemeinden sowie ein Begleitblatt erarbeitet. Diese Vorlage kann freiwillig von den Gemeinden für Verträge mit privaten Dienstleistern verwendet werden.
Ausblick
Die Rücknahmesysteme und die Technik für das Recycling entwickeln sich weiter und führen dazu, dass laufend mehr Kunststoffabfälle rezykliert werden können. Einerseits werden Kunststoffprodukte zunehmend rezyklierbar gestaltet. Neue Technologien zur Sortierung und Aufbereitung der Kunststoffabfälle eröffnen weitere Möglichkeiten. Andererseits wird die Sammelinfrastruktur für gewisse Kunststoffabfälle stetig ausgebaut. So besteht beispielsweise in vielen Regionen der Schweiz bereits die Möglichkeit, Haushaltsverpackungen aus Kunststoff separat zu sammeln. Auch Siloballen-Folien, die in der Landwirtschaft eingesetzt werden, können zunehmend zur stofflichen Verwertung abgegeben werden.
Das Schweizer Parlament hat mehrere Vorstösse eingereicht, um die Sammlung und Verwertung von Kunststoffen zu fördern (siehe Links). Das BAFU hat nun die Aufgabe, die vom Parlament angenommenen Vorstösse umzusetzen. Hierzu zeigt das BAFU in Berichten und konkreten Massnahmenvorschlägen auf, wie Kunststoffe künftig vermehrt rezykliert werden können (siehe Vernehmlassungsdokumente zur Änderung der Verordnung über Getränkeverpackungen VGV).
