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Kunststoffe

Der Verbrauch von Kunststoffen steigt, damit entstehen auch immer mehr Kunststoffabfälle. Die öffentliche Hand prüft zusammen mit Kunststoffherstellern und der Abfallwirtschaft sowie dem Detailhandel, welche Verwertungs- und Entsorgungsoptionen ökologisch und ökonomisch zweckmässig sind. Die stoffliche Verwertung von Kunststoffabfällen soll einen ökologischen Mehrwert bringen und finanziell tragbar sein.


In der Schweiz werden jährlich etwa 1‘000‘000 Tonnen oder 125 kg Kunststoffe pro Kopf verbraucht (Referenzjahr 2010). Rund 250'000 Tonnen davon gehen als dauerhafte Produkte ins Zwischenlager (z.B. Kunststofffensterrahmen). 780‘000 Tonnen werden als Abfall entsorgt, davon werden über 80% (etwa 650‘000 Tonnen) in Kehrichtverwertungsanlagen und gut 6% in Zementwerken energetisch verwertet. Etwa 80‘000 Tonnen werden stofflich verwertet (d.h. recycelt). Im Gegensatz zu vielen anderen Ländern, werden in der Schweiz bereits seit 2000 keine brennbaren Abfälle mehr deponiert, d.h. die Kunststoffabfälle in der Schweiz werden alle umweltverträglich stofflich oder energetisch verwertet.

Separatsammlung und Recycling

Die Separatsammlung für das Recycling ist der energetischen Verwertung grundsätzlich vorzuziehen. Damit die Separatsammlung von Kunststoffen sinnvoll ist, gilt es jedoch, folgende Voraussetzungen zu beachten:

  • Ökologischer Nutzen im Verhältnis zum ökonomischen Aufwand
  • Gesicherte Nachfrage für die Sekundärrohstoffe (diese unterliegt dem volatilen Rohstoffmarkt)
  • Finanzierung für Sammlung, Transport und Verwertung muss gesichert sein, weil der Verkauf von zurückgewonnen Materialien die Kosten für den Aufbereitungsaufwand oft nicht deckt
  • Gewährleistung von Sauberkeit / Hygiene
  • Reinheit und Homogenität des Sammelguts
  • Lohnenswerte Menge und Ergiebigkeit
  • Klare Information an die Bevölkerung, welche Kunststoffe, bzw. Kunststoffabfälle separat gesammelt werden sollen
  • gut ausgebaute Sammelstellen/ -infrastruktur/ -logistik

Kunststoff ist nicht gleich Kunststoff

Es gibt nicht „DEN“ Kunststoff. Kunststoffe sind sehr heterogen und werden in verschiedensten Bereichen eingesetzt. Kunststoff ist ein äusserst vielseitiger und beliebter Werkstoff. Er vereint viele gefragte und nützliche Eigenschaften: leicht, gut formbar, nicht leitend, vielseitig einsetzbar etc. So eigenen sich auch wegen der grossen Heterogenität von Kunststoffen und verschiedensten Zusätzen nicht alle Kunststoffabfälle für das Recycling.

Sinn und Zweck einer separaten Kunststoffsammlung muss eine qualitativ hochstehende stoffliche Verwertung mit einer hohen Recyclingrate sein. Es soll, verglichen mit einer Entsorgung der Kunststoffabfälle im Kehricht, ein klar erkennbarer ökologischer Nutzen resultieren. Für jene Kunststoffe, für die es keine sinnvolle stoffliche Verwertung gibt, ist die energetische Verwertung die geeignetste Variante.

Für PET-Getränkeflaschen existiert seit langem ein gut funktionierendes Separatsammelsystem. Dieses darf durch eine separate Kunststoffsammlung nicht gefährdet werden. Aus den gesammelten PET-Getränkeflaschen können neue PET-Getränkeflaschen nur aus einer möglichst sortenreinen selektiven Sammlung hergestellt werden. Eine nicht selektive Sammlung von PET-Getränkeflaschen senkt die Qualität dieses Sammelgutes und erschwert bzw. verunmöglicht den Recyclingprozess. Betriebe die PET-Getränkeflaschen verwerten oder zur Verwertung exportieren, müssen dem BAFU Menge, Ort und Art der Verwertung melden. Damit sind die Materialkreisläufe transparent.

Informationen zu Sammlung und Verwertung von PET-Getränkeflaschen:

Kunststoffsammlungen aus Haushalten

Für die Sicherstellung der umweltverträglichen Entsorgung von Siedlungsabfällen sind die Kantone zuständig (Monopol). Diese Aufgabe wird von den Kantonen meist den Gemeinden übertragen. Allfällige Kunststoffsammlungen durch Private müssen somit von den Kantonen beziehungsweise von den mit der Entsorgung beauftragten Gemeinden gutgeheissen werden. Die Organisation Kommunale Infrastruktur (OKI) hat für die Einführung von Kunststoffsammlungen eine Checkliste für Gemeinden entwickelt.

Viele Konsumentinnen und Konsumenten möchten ihre Kunststoffabfälle dem Recycling zuführen. Bei Sammlungen verschiedener Kunststoffabfälle aus Haushalten im selben Sammelstrom (z.B. im selben Sammelsack) kann meist nur rund die Hälfte der Kunststoffe stofflich verwertet, d.h. recycelt werden, wobei die Recyclingrate stark variieren kann. Die Gründe sind folgende:

  • Fremdstoffe in der Sammlung und starke Verschmutzung der gesammelten Kunststoffe: Dies mindert die verwertbare Menge und die Qualität des Rezyklats, bzw. bedingt einen sehr grossen Aufbereitungsaufwand an Energie, Wasser und Waschmittel.
  • Grosse Vielfalt unterschiedlicher Kunststofftypen: Nicht für alle diese Kunststoffe in der Sammlung gibt es ein Verfahren für die stoffliche Verwertung, lohnt sich das Recycling aus technischen oder wirtschaftlichen Gründen und/oder existiert ein sinnvoller Absatzmarkt.

Der Zweck einer Kunststoffsammlung soll eine möglichst hohe stoffliche Verwertungsrate nach dem Stand der Technik sein. Das Ziel soll sein, dass mindestens 70% der separat gesammelten Kunststoffe recycelt werden.

Selektive Sammlungen von Kunststoffen, wie z.B. den meist aus Polyethylen-Kunststoff bestehenden Kunststoff-Flaschen mit Deckel (z. B. Shampoo-Flaschen oder Behälter von Reinigungsmitteln) führen zu einer guten Qualität des Sammelguts und hohen Recyclingraten. Nach der Aufbereitung kann das Rezyklat wieder in der Produktion eingesetzt werden.

Der Detailhandel in der Schweiz bietet aus Eigeninitiative die selektive Sammlung von Kunststoff-Flaschen mit Deckel aus Haushalten flächendeckend an. Er übernimmt die Finanzierung von Sammlung und Verwertung. Dies entspricht dem Grundgedanken, dass Wirtschaft und Handel auf Basis von freiwilligen Massnahmen wirkungseffiziente Sammelsysteme aufbauen. Wichtig ist auch hier, dass eine weitgehend stoffliche Verwertung stattfindet.

Kunststoffe aus Industrie, Gewerbe und Landwirtschaft

Im Gegensatz zu den sehr heterogenen Kunststoffabfällen aus Haushalten, fallen jene aus Industrie, Gewerbe und Landwirtschaft in der Regel in grösseren Mengen, meist homogen (gleicher Kunststofftyp) und zum Teil unverschmutzt (z.B. Wickelfolien von Paletten) an. Sie eignen sich daher oft besser für das Recycling.

Verschiedene Projekte setzen sich für ein vermehrtes Recycling von Folien aus Industrie und Gewerbe sowie Landwirtschaftsfolien ein. Für Kunststoffabfälle aus dem Baubereich existieren ebenfalls verschiedenste Angebote.

Runder Tisch Kunststoff und Studien

Der Runde Tisch Kunststoff Schweiz besteht aus Interessenvertretern von Bund, Kantonen, Städten und Gemeinden, des Detailhandels und der Abfallwirtschaft. Er beschäftigt sich mit der Ökologie und der Ökonomie der Kunststoffverwertung.

 PDF
Projekt «Kunststoff-Verwertung Schweiz»
Bericht Module 1 und 2. Im Auftrag des BAFU
01.03.2011 | 1818 KB | PDF

 PDF
Bericht "Ökologischer Nutzen des PE-Folien-Recyclings Schweiz (Landwirtschaft, Industrie und Gewerbe)"
inkl. Zusammenfassung auf deutsch und französisch
01.01.2012 | 1520 KB | PDF


Kontakt: waste@bafu.admin.ch
Zuletzt aktualisiert am: 12.08.2016

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