Chlorothalonil im Grundwasser
Metaboliten des Fungizids Chlorothalonil belasten das Grundwasser grossflächig mit mehr als 0.1 Mikrogramm pro Liter. In mehr als der Hälfte aller Kantone treten Metaboliten in diesen Konzentrationen auf. Betroffen ist hauptsächlich das landwirtschaftlich intensiv genutzte Mittelland.
Der Pflanzenschutzmittel-Wirkstoff Chlorothalonil wurde seit den 1970er Jahren in der Schweizer Landwirtschaft eingesetzt. Nachdem das BLV 2019 diesen Wirkstoff in Bezug auf eine mögliche Gesundheitsgefährdung neu beurteilt hat, sind die Chlorothalonil-Abbauprodukte (Metaboliten) in den Fokus der Trinkwasserversorgung gerückt. 80 Prozent des Trinkwassers in der Schweiz werden aus Grundwasser gewonnen.
Im Rahmen einer Pilotstudie der Nationalen Grundwasserbeobachtung NAQUA, die das BAFU in enger Zusammenarbeit mit den kantonalen Fachstellen betreibt, wurden im Jahr 2017 erstmals Metaboliten des Pflanzenschutzmittels Chlorothalonil im Grundwasser nachgewiesen. 2018 konnten die Untersuchungen auf weitere Messstellen ausgedehnt werden. Seit 2019 liegt ein landesweiter Datensatz der NAQUA-Messstellen zu dem Chlorothalonil-Metabolit R417888 vor, seit 2020 auch zu Chlorothalonil R471811.
Landesweit mehr als jede vierte Messstelle betroffen
Insgesamt sieben Chlorothalonil-Metaboliten wurden mittlerweile in Konzentrationen von mehr als 0.1 Mikrogramm pro Liter im Grundwasser nachgewiesen: Chlorothalonil R471811, R417888, R419492, R611968, SYN 507900, SYN 548008 und SYN 548580. Insbesondere die beiden Metaboliten R471811 und R417888 verunreinigen das Grundwasser in vielen landwirtschaftlich genutzten Gebieten des Mittellandes grossflächig. Werte von über 0.1 Mikrogramm pro Liter weisen die Kantonen AG, BE, BS, FR, GR, JU, LU, NE, SG, SH, SO, TG, TI, VD, VS, ZG und ZH auf.
Besonders stark ist das Grundwasser durch den Metabolit Chlorothalonil R471811 belastet. Er überschreitet im Mittelland an mehr als 50% der Messstellen den Wert von 0.1 Mikrogramm pro Liter. Landesweit ist mehr als jede vierte Messstelle betroffen.
Der Metabolit Chlorothalonil R417888 tritt im Mittelland an rund 10% der Messstellen mit Werten über 0.1 Mikrogramm pro Liter auf.
Seit 2020 darf Chlorothalonil nicht mehr angewendet werden. Da sich Grundwasser relativ langsam erneuert und die Metaboliten von Chlorothalonil ausgesprochen langlebig sind, ist davon auszugehen, dass diese Verunreinigungen die Grundwasser-Qualität noch während Jahren in grösserem Ausmass beeinträchtigen werden.
Grundwasser-Qualität vor Ort
Alle Daten, die im Rahmen der Nationalen Grundwasserbeobachtung NAQUA erhoben werden, liegen den kantonalen Fachstellen vor. Die betroffenen Wasserversorger sind ebenfalls über die Ergebnisse informiert. Für detaillierte Informationen zur Grundwasser-Qualität vor Ort bzw. in einzelnen Gemeinden sind die kantonalen Fachstellen zuständig. Über die Trinkwasser-Qualität informieren die Wasserversorger die Konsumenten und Konsumentinnen.

