Zum Hauptinhalt springen

Veröffentlicht am 8. September 2025

Kehrichtverbrennungsanlagen (KVA)

Brennbare Abfälle aus Haushalten, Industrie und Gewerbe, die sich nicht zum Recycling eignen, werden in Kehrichtverbrennungsanlagen (KVA) thermisch verwertet. Die freigesetzte Wärme erzeugt Strom und beheizt Gebäude.

Jährlich fallen in der Schweiz rund 4 Millionen Tonnen brennbare Abfälle aus Haushalten, Industrie und Gewerbe an, die nicht rezyklierbar sind. Solche Abfälle wurden im letzten Jahrhundert noch unbehandelt deponiert, was zu umweltbelastenden Emissionen in Luft, Boden, Gewässer und Grundwasser führte. Alternativ dazu wurden Anlagen zur Verbrennung dieser Abfälle entwickelt; die erste nahm bereits 1904 in Zürich den Betrieb auf. Da die frühen Anlagen nur über rudimentäre Einrichtungen zur Rauchgasreinigung verfügten, trugen sie erheblich zu den Luftemissionen bei und erlangten schnell den Ruf als «Dreckschleudern». Mit der Einführung des Umweltschutzgesetzes und den damit verbundenen massgeblichen Verordnungen zu Luftreinhaltung und Gewässerschutz in den 1980er- und 1990er-Jahren, wurden die bestehenden Anlagen grundlegend erneuert oder ersetzt. Die neuen Anlagen sind alle mit einer weitergehenden, effizienten Rauchgas- und Abwasserreinigung ausgerüstet und entsprechen dem Stand der Technik. In dieser Hinsicht stellt die Abfallverbrennung in der Schweiz einen umweltverträglichen Entsorgungsweg für brennbare Abfälle dar und bildet zusammen mit der Separatsammlung und dem Recycling von Abfällen das Rückgrat der Schweizerischen Abfallwirtschaft.

Warum verbrennen wir Abfälle?

Im Sinne der Stärkung der Kreislaufwirtschaft ist es das Ziel der Schweizer Abfallpolitik, mehr Abfälle zu rezyklieren. Für diejenigen Abfälle, die brennbar und aus technischen oder wirtschaftlichen Gründen nicht rezyklierbar sind, ist die Entsorgung durch die thermische Behandlung aus den folgenden Gründen der vorteilhafteste Entsorgungsweg:

  • Die Verbrennungsrückstände werden abgelagert. Das Abfallvolumen wir durch die Verbrennung um rund 90 Prozent reduziert, dadurch wird weniger Deponieraum benötigt.
  • Bei der thermischen Behandlung werden organische Schadstoffe weitgehend zerstört und die übrigen chemisch und physikalisch in den Verbrennungsrückständen fixiert, so dass sie nach der Ablagerung auch längerfristig nicht freigesetzt werden.
  • Aus dem im Abfall enthaltenen Kohlenstoff entsteht bei der Verbrennung Kohlendioxid (CO2), welches weniger klimaschädlich ist als das Methangas (CH4), welches bei der Deponierung von brennbaren Abfällen über Jahrzehnte freigesetzt würde. Zur Erreichung der Klimaneutralität bis 2050 ist geplant, die KVA mit Carbon Capture and Storage (CSS) Systemen auszurüsten. Dadurch sollen die CO2-Emissionen und schädlichen Auswirkungen der Abfallverbrennung auf das Klima massiv reduziert werden.
  • Alle KVA nutzen die Verbrennungswärme zur Produktion von Strom und Fernwärme. Sie trugen 2024 knapp 3% zur Deckung des schweizerischen Gesamtenergieverbrauchs bei.

Rückgewinnung von Metallen aus KVA-Verbrennungsrückständen: ein wichtiger Beitrag an die Kreislaufwirtschaft.

Die Verbrennung in der KVA ist nicht die letzte Station der Abfallbehandlung. Jährlich fallen über 800'000 Tonnen Verbrennungsrückstände aus dem Ofen und der Rauchgasreinigung an, die noch rezyklierbare Metalle enthalten. Durch die Behandlung dieser Verbrennungsrückstände werden jährlich über 60'000 Tonnen Stahlschrott, 6’000 Tonnen Kupfer 17'000 Tonnen Aluminium und sogar 300 Kilogramm Gold zurückgewonnen. Aktuell können ca. 50% der Metalle aus KVA-Schlacke zurückgewonnen werden, der Rest wird zusammen mit den mineralischen Rückständen deponiert. Eine Tagung der BAFU-Abteilung Abfall und Rohstoffe vom 29.9.2023 hatte die Bedeutung der Metallrückgewinnung aus KVA-Verbrennungsrückständen zum Thema. Weitere Informationen dazu finden sie hier:

Metalle aus KVA-Schlacken zurückgewinnen – Eine Branche im Aufbruch

Wieviel KVA-Verbrennungskapazitäten braucht die Schweiz?

Basierend auf dem Umweltschutzgesetz USG sind die Kantone zur Planung der Entsorgung von Abfällen verpflichtet. Im Rahmen dieser Abfallplanung muss die Entwicklung der Abfallmengen prognostiziert und daraus der Bedarf an Abfallbehandlungsanlagen abgeleitet werden. Die Prognostizierung der Abfallmenge ist schwierig, da sie von Faktoren wie Konjunktur, Bevölkerungsentwicklung und Massnahmen zur Abfallvermeidung bzw. Förderung des Recyclings abhängt. Die KVA sollen so viel Verbrennungskapazität haben, dass einerseits die Entsorgungssicherheit gewährleistet ist, andererseits sollen Überkapazitäten vermieden werden, da diese den wirtschaftlichen Betrieb der Anlagen gefährden würden.

Metalle aus KVA-Schlacken zurückgewinnen – Eine Branche im Aufbruch

Tagung der Abteilung Abfall und Rohstoffe des Bundesamtes für Umwelt, 29.9.2023, Ittigen