Wer ist vom Klimawandel in der Schweiz besonders stark betroffen?
Eine neue Studie des Forschungsinstituts Infras im Auftrag des Bundesamts für Umwelt (BAFU) analysiert erstmals umfassend, welche Menschen in der Schweiz besonders stark von den Folgen des Klimawandels betroffen sind – und warum.
Der Klimawandel betrifft alle Menschen – aber nicht gleich stark. Die neue Studie analysiert Vulnerabilitäten in fünf zentralen Lebensbereichen: Gesundheit, persönliche Sicherheit, Wohnen, Arbeit und materielle Sicherheit. Dabei zeigt sich: Nicht einzelne Merkmale allein, sondern deren Kombination macht Menschen besonders verletzlich gegenüber dem Klimawandel. Aus diesem Grund können nicht ganze Bevölkerungsgruppen pauschal als «vulnerabel» bezeichnet werden.
Vier zentrale Risikomerkmale
Über alle Lebensbereiche hinweg stechen vier Risikomerkmale hervor: Alter, Armut, Behinderung und soziale Isolation. Diese Merkmale führen dazu, dass Menschen anfälliger gegenüber Klimarisiken sind oder über eine geringere Anpassungsfähigkeit verfügen. Einkommensschwache Personen wohnen häufiger in sanierungsbedürftigen Gebäuden oder können auf klimabedingte Preissteigerungen von Waren und Dienstleistungen weniger flexibel reagieren. Menschen mit Behinderungen sind je nach Art und Grad der Behinderung körperlich anfälliger auf die Auswirkungen des Klimawandels und weniger mobil.
Gesellschaftliche Trends erhöhen den Handlungsdruck
Alterung, Urbanisierung und zunehmende Individualisierung dürften bestehende Vulnerabilitäten künftig verstärken. Die Schweiz weist zwar dank gut ausgebautem Bevölkerungsschutz, hoher Versicherungsdeckung und starker Gesundheitsversorgung eine im internationalen Vergleich hohe Widerstandfähigkeit auf. Die Studie empfiehlt dennoch, Anpassungsmassnahmen gezielt auf Personen auszurichten, die aufgrund ihrer Lebensumstände besonders vulnerabel und gleichzeitig in ihren Handlungsmöglichkeiten eingeschränkt sind.
