Krankheitserreger mit Biodiversität bekämpfen

Der Frühsommer lockt für Spaziergänge und andere Aktivitäten ins Freien. Die Wärme ist jedoch nicht nur für den Menschen wohltuend – auch Zecken krabbeln aus ihren Verstecken hervor. Zecken können bekanntermassen Krankheiten übertragen. Weniger bekannt ist hingegen, dass Biodiversität beim Übertragungsrisiko eine wichtige Rolle spielt.

Zecke

Zecken brauchen für ihre Entwicklung das Blut eines Wirts. Sie lauern darum im Wald aber auch in Wiesen auf hohen Grashalmen oder auf den Zweigen von Gebüschen. Gebissen werden Hirsche, Rehe, Eichhörnchen und andere Warmblüter - unter ihnen auch der Mensch.

Zecken können Borreliose übertragen

In der Schweiz sind rund 5-30% der Zecken Träger eines Bakteriums, das beim Menschen zu einer Infektionskrankheit, der Lyme-Borreliose führen kann.

Vor Borreliose kann man sich durch Kleidung, angepasstes Verhalten und mit regelmässigen Kontrollen schützen. Das Risiko einer Infektion hängt jedoch auch von der vorhandenen Biodiversität ab.

Weniger Borreliose bei hoher Artenvielfalt

Forscher in den USA, wo die Borreliose ebenfalls vorkommt (in Lyme, einem Ort im Bundesstaat Connecticut wurde das Krankheitsbild erstmals beschrieben), haben herausgefunden, dass die Borreliose-Bakterien sich in unterschiedlichen Wäldern verschieden stark verbreiten: Je mehr verschiedene Säugetierarten in den Wäldern lebten, desto weniger Zecken waren Träger des Bakteriums.

Besonders gut entwickelten sich die Borreliose-Bakterien in Weissfussmäuse. Würden alle Zecken nur Wiessfussmäuse beissen, wären 90% der Zecken Träger des Krankheitserregers. Sind dagegen noch andere Säugetiere vorhanden, sinkt der Prozentsatz der Zecken, die das Bakterium in sich tragen - und damit auch das Risiko, sich zu infizieren.

Grosse Lebensräume weniger anfällig

Die Grösse der Waldflächen spielt für die Häufigkeit des Krankheitserregers ebenfalls eine Rolle. Je kleiner Lebensräume durch Zerschneidung oder Nutzungsänderungen werden, desto grösser die Wahrscheinlichkeit, dass gewisse Arten aus ihnen verschwinden und andere dafür dominieren.

Tatsächlich war die Dichte von Weissfussmäusen in kleinen Waldgebieten besonders hoch. In Waldstücken, die kleiner waren als 1,2 Hektaren, lebten auch doppelt so viele Zecken wie in grösseren Waldgebieten und während in den kleinen Stücken fast jede Zecke Träger des Borreliose-Bakteriums ist, wurde der Krankheitserreger in grösseren Gebieten nur bei jeder dritten gefunden.

Ähnliche Mechanismen gelten auch für andere Arten und Krankheiten. So konnten Wissenschaftler nachweisen, dass im Osten der USA das West-Nil-Fieber in Gebieten mit einer hohen Vogelvielfalt weniger verbreitet ist, als in Gebieten mit wenigen Vogelarten.

Weiterführende Informationen

Kontakt
Letzte Änderung 18.05.2010

Zum Seitenanfang

https://www.bafu.admin.ch/content/bafu/de/home/themen/biodiversitaet/dossiers/internationales-jahr-biodiversitaet/krankheitserreger-mit-biodiversitaet-bekaempfen.html