Strategie Biodiversität Schweiz: Fragen und Antworten

16.09.2011- Am 16. September 2011 hat der Bundesrat die Vernehmlassung zur Strategie Biodiversität Schweiz eröffnet. Die Strategie soll die Erhaltung der Biodiversität in unserem Land langfristig sicherstellen. Biodiversität umfasst die Vielfalt der Ökosysteme, Arten und genetischen Ressourcen. Sie ist die Grundlage für das Leben auf der Erde.


Die Strategie Biodiversität Schweiz

 Was ist die Strategie Biodiversität Schweiz?

Die Strategie Biodiversität Schweiz beschreibt, was getan werden muss, damit die Schweiz ihre Biodiversität - das heisst, die Vielfalt ihrer Ökosysteme, Arten und genetischen Ressourcen - langfristig erhalten kann. Ausserdem zeigt sie auf, welchen Beitrag die Schweiz zur Erhaltung der globalen Biodiversität leisten muss. Die Strategie Biodiversität Schweiz wurde erarbeitet im Auftrag des Parlaments an den Bundesrat für die Legislaturperiode 2007-2011.

 Welche Neuerungen bringt die Strategie Biodiversität Schweiz für unser Land?

Sie bringt ein verstärktes Engagement der Gesellschaft sowie von Bund und Kantonen zugunsten der Biodiversität. Die Erhaltung der Biodiversität und ihrer Ökosystemleistungen ist weder für den Bund noch für die Kantone eine neue Aufgabe. Trotz der bisherigen Aktivitäten verschlechtert sich der Zustand der Biodiversität unaufhaltsam und rasch, deshalb ist ein verstärktes Engagement nötig. Dabei werden die Einbindung sämtlicher Partner und die Zusammenarbeit mit privaten Akteuren zunehmend an Wichtigkeit gewinnen.

Welches sind die Hauptziele der Strategie Biodiversität Schweiz?

Die zehn Ziele der Strategie Biodiversität Schweiz sind aufeinander abgestimmt und beeinflussen und unterstützen sich in der Umsetzung gegenseitig. Die Ziele sind gemeinsam zu verfolgen. Unter anderem wurden Ziele formuliert zur nachhaltigen Nutzung der Biodiversität, zur Schaffung einer ökologischen Infrastruktur, zur Förderung der Biodiversität im Siedlungsraum und zur Berücksichtigung des Zustands der Biodiversität in der nationalen Wohlfahrtsmessung.


Nachhaltige Nutzung der Biodiversität

Warum muss die Schweiz ihre Biodiversität nachhaltig nutzen?

Damit auch künftige Generationen in den Genuss der Leistungen kommen, mit denen die Biodiversität uns heute versorgt. Ökosysteme, die sich infolge einer nicht nachhaltigen Bewirtschaftung in einem schlechten Zustand befinden, sind weniger leistungsfähig. So können etwa Böden, deren Struktur zerstört wurde, das Wasser weniger gut filtern. Als Folge davon verschlechtert sich auch die Qualität des Trinkwassers, das aus dem Grundwasser gewonnen wird. Ausserdem stellen die genetischen Ressourcen ein Reservoir dar, das künftigen Generationen bei der Entwicklung neuer Produkte von Nutzen sein kann.

Gibt es einen Interessenkonflikt zwischen dem Schutz der Biodiversität und der Erzeugung erneuerbarer Energien?

Die Erzeugung erneuerbarer Energien und der Schutz der Biodiversität stehen nicht unbedingt im Konflikt. Die Erzeugung erneuerbarer Energien kann für die Biodiversität auch von Vorteil sein: Eine verstärkte Holznutzung etwa bringt lichtere Wälder hervor, was die Biodiversität begünstigt. Punktuelle Konflikte können auftauchen. Die Strategie zeigt mögliche Wege auf, um allfällige Interessenskonflikte zu überwinden.

Sieht die Strategie Biodiversität Schweiz in gewissen Sektoren wie beispielsweise in der Land- und der Forstwirtschaft neue Massnahmen vor?

Die Strategie Biodiversität nennt die Ziele, die die Schweiz erreichen muss, um ihre Biodiversität erhalten zu können. Diese Ziele wurden mit den Politikprogrammen, die gegenwärtig erarbeitet werden - unter anderem mit der Waldpolitik 2020 oder der Landwirtschaftspolitik 2014-2017 -, koordiniert und müssen nun in einem Aktionsplan konkretisiert werden. Die Massnahmen werden gemeinsam mit den betroffenen Kreisen definiert.


Ökologische Infrastruktur

Eines der Ziele der Strategie Biodiversität Schweiz ist der Aufbau einer ökologischen Infrastruktur. Was genau ist darunter zu verstehen?

Unter ökologischer Infrastruktur ist ein ausgedehntes Netz aus Schutz- und Vernetzungsgebieten zu verstehen, welches sich über das ganze Land erstreckt und die Wanderung der Arten gewährleistet. Ähnlich wie die Autobahnen ist diese Infrastruktur in ein übergreifendes europaweites Netz integriert, welches die Verbindung zu grenznahen Schutzgebieten und ökologischen Korridoren im Ausland sicherstellt.

Was bezweckt der Aufbau einer ökologischen Infrastruktur?

Auf diese Weise wird gewährleistet, dass die Biodiversität reichhaltig und gegenüber Veränderungen reaktionsfähig ist. In Schutzgebieten finden die Arten intakte Naturlandschaften, in denen ihr Fortbestand und ihre Entwicklung gesichert sind. Damit jedoch der genetische Austausch stattfinden kann und sich die einzelnen Arten an Veränderungen in ihrer Umwelt anpassen können, müssen diese Schutzgebiete vernetzt werden. So sind in der Schweiz zahlreiche Tier- und Pflanzenarten aufgrund des Klimawandels gewandert.

Wie wird diese ökologische Infrastruktur errichtet?

Zum einen gilt es, die existierenden Schutzgebiete in der Schweiz zu ergänzen und ihre Qualität zu verbessern. Zum andern muss ein System von Vernetzungsgebieten vervollständigt und gesichert werden. Bei Vernetzungsgebieten handelt es sich um bereits heute naturnahe Gewässer, Wälder und Landwirtschaftsflächen, aber auch um naturnahe Flächen im Siedlungsraum wie Bahn- und Strassenböschungen oder Stadtpärke.


Biodiversität und Städte

Wie können die Städte zur Entwicklung der Biodiversität beitragen?  

Der jüngste Bericht des Biodiversitäts-Monitorings Schweiz hat gezeigt, dass sich in Städten und Agglomerationen bereits heute die Biodiversität entwickelt. Diese Tendenz muss verstärkt werden. Durch die Weiterentwicklung der Agglomerationspolitik und mithilfe der kantonalen und kommunalen Raumplanungsinstrumente sollen Siedlungen so gestaltet werden, dass Grün- und Freiräume im Siedlungsraum umfassend gefördert werden können. Auch die Bevölkerung kann massgeblich zur Förderung der Biodiversität beitragen, beispielsweise in Gärten, auf Balkonen und auf Dächern.


Biodiversität

Was ist unter dem Begriff Biodiversität zu verstehen?

Die Biodiversität ist eine unerlässliche Grundlage für das Leben auf dieser Erde. Sie umfasst die Vielfalt von Ökosystemen (z. B. Laubmischwald oder Fliessgewässer), von Arten (z.B. verschiedene Moosarten) und von Genen (z.B. genetische Unterschiede zwischen verschiedenen Sorten von Kirschen). Biodiversität beschreibt somit die Vielfalt des Lebens in einem Wort.

Wozu dient die Biodiversität?

Die Biodiversität erbringt unverzichtbare Leistungen für Gesellschaft und Wirtschaft, so genannte Ökosystemleistungen. Die Vielfalt dieser Leistungen ist immens: Unter anderem liefert Biodiversität Nahrung, erhält die Wasser- und Luftqualität, ist Bestandteil der Bodenbildung und bietet nicht zuletzt dem Menschen Raum für Erholung.

Warum muss die Biodiversität erhalten werden?

Es handelt sich grundsätzlich um ethische und ökonomische Gründe. Der ethische Aspekt des Biodiversitätsschutzes umfasst die Verantwortung der Gesellschaft gegenüber zukünftigen Generationen, sowie das Existenzrecht der Arten und den Eigenwert der Natur. Abgesehen von der ethischen Komponente gilt die Biodiversität auch als wichtige wirtschaftliche Ressource für den Menschen. Verschlechtert sich der Zustand der Biodiversität, nehmen die Ökosystemleistungen ab und die Lebensqualität vermindert sich. Letztlich würde dadurch die nachhaltige Entwicklung von Wirtschaft und Gesellschaft gefährdet.


Zustand der Biodiversität in der Schweiz

Wie steht es um die Biodiversität in der Schweiz?

Die Biodiversität in der Schweiz hat seit Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts starke Verluste erlitten. Zwischen 1900 und 2010 betrug der Flächenverlust für Auen 36 %, für Moore 82 % und bei den Trockenwiesen und -weiden 95 %. Die Qualität der meisten Lebensräume ist zudem tief und nimmt weiterhin ab. Durch den Lebensraumverlust sind viele einst häufige Arten von sinkenden Bestandesgrössen betroffen. Von den etwa 40 000 in der Schweiz bekannten Pflanzen-, Tier- und Pilzarten ist rund ein Drittel in ihrem Bestand bedroht. Dank den Schutzmassnahmen konnten in den letzten Jahrzehnte die Bestandesrückgänge bei einigen Arten und die Flächenverluste bei bestimmten Lebensräumen zwar gebremst, jedoch nicht gestoppt werden. Aus diesen Gründen müssen wir unsere Anstrengungen verstärken.

Welches sind die Hauptprobleme, mit denen die Biodiversität konfrontiert ist?

Die Lebensräumen werden kleiner und ihre Qualität nimmt ab. Besiedlung, Mobilität und die dafür nötige Infrastruktur nehmen zu und zerschneiden Lebensräume immer mehr. Weitere Bedrohungen für die Biodiversität stellen der Klimawandel und die invasiven Arten dar. Ausserdem bestehen noch grosse Wissenslücken hinsichtlich der genetischen Vielfalt in der Schweiz. Das Schliessen dieser Lücken ist wichtig, damit das Potenzial dieser Vielfalt sowohl heute wie auch in Zukunft bewahrt und genutzt werden kann.


Zustand der globalen Biodiversität

Wie ist der Zustand der globalen Biodiversität?

Insgesamt hat die Menschheit seit Mitte der 1980er-Jahre mehr natürliche Ressourcen verbraucht, als sich auf der Erde regenerieren konnten. Dies hat Folgen für die Biodiversität. Beispielsweise hat eine Studie des Millennium Ecosystem Assessments  gezeigt, dass weltweit bereits bis zu 60 Prozent der untersuchten Ökosysteme beeinträchtigt sind. Ausserdem sind gemäss Messungen des Living Planet Index  zwischen 1970 und 2000 die Wildtierbestände von Land- und Meeresarten um je 30 Prozent und diejenigen von Süsswasserarten um 50 Prozent zurückgegangen.


Persönliches Engagement

Was kann ich selber tun, um die Biodiversität zu schützen, zu fördern und zu begünstigen?

In Ihrem Garten oder auf Ihrem Balkon können Sie zum Beispiel:  

  • durch naturnahes Gärtnern, durch die Wahl einheimischer Pflanzen und durch das Anlegen von Blumenwiesen, Hecken, Kiesflächen und Feuchtbiotopen eine grosse Vielfalt schaffen oder Ihre Hausverwaltung überzeugen, die Umgebung Ihrer Siedlung naturnah zu gestalten;
  • auf die Verwendung von Torf und den Einsatz von Herbiziden verzichten;
  • am Haus Nist- und Lebensmöglichkeiten für Insekten, Vögel, Fledermäuse und Igel zur Verfügung stellen;
  • Mauern und Dächer begrünen.

Als Konsumentin oder Konsument können Sie: 

  • wo immer möglich Holz aus naturnahem Waldbau verwenden und auf Tropenholz verzichten;
  • naturnahe Produkte aus Ihrer Region kaufen, am besten von ökologisch wirtschaftenden Höfen, und Ihren Fleischkonsum reduzieren;

Wenn Sie in der Natur spazieren gehen, können Sie: 

für sich und mit Ihrer Familie die Natur erleben, ohne Tiere zu stören und Lebensräume und Pflanzen zu schädigen, indem Sie Ruhezonen für die Natur respektieren

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Letzte Änderung 16.09.2011

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