Biotope von nationaler Bedeutung

Für fünf Lebensräume sind nationale Biotopinventare in Kraft: Hoch- und Übergangsmoore, Flachmoore, Auengebiete, Amphibienlaichgebiete sowie Trockenwiesen und -weiden. Ein Grossteil der Objekte muss dringend saniert werden. Das BAFU stellt entsprechende Handlungsempfehlungen zur Verfügung.

Um die Lebensräume bedrohter Tiere und Pflanzen wirksamer schützen zu können, wurde 1987 die gesetzliche Grundlage für die nationalen Biotopinventare geschaffen (Art. 18a NHG).

Der Bund bezeichnet nach Anhörung der Kantone die Biotope von nationaler Bedeutung, bestimmt die Lage und legt die Schutzziele fest. Diese sind für alle verbindlich.

Die Umsetzung der Inventare ist Aufgabe der Kantone, welche in der Regel über die Gemeinden für den grundeigentümerverbindlichen Schutz sorgen.

Revision der Biotope von nationaler Bedeutung

Von 2012 bis 2017 wurden in Zusammenarbeit zwischen Bund und Kantonen die Biotope von nationaler Bedeutung schweizweit revidiert. An seiner Sitzung vom 29. September 2017 hat der Bundesrat die Revision genehmigt. Sie trat am 1. November 2017 in Kraft und war ein weiterer Meilenstein beim Schutz der natürlichen Lebensräume und gefährdeten Arten. Der Anteil der in den Inventaren verzeichneten Gebiete an der gesamten Landesfläche erhöhte sich von 1,8 auf 2,2 Prozent. 


Medienmitteilung vom 


Folgende Bundesinventare sind in Kraft:

Hochmoore

Moore

Seit der Annahme der Rothenthurm-Initiative 1987 stehen Moore unter dem Schutz der Bundesverfassung. Zum Schutz der verbliebenen Gebiete hat der Bund die Hochmoor-, Flachmoor- und Moorlandschaftsverordnung samt Inventaren erlassen. In vielen geschützten Objekten von nationaler Bedeutung sinkt allerdings die ökologische Qualität. Benötigt werden Pufferzonen und Regenerationen. Das BAFU unterstützt die Kantone mit Vollzugshilfen.

 
Aue

Auen

Zum Schutz und zur Aufwertung der verbliebenen Auen hat der Bund die Auenverordnung in Kraft gesetzt. Das BAFU unterstützt die Kantone bei der Umsetzung der Auenverordnung.

 
Amphibienlaichgebiete

Amphibienlaichgebiete

Um die gefährdeten Amphibien der Schweiz zu schützen, hat der Bund das Inventar der Amphibienlaichgebiete von nationaler Bedeutung in Kraft gesetzt. Es bezeichnet die wichtigsten Fortpflanzungsgebiete. Bei der Umsetzung von Massnahmen vor Ort besteht ein erhebliches Vollzugsdefizit.

 
Trockenwiesen und -weiden

Trockenwiesen und -weiden

Trockenwiesen und -weiden sind von landwirtschaftlicher Nutzung geprägte, artenreiche Lebensräume. Der Bund hat die wertvollsten Flächen in einem Inventar bezeichnet.

 

Stand der Umsetzung

Die Umsetzung von Schutz und Unterhalt und die damit verbundene langfristige Sicherung der Biotope von nationaler Bedeutung (Objekte) obliegt den Kantonen. Solange sie die erforderlichen Massnahmen nicht getroffen haben, gelten die Objekte als nicht umgesetzt und die Kantone müssen dem Bund regelmässig Bericht erstatten.

Die Auswertung der nach 2010, 2014 und 2018 vierten Umfrage zum Stand der Umsetzung (2021) bei den Kantonen zeigt, dass die Umsetzung nach wie vor stark in Verzug ist: Bei 75% der gut 7'100 nationalen Biotopobjekte ist die Umsetzung ungenügend. Bei 8% ist sie fortgeschritten. 17% aller Objekte gelten als vollständig umgesetzt. Seit der letzten Umfrage hat sich der Stand leicht verbessert – die ab 2017 eingeführten Sofortmassnahmen zeigen erste Wirkungen.

Für keinen Biotoptyp ist die Umsetzung abgeschlossen; in allen Kantonen besteht noch Handlungsbedarf. Zum Teil sind die Umsetzungsdefizite sehr gross.

Wirkungskontrolle 

Im Rahmen der Wirkungskontrolle Biotopschutz Schweiz (WBS) des Bundesamtes für Umwelt (BAFU) und der Eidgenössischen Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft (WSL) werden seit 2012 Veränderungen in den Biotopen von nationaler Bedeutung erfasst. Mit Hilfe von Felderhebungen und Luftbildanalysen wird überprüft, ob sich die Biotope gemäss den Schutzzielen entwickeln. Die Ersterhebung wurde 2017 abgeschlossen; parallel dazu wurden ältere Erhebungen wiederholt.

Die Ergebnisse dokumentieren, dass sich die Biotope von nationaler Bedeutung negativ verändern: Es findet eine Verschlechterung der ökologischen Qualität statt.

Sanierungsbedarf

Qualität und Vernetzung vieler Gebiete von nationaler Bedeutung sind ungenügend. Die Biodiversität ist deshalb auch in diesen Schutzgebieten rückläufig. Dies widerspricht dem heute geltenden Recht.

Es besteht dringender Sanierungsbedarf für

  • 79 % der Hochmoore,
  • 30 % der Flachmoore
  • 30 % der Auen,
  • 25 % der Amphibienlaichgebiete,
  • 20 % der Trockenwiesen und -weiden.

Im Auftrag des BAFU wurde ein Konzept erarbeitet, das einen Überblick über die Thematik der Aufwertung der Biotope von nationaler Bedeutung gibt und eine Entscheidungshilfe für eine Prioritätensetzung liefert. Für jeden Kanton wurden Handlungsempfehlungen abgeleitet.

Konzept zur Aufwertung der Biotope von nationaler Bedeutung (PDF, 282 kB, 21.01.2013)Expertenbericht zu Handen von Bund und Kantonen. Im Auftrag des BAFU

Kosten Biotopinventare

Für den gesetztes konforme Schutz und Unterhalt der fünf Biotopinventare von nationaler Bedeutung sollten jährlich 126 Mio. Franken sowie einen einmaligen Betrag von 1.6 Mrd. Franken für Sanierungen investiert werden. Zu diesem Schluss kommt 2017 eine vom BAFU in Auftrag gegebene Studie.

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Letzte Änderung 28.04.2022

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