Amphibienlaichgebiete

Um die gefährdeten Amphibien der Schweiz zu schützen, hat der Bund das Inventar der Amphibienlaichgebiete von nationaler Bedeutung in Kraft gesetzt. Es bezeichnet die wichtigsten Fortpflanzungsgebiete. Bei der Umsetzung von Massnahmen vor Ort besteht ein erhebliches Vollzugsdefizit.

70% der einheimischen Amphibien stehen auf der Roten Liste. Hauptursache ist der massive Verlust an Laichgewässern in den vergangenen 100 Jahren. Besonders kritisch ist die Situation der Arten der gelegentlich austrocknenden Gewässer (d.h. Gewässer, die jährlich oder mindestens alle paar Jahre austrocknen). Bei diesen Arten sind mangels geeigneter Fortpflanzungsgewässer bis zu 60% der Vorkommen lokal ausgestorben. Bei den häufigen Amphibienarten dagegen ist es selten, dass sie aus einem Gewässer komplett verschwinden; aber auch die häufigen Arten nehmen in ihren Populationsgrössen stark ab.

Um die gefährdeten Amphibien zu schützen, hat der Bund 2001 das Bundesinventar der Amphibienlaichgebiete von nationaler Bedeutung IANB und die dazugehörige Verordnung erlassen. Das Inventar bezeichnet die bedeutendsten Fortpflanzungsgebiete und beauftragt die Kantone, für deren Schutz und Unterhalt zu sorgen. Das Inventar umfasst 5 bis 10 Prozent der rund 14'000 bekannten Amphibienlaichgebiete der Schweiz. Die aktuell 929 Objekte im Inventar wurden aufgrund eines Bewertungsschlüssels ermittelt.

Das Ziel des IANB ist es, die nachgewiesenen Amphibienbestände langfristig zu erhalten, zu fördern beziehungsweise wiederherzustellen. Die Inventarobjekte sollen zudem als Bestandesstützpunkte und Ausbreitungszentren dienen.

Vor allem für seltenere und gefährdete Amphibienarten sind die inventarisierten Laichgebiete überlebenswichtig. Einige Arten kommen markant häufiger in IANB-Objekten vor als in den übrigen Gebieten.

Die Inventarobjekte werden in ortsfeste Objekte (Anhang 1) und Wanderobjekte (Anhang 2) unterteilt. Ortsfeste Objekte weisen einen festgelegten Bereich A auf, der das Laichgewässer und angrenzende natürliche und naturnahe Flächen umfasst. Die meisten Objekte weisen zudem einen Bereich B auf, der weitere Landlebensräume und Wanderkorridore umfasst.
Als Wanderobjekte definiert sind Laichgebiete, die sich noch in aktiven Gruben mit räumlich fortschreitendem Abbau befinden. Eine Punktkoordinate zeigt die Lage der Grube zum Zeitpunkt der Inventarisierung an. Diese kann sich jedoch seither beträchtlich verschoben haben und mit ihr auch die Laichgewässer. Noch nicht in Kraft gesetzte, aber inventarisierte Objekte unterstehen einem provisorischen Schutz (Anhang 3).

Von 2012 bis 2017 wurden in Zusammenarbeit zwischen Bund und Kantonen die Amphibienlaichgebiete von nationaler Bedeutung schweizweit revidiert. An seiner Sitzung vom 29. September 2017 hat der Bundesrat die Revision genehmigt. Sie trat am 1. November 2017 in Kraft. 

Schutz und Unterhalt 

Für den Schutz und die Pflege der IANB-Objekte sind die Kantone zuständig. Das BAFU unterstützt sie fachlich und finanziell.

Erfolgskontrolle 

Bei der Umsetzung ausreichender Schutz- und Pflegemassnahmen vor Ort besteht ein erhebliches Vollzugsdefizit: Einerseits nimmt die Qualität der Laichgewässer und Landlebensräume trotz höchstem Schutzstatus ab. Dafür wurden die folgenden Gründe identifiziert:

  • Mangelnden Ressourcen im Naturschutz (personell wie finanziell)
  • Höheres Gewicht anderer Nutzungsinteressen
  • Nachlässigkeit im Umgang mit Naturwerten
  • Zu geringer politischer Willen zur Durchsetzung von Massnahmen bei Nutzungskonflikten
  • Teilweise fehlende wissenschaftliche Detailkenntnisse

Andererseits nimmt nicht nur die Lebensraumqualität, sondern auch die Amphibienbestände in den nationalen Objekten ab. In den letzten 10 Jahren verschwand aus jedem IANB-Objekt im Schnitt eine stark gefährdete Amphibienart.


Medienmitteilung vom


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Letzte Änderung 04.02.2020

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