NABO – Wie steht es um den Boden in der Schweiz?

07.07.2015 - Die Nationale Bodenbeobachtung (NABO) beobachtet seit 1985, also seit 30 Jahren, wie sich die Belastungen der Schweizer Böden entwickeln. Die Ergebnisse leisten einen wichtigen Beitrag, um Gefahren für die Bodenfruchtbarkeit frühzeitig zu erkennen.

Probenahme bei Alvaneu (Quelle: NABO)
Probenahme bei Alvaneu (Quelle: NABO)

Der Boden ist die Grundlage unserer Nahrungsmittelproduktion und in der stark bevölkerten Schweiz eine knappe Ressource. Darum müssen negative Entwicklungen vermieden werden. Hinzu kommt, dass die Veränderungen im Boden in der Regel langsam verlaufen und Schäden oft nicht mehr rückgängig zu machen sind.

Die Beobachtung der NABO umfasst ein Messnetz von 103 Dauerbeobachtungsstandorten in der ganzen Schweiz, wobei unterschiedliche Arten der Landnutzung berücksichtigt werden, wie etwa Ackerbau, Grasland, Wald und Spezialkulturen. Dieses nationale Referenznetz zur Beobachtung der Belastungen des Bodens wird vom Bundesamt für Umwelt (BAFU) in Zusammenarbeit mit dem Bundesamt für Landwirtschaft (BLW) betrieben.

Bedeutung des Bodens – Internationales Jahr des Bodens

Der Boden ist ein wichtiger Dienstleister. Er ist Grundlage unserer Nahrungsmittelproduktion, er speichert und filtert unser Trinkwasser, reguliert den Wasserhaushalt und liefert den Pflanzen Wasser. Er ist auch Lebensraum für zahlreiche Bodenlebewesen und somit Grundlage der Biodiversität. Aus diesen Gründen sollte er nicht durch den Bau von Häusern, Gewerbehallen, Strassen und Bahnlinien zerstört werden. Wir alle sind auch in Zukunft auf genügend und fruchtbare Böden angewiesen. Es ist daher unsere Pflicht, den Böden Sorge zu tragen und Beeinträchtigungen wenn immer möglich zu vermeiden.

Das Jahr 2015 wurde durch die UNO als internationales Jahr des Bodens proklamiert. Ins gleiche Jahr fällt auch das 30-jährige Jubiläum der Nationalen Bodenbeachtung NABO. Es ist unbestritten, dass Böden eine wichtige Grundlage sind – für die angesprochene Nahrungsmittelproduktion wie auch für verschiedene Lebewesen im Boden. Global gehören die Schweizer Böden zu den fruchtbarsten, auch darum müssen wir die Qualität unserer Böden weiterhin im Auge behalten und ihnen Sorge tragen.

NABO-Bericht

Der aktuelle NABO-Bericht liefert Resultate über fünf Erhebungen (1985-2009) für eine Reihe von Schwermetallen – wie Cadmium, Zink oder Nickel – jedoch auch für den organischen Kohlenstoff und für die Hauptnährstoffe Stickstoff, Phosphor und Kalium. Der Bericht zeigt, dass sich das bisherige Konzept bewährt. Der NABO-Bericht zeigt aber auch, wie dieses Konzept in den nächsten Jahren für neue Fragestellungen optimiert werden soll.

Bohrkerne mit Horizontierung (Quelle: NABO)
Bohrkerne mit Horizontierung (Quelle: NABO)

Resultate I – meiste Standorte in der Norm

Die Richtwerte der Verordnung über Belastungen des Bodens (VBBo) zu den untersuchten Elementen werden nur an einzelnen der gut 100 Standorte überschritten. Zu hohe Gehalte sind mehrheitlich durch die Zusammensetzung des Ausgangsgesteins bedingt. Die langjährige Nutzung des Bodens mit Spezialkulturen wie Rebbau führte zu Richtwertüberschreitungen beim Kupfer, das über kupferhaltige Pflanzenschutzmittel in den Boden gelangt.

Resultate II – weniger Blei und Quecksilber

Über die letzten 20 Jahre wurden für die Schwermetalle Cadmium, Nickel, Chrom und Kobalt keine signifikanten Veränderungen beobachtet. Die Gehalte an Blei und Quecksilber hingegen haben deutlich abgenommen. Dafür gibt es zwei Gründe: Erstens gibt es bei der Luftreinhaltung strengere Vorschriften, und zweitens ist das bleihaltige Benzin durch bleifreies ersetzt worden. Zudem können die Gehalte dieser Stoffe im Oberboden abnehmen, wenn sie durch Bodenlebewesen in tiefere Schichten verlagert oder durch Pflanzen aufgenommen und mit dem Erntegut abtransportiert werden.

Resultate III - mehr Zink und Kupfer

Für die Schwermetalle Zink und Kupfer wurden an den intensiv genutzten Graslandstandorte und einigen Ackerstandorten kontinuierlich steigende Konzentrationen im Oberboden beobachtet. Zum Teil handelt es sich sogar um starke Zunahmen (> 5% des Richtwertes über 20 Jahre), die durch den Einsatz von Hofdünger verursacht wurden. Kontinuierliche Zunahmen dieser Grössenordnung widersprechen der langfristigen Erhaltung der Bodenfruchtbarkeit, wie sie im Umweltschutzgesetz (USG, Art. 33 und 34) gefordert wird. In solchen Fällen müssen die Kantone im Einvernehmen mit dem Bund Massnahmen ergreifen.

Zink und Kupfer werden dem Tierfutter als Nahrungsergänzung und zur Leistungssteigerung beigegeben und gelangen über den Hofdünger in den Boden. Der Einsatz von Hofdünger ist zwar ökologisch sinnvoll, weil Ressourcen effizient genutzt werden und die Kreisläufe für Stickstoff, Phosphor und weitere Nährstoffe durch die Düngung geschlossen werden. Allerdings ist anzustreben, die Einträge von Zink und Kupfer in diesem Kreislauf zu reduzieren. Untersuchungen haben gezeigt, dass die Menge an Zink und Kupfer im Tierfutter ohne negative Effekte für Nutztiere und Landwirte deutlich reduziert werden könnte.

Bodenkundliche Ansprache der Bodenhorizonte (Quelle: NABO)
Bodenkundliche Ansprache der Bodenhorizonte (Quelle: NABO)

Weitere Resultate

Beim organischen Kohlenstoff konnte für Ackerstandorte bis Ende der 1990er-Jahre eine leichte Abnahme, anschliessend eine leichte Zunahme verzeichnet werden. Die gemessenen Veränderungen sind jedoch relativ gering. Ob es sich hierbei um effektive Veränderungen handelt, wird zurzeit noch im Zusammenhang mit weiteren relevanten Standortfaktoren, wie Wasserhaushalt und Nährstoffgehalte, abgeklärt.

Ähnliches gilt auch bei wichtigen Pflanzennährstoffen wie Stickstoff, Phosphor und Kalium: Seit Beginn der Zeitreihe 1985 wurde tendenziell eine Zunahme von Stickstoff und Phosphor bis Ende der 1990er-Jahre festgestellt. In den vergangenen zehn Jahren haben sich die Gehalte im Boden dagegen kaum noch verändert. Mit der Analyse der Nährstoffgehalte aller rund 70 landwirtschaftlich genutzten Standorte im NABO-Messnetz sollen diese Befunde breiter abgestützt werden. Dies gilt ebenso für Kalium, das an den meisten der bisher untersuchten Graslandstandorte kontinuierlich zugenommen hat.

Dynamisches Feld

Neben der Belastung der Böden durch Schadstoffe, sind seit den 1980er-Jahren neue Fragestellungen hinzugekommen. So etwa im Kontext des Klimawandels: Durch das Speichern von Kohlenstoff in Form von Humus, trägt der Boden zum Klimahaushalt bei und puffert Säurebildner aus Luftschadstoffen. Eine zu intensive und unsachgemässe Nutzung der Böden führt zu einem Humusverlust und gefährdet diese Funktionen. Auch festgestellte Veränderungen bei wichtigen Pflanzennährstoffen wie Stickstoff und Phosphor gilt es genauer zu überprüfen und gewisse Fragestellungen unter Umständen anzupassen: Die Gehalte dieser Pflanzennährstoffe im Boden haben sich in den vergangenen zehn Jahren kaum verändert, nachdem sie davor seit 1985 tendenziell gestiegen waren. Ob diese Resultate mit der Einführung des ökologischen Leistungsnachweises (ÖLN) Mitte der 1990er-Jahre in Verbindung gebracht werden können, ist Gegenstand aktueller Untersuchungen.

Ausblick

Bei der NABO sind verschiedene methodische und konzeptionelle Verbesserungen geplant oder wurden bereits umgesetzt, um Veränderungen und deren Ursachen in Zukunft noch besser erfassen und verstehen zu können. Das bewährte Konzept wird stufenweise optimiert, damit ein Hauptziel des NABO-Messnetzes, die frühzeitige Erfassung von Veränderungen der Bodenqualität, auch in Zukunft erfüllt werden kann. Durch eine rasche Erkennung können allfällige Massnahmen ergriffen und Bedingungen für eine nachhaltige Bodennutzung geschaffen werden.

Neue Fragestellungen, die bereits in den Vordergrund gerückt sind, betreffen etwa Veränderungen der Biodiversität, des Wasserhaushaltes und damit auch der Bodenfeuchte durch den Klimawandel sowie Auswirkungen veränderter Bodeneigenschaften auf die Naturgefahrenprävention. In Bezug auf den Klimawandel sind beispielsweise zusätzliche Messstandorte auf unterschiedlichen Höhen notwendig, da weitreichende Veränderungen des Humus- und Wasserhaushaltes der Böden zu erwarten sind und somit Berggebiete vom Klimawandel vermutlich stärker betroffen sein werden.

Weiterführende Informationen

Links

Kontakt
Letzte Änderung 17.07.2015

Zum Seitenanfang

Aktuell

Daten

Publikationen

Cover Ergebnisse der Nationalen Bodenbeobachtung (NABO) 1985-2009
https://www.bafu.admin.ch/content/bafu/de/home/themen/boden/dossiers/nabo-boden-schweiz.html