Emissionsinformationssystem der Schweiz EMIS

Die Emissionen der verschiedenen Quellen von Luftschadstoffen und Treibhausgasen werden vom BAFU oder in dessen Auftrag erhoben, in einer Datenbank gesammelt und für die beiden jährlichen Datensubmissionen zuhanden der internationalen Konventionen und für nationale Bedürfnissen zusammengestellt. Dabei werden unterschiedliche Aggregationsmethoden angewendet.

Prinzip der Datenberechnung

Die Emissionsdaten der verschiedenen Quellen werden in der Regel nach folgendem Prinzip berechnet:

Emission = Jahresleistung * Emissionsfaktor

Die Jahresleistung, oft auch als Aktivitätsrate bezeichnet, gibt das Ausmass einer Tätigkeit an, beispielsweise die jährliche Produktionsmenge, den jährlichen Verbrauch eines Produkts, die Anzahl gefahrener Kilometer oder die Anzahl Arbeitsplätze.

Der Emissionsfaktor gibt die emittierte Schadstoffmenge pro Jahresleistungseinheit an, beispielsweise als Gramm Schadstoff pro Tonne produzierte Zellulose, pro Tonne verbrauchte Farbe, pro Kilometer gefahrene Strecke oder pro Arbeitsplatz.

Diese beiden Grössen werden erhoben, modelliert und auch prognostiziert und als Zeitreihen in einer Datenbank gespeichert. Werte für die Zwischenjahre werden automatisch linear interpoliert.

Methoden der Datenerhebung

Emissionsdaten basieren auf Erhebungen, Annahmen und komplexen Modellrechnungen. Diese sind naturgemäss mit zum Teil grossen Unsicherheiten verbunden, was bei der Verwendung der Daten und bei deren Interpretation zu berücksichtigen ist. Viele Bereiche werden bei Methodenänderungen auch rückwirkend aktualisiert, sodass auch Daten aus früheren Jahren nicht als definitiv betrachtet werden können.

Die meisten Jahresleistungen werden jährlich erhoben und modelliert. Zum Teil werden die Produktionsdaten bei Verbänden erfragt, aus Jahresberichten und Statistiken entnommen oder mit Hilfe von auf Annahmen basierenden Berechnungen modelliert. Die Unsicherheiten der Jahresleistungen bewegen sich im einstelligen Prozentbereich, können aber in Ausnahmefällen auch 50% überschreiten.

Die Emissionsfaktoren werden nur sporadisch und je nach Sektor in unregelmässigen Abständen neu erarbeitet. Sie basieren auf Messungen, Schätzungen, Berechnungen und Modellen. In vielen Fällen wird auf Daten internationaler Datenbanken oder auf Arbeiten anderer Länder zurückgegriffen. Naturgemäss liegen die Unsicherheiten bei Emissionsfaktoren im tiefen bis mittleren zweistelligen Prozentbereich. Sie können aber auch - beispielsweise bei polychlorierten Dibenzo-Dioxinen und -Furanen - Faktoren von 2 und mehr betragen.

Aggregation nach Absatz oder territorial

Grundsätzlich können die Emissionen nach zwei Methoden aggregiert werden: nach dem Absatzprinzip und nach dem Territorialprinzip. Die Methoden unterscheiden sich nur im Strassenverkehrs- und im Luftfahrtbereich.

Das Territorialprinzip berechnet die Emissionen auf dem Territorium der Schweiz. Die Emissionen des Strassenverkehrs werden daher aufgrund eines Fahrleistungsmodells der Schweiz berechnet. Beim Flugverkehr basiert das Emissionsmodell auf Flugbewegungsdaten, welche auch Überflüge mit einbeziehen.

Das Absatzprinzip berechnet die Emissionen nach der Menge des verkauften Treibstoffs. Das heisst, dass zu den Emissionen des Strassenverkehrsmodells noch der Treibstoff des sogenannten «Tanktourismus» addiert werden, was je nach Preisdifferenz zum benachbarten Ausland, Treibstoffart und Jahr netto eine Mehr- oder eine Minderemission bewirkt. Beim Flugverkehr werden ebenfalls nur die Emissionen aufgrund des in der Schweiz verkauften Treibstoffs betrachtet, was verglichen mit dem Territorialansatz beträchtliche Unterschiede zur Folge hat.

Für die Submissionen zuhanden der internationalen Konventionen werden die Emissionsdaten in der Regel nach dem Absatzprinzip rapportiert.

Nationale Übersichten - etwa für das statistische Jahrbuch des Bundesamt für Statistik BFS oder für die Umweltstatistik des BAFU - werden nach dem Territorialprinzip angegeben. Daher können jährliche Summenwerte aus diesen Publikationen differieren.

Jährliche Daten-Submissionen

Neben zahlreichen kleineren Anfragen für Datenzusammenstellungen und Übersichten erarbeitet das BAFU jedes Jahr zwei Datensubmissionen:

  • die Emissionen der Luftschadstoffe zuhanden der UNECE im Rahmen des Übereinkommens von 1979 über weiträumige grenzüberschreitende Luftverunreinigung (CLRTAP, Genfer Konvention) und die 8 Zusatzprotokolle
  • sowie die Emissionen der Treibhausgase (THG) zuhanden der Klimakonvention (UNFCCC) im Rahmen des Kyoto-Protokolls.

Die Submission zuhanden der UNECE umfasst die jährlichen Emissionen ab 1990 sowie die Emissionsprognosen für die Jahre 2015 und 2020 der folgenden Luftschadstoffe:

  • Stickstoffdioxide (NOx)
  • flüchtige organische Verbindungen ohne Methan (NMVOC)
  • Schwefeldioxide (SOx)
  • Ammoniak (NH3)
  • Feinstäube (PM2.5, PM10 und TSP)
  • Kohlenmonoxid (CO)
  • Blei (Pb)
  • Cadmium (Cd)
  • Quecksilber (Hg)
  • polychlorierte Dibenzo-Dioxine und -Furane PCDD/PCDF
  • und vier Arten polyaromatischer Kohlenwasserstoffe (PAK).

Die Submissionen werden jährlich am 15. Februar (UNECE) und am 15. April (UNFCCC) - begleitet von je einem Bericht - eingereicht.

Switzerland's Informative Inventory Report 2019 (PDF, 7 MB, 22.03.2019)Submission under the UNECE Convention on Long-range Transboundary Air Pollution to the United Nations ECE Secretariat.

Verwendete Software

Dem Emissions-Inventar liegt eine Datenbank zugrunde, welche auf der Software MESAP läuft. MESAP wurde von der Firma Seven2one in Karlsruhe, Deutschland entwickelt. Die Software ist Modular aufgebaut und wird laufend weiterentwickelt und den sich ändernden Anforderungen angepasst.

Für das THG-Inventar existiert eine eigene Datenbanksoftware. Sie wird vom Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC) in Bonn herausgegeben. Die Daten aus der MESAP-Datenbank sind über eine halbautomatische Schnittstelle mit der THG-Datenbank verknüpft.

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Letzte Änderung 22.03.2019

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