Der Umweltbelastungspunkt

12.02.2012 - Porträt

Darf ich mich vorstellen: Mein Name ist «Umweltbelastungspunkt». Nennen Sie mich einfach «UBP». Ich bin eine simple Kennzahl - und doch stolz darauf, ein breites Spektrum von Umweltbelastungen zusammenzufassen. Mein Ehrgeiz ist es, komplexe Berechnungen auf einfache und seriöse Weise an Sie als Konsumentin oder Konsumenten weiterzugeben. Damit unterstütze ich Sie, ökologische Aspekte in Ihre Entscheidungen mit einzubeziehen, sei dies beim Einkauf oder im Beruf. Ich bewerte nämlich Lebensmittel, Verpackungen, Fahrzeuge, Transporte, auch Baumaterialien oder verschiedene Stromerzeugungsarten - unbestechlich und fair.

Allerdings: Der Weg zu mir ist langwierig. Mich zu bestimmen ist anspruchsvoll. Dazu braucht es eine Art ökologische Buchhaltung. Bitte folgen Sie mir: Zuerst muss festgelegt werden, welche Aspekte eines Produkts untersucht werden sollen. Dann sind sämtliche relevanten Material- und Energieflüsse zu erfassen. Im Weiteren sind die Umweltwirkungen zu ermitteln, die während des gesamten Lebens eines bestimmten Produkts anfallen. Und diese sind entsprechend ihren Auswirkungen auf die menschliche Gesundheit, die Ökosysteme und die verfügbaren Ressourcen zu gewichten. Nur so kann ich meine Aufgabe als Umweltbelastungspunkt präzise erfüllen. Und sämtlichen Kritikerinnen und Kritikern seis gesagt: Ich halte mich dabei an die hierzulande wissenschaftlich begründeten und rechtlich abgestützten Umweltqualitätsziele und Grenzwerte für Schadstoffemissionen.

Zugegeben: Als einzelner UBP vermag ich wenig auszurichten. Deshalb stelle ich mich ganz meiner Dienstchefin - der Ökobilanz - zur Verfügung. Denn erst gemeinsam mit vielen anderen UBP in einer Ökobilanz lassen sich abschliessend alle wesentlichen Umweltauswirkungen von Gütern, Dienstleistungen und Betrieben erfassen und bewerten. Damit können Fachleute ökologische Schwachstellen erkennen und Verbesserungen einleiten. Zwei Beispiele: Mit Ökobilanzdaten kann ein Grossverteiler sein Nahrungsmittelsortiment ökologisch optimieren oder ein Brillenglashersteller seine Produktion.

Was heisst dies konkret? Mit unserer Hilfe können Sie auf einen Blick Produkte auf ihre Umweltverträglichkeit prüfen und vergleichen: Für 1 kg Lammfleisch, Bioqualität, gekühlt, aus der Schweiz, in einer Plastik-Vakuumverpackung gibt es 19 200 UBP; 1 kg Lammfleisch, tiefgekühlt, aus Neuseeland, in Plastikfolie inklusive Schiffstransport hingegen erhält 25‘000 UBP, ist also weniger umweltfreundlich.

Verzeihen Sie, dass ich Sie hier so direkt angesprochen habe. Ab sofort bin ich wieder ein unpersönlicher Punkt - doch immer noch ganz zu Ihren Diensten.

Georg Ledergerber

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Letzte Änderung 14.02.2012

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