Das BAFU im Dialog: Vernetzt Ressourcen schonen

Persönlichkeiten aus Wirtschaft, Wissenschaft, Gesellschaft und Verwaltung haben auf Einladung des BAFU Wege erkundet, wie der Ressourcenverbrauch der Schweiz massiv gesenkt werden kann. Herausgekommen ist dabei das Denk-Modell «Go for Impact». Es setzt auf Vernetzung, Innovationen ­und die Konzentration auf Massnahmen, mit denen die Schweizer Wirtschaft die grösste Wirkung er­zielen kann.

Text: Steffen Klatt 

SwissGreenEconomy
Sibyl Anwander, Chefin der BAFU-Abteilung Ökologie und Innovation, erklärt am Swiss Green Economy Symposium vom November 2016: «Mit ‹Go for Impact› ist es gelungen, einen Geist und eine Haltung der Kooperation zu fördern.» Von links: Stephan Klapproth (Moderator), Simone Arizzi (Direktor für Technologie und Innovation bei DuPont de Nemours International SA), Ruedi Noser (FDP-Ständerat und CEO Noser Management AG), Paola Ghillani (Inhaberin Paola Ghillani & Friends AG) und Sibyl Anwander.
© Louis Rafael Rosenthal

Die Schweiz hat sich zum Ziel gesetzt, ein ausgewogenes Verhältnis zwischen der Natur und ihrer Erneuerungsfähigkeit einerseits und der Beanspruchung durch den Menschen andererseits zu erreichen. Doch wenn sie dieses in Artikel 73 der Bundesverfassung formulierte Ziel erfüllen will, muss sie die natür­lichen Ressourcen im In- und vor allem im Ausland dreimal effizienter nutzen. Eine Impulsgruppe von 21 Persönlichkeiten aus Wirtschaft, Wissenschaft, Gesellschaft und Verwaltung hat sich ein Jahr lang mit der Frage beschäftigt, wie sich das bewerkstelligen lässt. Aus dieser vom BAFU initiierten Diskussion ging das Denk-Modell «Go for Impact» (siehe Seite 52) hervor. Es zeigt Wege auf, wie die Schweiz schneller und wirkungsvoller eine ressourcenschonende und ressourceneffiziente Konsum- und Wirtschaftsweise erreichen kann, und orientiert sich an den Zielen für eine nachhaltige Entwicklung der UNO (Sustainable Development Goals, SDGs).


Gemeinsame Herausforderung im Zentrum


Zusammengeführt hat die Gruppe die Frage, wie die Schweiz die kommenden Herausforderungen als Chance zu nutzen vermag. Unser Land wirtschaftet und konsumiert auf Kosten der künftigen Generationen. Wir brauchen pro Kopf rund dreimal mehr Ressourcen, als es die Belastbarkeitsgrenzen des Planeten auf die Dauer zulassen. «Business as usual» ist deshalb keine Option. ­Philippe Thalmann, Professor an der Ecole Polytéchnique Fédérale de Lausanne (EPFL), brachte dies an einem Treffen der Impulsgruppe folgendermassen auf den Punkt: «Die Schweiz kann sich mit Nichtstun den Veränderungen der Weltwirtschaft nicht entziehen.» Die Gruppe hat erkannt, dass die Schweiz deshalb in ihrem eigenen Interesse effizienter mit den Ressourcen umgehen müsste. Die grössten Treiber und somit gleichzeitig die Bereiche mit dem grössten Chancenpotenzial liegen bei der Ernährung, beim Wohnen und bei der Mobilität. Inspiriert durch die «Vision 2050» des World Business Council for Sustainable Development und die Strategie Nachhaltige Entwicklung des Bundesrates war sich die Impulsgruppe rasch einig, dass über 9 Milliarden Menschen innerhalb der planetaren Belastbarkeitsgrenzen gut leben sollen, dass die Schweiz einen angemessenen Beitrag dazu leisten will und dass sie den zu hohen Ressourcenverbrauch massgeblich senken soll. Vorgestellt wurde das Denk-Modell «Go for Impact» am Swiss Green Economy Symposium im November 2016 in Winterthur (ZH). «Wir wollten aufzeigen, dass es Handlungsbedarf, aber auch viele für die Wirtschaft interessante Lösungsansätze gibt», begründete Sibyl Anwander die Motivation des BAFU, den Impulsgruppen-Prozess durchzuführen. Die Leiterin der BAFU-Abteilung Ökonomie und Innovation hat in der Impulsgruppe das Bundesamt vertreten. Eine der zentralen Erkenntnisse von «Go for Impact» lautet: Ohne Innovationen geht es nicht. «Die Ziele des Pariser Klimaabkommens sind nur mit innovativen technischen Lösungen umsetzbar», sagt etwa der IT-Unternehmer und Zürcher FDP-Ständerat Ruedi Noser, welcher Mitglied der Impulsgruppe war.

Vizedirektorin
BAFU-Vizedirektorin Karine Siegwart im Dialog mit der Wirtschaft: «Die Verwaltung kann die Initiativen der Wirtschaft unterstützen, aber nicht ersetzen.»
© Louis Rafael Rosenthal

In der Vergangenheit seien oft Normen definiert worden, die nicht dynamisch genug den technischen Möglichkeiten Rechnung getragen hätten. «Wenn man jetzt Normen setzen will, die Innova­tionen zulassen sollen, sehe ich das als Fortschritt an», folgert er. Dabei werde es auch in der Verwaltung einen Paradigmenwechsel brauchen, um wirklich den Durchbruch zu schaffen. Wenn dies aber gelänge, würde das die Umwelt sehr voranbringen. Die Schweizer Wirtschaft arbeite sehr effizient und wolle eine hohe Wertschöpfung erzielen. «Dazu gehört auch der effiziente Umgang mit Ressourcen.» Auch für Paola Ghillani, ebenfalls Teil der Impulsgruppe, geht es um die Verknüpfung von Innovationen und Investoren. «Innovation, das ist heute Kreislaufwirtschaft», sagt die Unternehmerin. Unser Land sieht sie darin ideal positioniert. «Mein Traum ist, dass die Schweiz zum Tal der Nachhaltigkeit, zum ‹Valley of Sustainability›, wird», wie sie anlässlich der Lancierung von «Go for Impact» in Winterthur sagte. «Die Frage lautet: Wie lässt sich eine Kette von den Start-ups über die KMUs bis zu den grossen Unternehmen knüpfen?»In den Unternehmen selbst ist bereits viel geschehen. «Nachhaltigkeit ist seit Jahrzehnten für uns wichtig», sagt ­Simone Arizzi, der als Direktor für Technologie und Innovation für Europa, den Mittleren Osten und Afrika von DuPont tätig ist. «Dabei zählt der Impact auf die Nachhaltigkeit», so der Manager eines der grössten Chemieunternehmen der Welt und Mitglied der Impulsgruppe. Es reiche nicht, nur in nationalen Grenzen zu denken. «Zwei Drittel der Umweltbelastung der Schweiz fallen im Ausland an.» Die öffentliche Verwaltung sieht für sich eine aktive Rolle, wie BAFU-Vize­direktorin Karine Siegwart deutlich machte: «Auch wir wollen ein Change Maker sein», sagte sie in Winterthur im Dialog mit Wirtschaft und Wissenschaft. «Denn wir haben nur diese eine Welt.» Doch die Verwaltung könne die Initiativen der Wirtschaft nur unterstützen, aber nicht ersetzen. Und so ist auch «Go for Impact» eine Einladung an die Wirtschaft. «Es ist nun an ihr, sich zu vernetzen, das Denk-Modell innovativ zu nutzen und in den Nachhaltigkeitsanstrengungen einen starken Fokus auf eine positive Umweltwirkung zu legen», wie Sibyl Anwander ergänzte. Die Arbeiten der Impulsgruppe wurden mit der Präsentation in Winterthur abgeschlossen. Für die Teilnehmenden war der nicht alltägliche Prozess über die Grenzen des eigenen Sektors hinweg eine positive Erfahrung. Das Denk-Modell und der Schluss­bericht, die beide online unter www.go-for-impact.ch zur Verfügung stehen, sind nun die Grundlage für weiterführende Gespräche mit Wirtschaft, Wissenschaft, Gesellschaft und der öffentlichen Hand. «Ziel ist es, mit freiwilligen Initiativen eine nachhaltige und ressourcenschonende Wirtschaft voranzubringen», sagt Adrian Aeschlimann, Bereichsleiter Kooperation und Dialog beim BAFU. «Go for Impact» steht aber allen Interessierten zur Verfügung und soll gemäss Adrian Aeschlimann im Alltag aktiv genutzt werden: «Das Modell hilft Unternehmerinnen und Unternehmern, die nachhaltiger wirtschaften wollen, die richtigen Fragen zu stellen: Nutze ich das Zusammen­arbeitspotenzial, stosse ich die richtigen und wichtigen Innovationen an, und erziele ich tatsächlich eine positive Umweltwirkung?»

Weiterführende Informationen

Kontakt
Letzte Änderung 15.02.2017

Zum Seitenanfang

https://www.bafu.admin.ch/content/bafu/de/home/themen/wirtschaft-konsum/dossiers/vernetzt-ressourcen-schonen.html