Internationale Wirtschaftspolitik und Umwelt

Über 70 % der durch die Endnachfrage in der Schweiz verursachten Umweltbelastungen fallen im Ausland an. Grund dafür sind importierte Güter und Rohstoffe. Die Umweltbelastungen, die wir ausserhalb unseres Landes verursachen, müssen deshalb berücksichtigt werden. Das BAFU beteiligt sich an internationalen Initiativen für die grüne Wirtschaft und tauscht Erfahrungen mit anderen nationalen Programmen aus. Dieses Engagement entspricht nicht nur der ökologischen Verantwortung der Schweiz, sondern dient auch den wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Interessen unseres Landes.

Verschiedene international tätige Organisationen, in welchen die Schweiz Mitglied ist oder mit denen sie in engem Kontakt steht, fördern eine Transition hin zu einer grünen Weltwirtschaft. Den Anstoss dazu hat die globale Finanz- und Wirtschaftskrise von 2008 gegeben. Zum Handeln motivieren aber insbesondere die weltweiten Umweltprobleme und eine zunehmende Verknappung der Ressourcen.

Für die Schweiz sind folgende Prozesse prioritär: 


Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung

Die Sustainable Development Goals (SDG) sind das Kernelement der „2030 Agenda for Sustainable Development", die Ende September 2015 im Rahmen der UNO-Generalversammlung von den Mitgliedstaaten verabschiedet wurde. Die SDGs sind politische Zielsetzungen für eine nachhaltige Entwicklung auf ökonomischer, sozialer sowie umweltrelevanter Ebene für die kommenden 15 Jahre. Sie umfassen 17 Oberziele (Goals), die über 169 Unterziele (Targets) weiter konkretisiert werden. Die nun universell gültige Agenda 2030 löst die Millenniums-Entwicklungsziele ab, an denen sich die internationale Entwicklungszusammenarbeit seit dem Jahr 2000 ausgerichtet hatte.


UNEP

Green Growth Knowledge Platform (GGKP)

Die Plattform GGKP wurde 2012 von UNEP, der OECD, der Weltbank und dem GGGI gegründet, um Wissen über grünes Wachstum und entsprechende Politikmassnahmen auszutauschen. Mehr als 50 internationale Organisationen, Forschungseinrichtungen und Thinktanks sind über die GGKP vernetzt. Namentlich Regierungen werden bei der Umsetzung von Massnahmen zugunsten der grünen Wirtschaft unterstützt. Der jährliche Höhepunkt der Plattform ist die GGKP-Konferenz. Das Sekretariat befindet sich in Genf.

Partnership for Action on Green Economy (PAGE)

PAGE ist eine Partnerschaft der vier UN-Institutionen UNEP, ILO, UNIDO und UNITAR und wurde im Anschluss an die Rio+20-Nachhaltigkeitskonferenz lanciert. PAGE soll eine Eingangspforte für Anfragen von Regierungen im Bereich grüne Wirtschaft sein und die Expertisen der Partnerinstitutionen zu einer auf die Anfrage zugeschnittene Unterstützung koordinieren. PAGE begleitet verschiedene Länder bei der Planung und Umsetzung von Politikmassnahmen für eine grüne Wirtschaft und trägt zum Entwicklung und Mainstreaming dieser Politiken auf globaler Ebene bei.

International Resource Panel (IRP)

Das 2007 ins Leben gerufene International Resource Panel erarbeitet wissenschaftliche Grundlagen zur heutigen und künftigen Nutzung natürlicher Ressourcen und von Rohstoffen weltweit sowie zur Entkoppelung von wirtschaftlicher Entwicklung und Ressourcenverbrauch. Die Arbeiten des IRP dienen politischen Entscheidungsträgern als wissenschaftliche Basis für die Ausarbeitung wirtschaftlicher und regulatorischer Massnahmen. Dem IRP gehören weltweit führende Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus Natur- und Wirtschaftswissenschaften an

World Resource Forum

Das World Resource Forum (WRF) ist eine internationale Plattform zum Thema globale Ressourcennutzung und -verbrauch. Die Plattform bringt Entscheidungsträgerinnen und Entscheidungsträger aus Wirtschaft, Wissenschaft und Regierungen zusammen. Alle zwei Jahre finden die Treffen in Davos statt

Batumi BIG-E

Anlässlich der achten UNECE-Ministerkonferenz «Umwelt für Europa» vom 8. bis zum 10. Juni 2016 in Batumi (Georgien) einigten sich die Staaten auf einen strategischen Rahmen für die Einführung der grünen Wirtschaft bis 2030. Für die operative Umsetzung wurde die Batumi-Initiative für eine grüne Wirtschaft (BIG-E) lanciert. Diese Initiative entstand unter der Führung der Schweiz. BIG-E umfasst ein Paket aus freiwilligen Verpflichtungen der betreffenden Staaten und Organisationen im Hinblick auf eine grüne Wirtschaft. Bis heute haben insgesamt 24 Länder und 12 Organisationen mehr als 110 Verpflichtungen präsentiert. Die Schweiz hat fünf Aktionen vorgestellt, deren Umsetzung bereits begonnen hat, und zwar in den Bereichen Umwelttechnologien, Phosphor und Ressourceneffizienz in Unternehmen (Reffnet). Detailinformationen über die Aktionen der Schweiz finden sich unter

10 Years Framework for Sustainable Consumption and Production (10YFP)

An der Nachhaltigkeitskonferenz Rio+20 wurde das Zehnjahresprogramm für nachhaltiges Konsum- und Produktionsverhalten (10YFP) verabschiedet. Das Programm ist ein konkretes Instrument zur Förderung von nachhaltigen Konsum- und Produktionsmuster und damit zur Umsetzung von grüner Wirtschaft. Die Schweiz war aktiv engagiert im Marrakech Prozess, in welchen das 10YFP erarbeitet wurde. Sie hat die Task Force zum Thema nachhaltiges öffentliches Beschaffungswesen geleitet. Die Sekretariatsfunktion des 10YFP wird durch UNEP wahrgenommen.


OECD Green Growth Strategy

Die OECD hat den Ansatz des grünen Wachstums entwickelt. Im Rahmen der Green Growth Strategy hat der OECD-Ministerrat am 25. Mai 2011 Empfehlungen zuhanden der Mitgliedstaaten verabschiedet, wie diese über geeignete Politikinstrumente ein Wirtschaftswachstum bei gesteigerter Ressourceneffizienz erreichen können, beispielsweise über die Schaffung ökologischer Kostenwahrheit oder durch spezifische Innovationsförderung.

Die zukünftigen Arbeiten der OECD fokussieren auf die Unterstützung der Länder in ihrer Entwicklung hin zu einer grünen Wirtschaft, insbesondere mit ihren Empfehlungen in den Länder-Reviews zur Wachstums-, Investitions- und Umweltpolitik.


EU-Fahrplan für ein ressourcenschonendes Europa 

Der Fahrplan für ein ressourcenschonendes Europa der EU-Kommission (2011) verfolgt als Vision für 2050 eine Wirtschaftsweise, welche die Ressourcenknappheit und die Grenzen des Planeten respektiert. Die Wirtschaft soll wettbewerbsfähig und integrativ sein und einen hohen Lebensstandard bei deutlich geringerer Umweltbelastung bieten. Alle Ressourcen sollen nachhaltig bewirtschaftet werden, von Rohstoffen bis hin zu Energie, Wasser, Luft usw. Im EU-Fahrplan werden zahlreiche Etappenziele für das Jahr 2020 und Massnahmen zu deren Erreichung vorgeschlagen.

Mit ihrem neuen, am 2. Dezember 2015 verabschiedeten Paket zur Kreislaufwirtschaft will die Europäische Kommission die europäischen Unternehmen sowie die Konsumentinnen und Konsumenten beim Übergang zu einer leistungsfähigeren, stärker kreislauforientierten Wirtschaft unterstützen. Das Massnahmenpaket zeigt einen ehrgeizigen Weg für eine bessere Abfallbewirtschaftung in Europa auf und sieht flankierende Massnahmen vor, die den gesamten Produktzyklus abdecken. Ferner enthält das Paket Legislativvorschläge mit angestrebten Recyclingquoten für Abfälle sowie eine Kommunikation mit einem umfassenden, mehr als 50 Massnahmen zählenden Aktionsplan, der bis 2020 umgesetzt werden soll.


Weitere internationale Initiativen

UNEP Inquiry into the Design of a Sustainable Financial System

2014 hat das UN-Umweltprogramm UNEP eine internationale Untersuchung zu Gestaltung und Aufbau eines nachhaltigen Finanzsystems lanciert. UNEP wurde dabei namentlich von der Schweiz unterstützt. Das Ziel bestand darin, Beispiele für gute Praktiken und Erfahrungen aus verschiedenen Ländern zusammenzutragen und Strategien zu entwickeln, um das Finanzsystem stärker auf die Bedürfnisse der nachhaltigen Entwicklung auszurichten. Die Untersuchung von UNEP ist eine solide Grundlage für die kommenden Etappen der Entwicklung eines nachhaltigen Finanzsystems auf nationaler und internationaler Ebene.

Weltwirtschaftsrat für nachhaltige Entwicklung (WBCSD)

Der Weltwirtschaftsrat für nachhaltige Entwicklung (WBCSD) verfolgt seit 2010 eine «Vision 2050». Wirtschaftsführer aus 20 wichtigen Industriesektoren skizzieren in dieser neuen Agenda für Unternehmen das Idealbild einer prosperierenden Weltwirtschaft, die rund 9 Milliarden Menschen ausreichend mit Nahrung, sauberem Wasser, Wohnraum, sanitären Einrichtungen, Bildung, Gesundheitsdiensten und Transportmöglichkeiten versorgt. Ein Aktionsplan «Action 2020» für eine Nachhaltige Entwicklung mit Zwischenzielen bis 2020 und Massnahmen in 9 prioritären Bereichen (u. a. Klima, Ökosysteme, Nachhaltige Lebensstile) wurde lanciert. 

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Letzte Änderung 12.04.2017

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