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Veröffentlicht am 4. August 2026

Kreislaufwirtschaft (inter-)national

Kreislaufwirtschaft ist schon lange kein theoretisches Konzept mehr, sondern ein international anerkannter Ansatz. Staaten und Staatengemeinschaften, aber auch Unternehmen – national und international – haben erkannt, dass die Kreislaufwirtschaft ein Weg ist, um aktuellen Herausforderungen zu begegnen.

Kreislaufwirtschaft in der Schweiz

Steigende Unsicherheit und Lieferengpässen – Kreislaufwirtschaft ist auch ein Weg, um die Schweiz im globalen Kontext unabhängiger zu machen.

Als rohstoffarmes Land verfolgt die Schweiz bereits seit Mitte der 1980er Jahre Ansätze der Kreislaufwirtschaft. Diese betreffen bisher primär das Recycling. So werden beispielsweise Glas, Getränkedosen sowie Papier und Karton bereits heute zu über 80 Prozent gesammelt und dem Recycling zugeführt. (Abfallstatistik 2024). Von den jährlich bis zu 18 Mio. Tonnen Rückbaumaterialien wie Beton, Kies, Sand, Asphalt und Mauerwerk, werden bereits über 11 Mio. Tonnen stofflich verwertet. Bei den Siedlungsabfällen wird etwas mehr als die Hälfte separat gesammelt und rezykliert.

Der hohen Recyclingquote steht allerdings eine beträchtliche Abfallmenge gegenüber. In kaum einem anderen Land fällt pro Kopf derart viel Siedlungsabfall an. Mit rund 670 kg pro Person und Jahr gehört die Schweiz zu den Spitzenreitern in Europa (Abfallstatistik 2025).

Verankerung im Abfallmanagement

Kreislaufwirtschaft war in der Vergangenheit vor allem im Abfallmanagement ein Thema. Detaillierte Informationen zu Umweltauswirkungen, Separatsammlungen und Entsorgung finden sich deswegen im Abfallwegweiser.

Abfallwegweiser

Die Praxiserfahrungen und Forschung der letzten Jahre zeigen aber, dass ein besonders grosses Potenzial in der längeren Lebens- und Nutzungsdauer von Produkten liegt. Dadurch werden Ressourcen geschont und Umweltbelastungen aus Herstellung und Entsorgung reduziert.

Hinzu kommt, dass Recycling allein das Abfallaufkommen nicht ausgleichen kann. Selbst wenn alle Abfälle vollumfänglich rezykliert würden, liesse sich damit bloss ein Fünftel des hiesigen Materialbedarfs decken. Zudem entstehen auch im Recycling durch die Sammlung, Aufbereitung und Herstellung neuer Produkte Umweltbelastungen. Es braucht folglich weitere Strategien, die über das Recycling hinausgehen.

Dieser Tatsache trägt der Ansatz der Kreislaufwirtschaft Rechnung. Sie greift über das reine Abfallmanagement hinaus.

Betrachtet man das Thema aus der Perspektive der Wirtschaft ist noch viel Potenzial zu erkennen: 2024 waren erst rund 10 Prozent der Schweizer Unternehmen substanziell in der Kreislaufwirtschaft tätig. Substanziell deshalb, weil sie massgeblich in die Kreislaufwirtschaft investierten und mehrere Aktivitäten in diesem Bereich umsetzten.

Rahmenbedingungen stärken

Damit Kreislaufwirtschaft ihr Potenzial entfalten kann, braucht es die Zusammenarbeit zwischen Unternehmen, Staat und KonsumentInnen. Um hierfür eine Grundlage zu schaffen, haben die eidgenössischen Räte am 15. März 2024 die parlamentarische Initiative 20.433 «Schweizer Kreislaufwirtschaft stärken» verabschiedet.

Die Revisionen des Umweltschutzgesetzes (USG), des Energiegesetzes (EnG) und des Bundesgesetzes über das öffentliche Beschaffungswesen (BöB) schaffen einen übergeordneten gesetzlichen Rahmen für die Stärkung der Kreislaufwirtschaft in der Schweiz. Die Ziele sind damit die Umweltbelastung reduzieren sowie die Leistungsfähigkeit und Versorgungssicherheit der Schweizer Wirtschaft erhöhen.

Parallel zu den Entwicklungen auf Bundesebene gehen einige Kantone und Gemeinden weiter. Die Stadt Zürich beispielsweise hat 2022 als erste Schweizer Stadt eine Kreislaufwirtschaft-Strategie verabschiedet und bereits erste Erfahrungen bei der Umsetzung der Massnahmen gesammelt (Stand 2026). Darunter sind zum Beispiel die Reparaturförderung durch einen Reparaturbonus, Wiederverwendung im Bau und Reduktion von Lebensmittelverlusten. Der Kanton Zürich hat 2022, der Kanton Waadt 2025 Kreislaufwirtschaft in der Verfassung verankert. Es wurden konkrete Unterstützungsmassnahmen entwickelt, z. B. im Kanton Waadt durch einen Investitionskredit, damit die öffentliche Verwaltung in Sachen Wiederverwendung und nachhaltige Materialien am Bau als Vorbild voran gehen kann.

Stadt Zürich

Kanton Waadt

Sie wollen mehr drüber wissen, wie Kreislaufwirtschaft konkret aussieht? Dann entdecken Sie auf unseren Themenseiten, wie und wo Kreislaufwirtschaft in der Schweiz funktioniert:

Kreislaufwirtschaft in der Bundesverwaltung

Grundlagen für Massnahmen des Bundes sind das Nachhaltigkeitsprinzip der Bundesverfassung, das Vorsorge- und das Verursacherprinzip der Umweltschutzgesetzgebung sowie konkrete gesetzgeberische Vorgaben. Berücksichtigt werden dabei die umweltpolitischen Herausforderungen, die Zusammenarbeit mit der Wirtschaft, Entwicklungen beim Stand der Technik und der besten verfügbaren Technik durch Innovationen.

Unter «Kreislaufwirtschaft umsetzen» finden Sie mehr Informationen zu Kreislaufwirtschaft im Bereich der öffentlichen Verwaltung, der Wirtschaft und den KonsumentInnen. Auf den Seiten der Abteilungen «Abfall & Rohstoffe» sowie «Konsum & Wirtschaft» sind alle Grundlagen zu Vollzug und Rechtssetzung (Fachinformationen) zusammengestellt.

KLW Umsetzen

Abfall

Wirtschaft und Konsum

Kreislaufwirtschaft international

Kreislaufwirtschaft ist weltweit ein wichtiges Thema. Zwischen 2020 und 2025 hat sich die Verwendung des Begriffs in Artikeln, Studien und Debatten verdreifacht. Zahlreiche Länder und auch international agierende Unternehmen engagieren sich in der Umsetzung, denn auch sie haben erkannt, dass Kreislaufwirtschaft ein Weg ist, aktuellen Herausforderungen zu begegnen: z.B. verknappte Ressourcen, internationale Abhängigkeiten & Krisen, Reduktion von Abfall und Emissionen. Die verwendeten Strategien und fokussierten Sektoren unterscheiden sich dabei je nach Kontext.

Festzustellen ist zudem, dass der weltweite Markt für Kreislaufwirtschaft und Material- und Ressourceneffizienz in den letzten Jahren schneller gewachsen ist als der Weltmarkt als Ganzes.

Circularity Gap

Die Schweiz hat sich in Form von Abkommen und Verhandlungen zu einer Abstimmung mit ihren internationalen Partnern verpflichtet. So will sie die Kohärenz ihrer Massnahmen sicherstellen: z. B. mit dem Basler Übereinkommen, das die Kontrolle des grenzüberschreitenden Verkehrs mit gefährlichen Abfällen regelt, oder die Verhandlungen gegen Plastikverschmutzung. Der Internationale Rat für nachhaltiges Ressourcenmanagement des Umweltprogramms der Vereinten Nationen (UNEP) schafft mit dem Bericht «Global Resources Outlook» (IRP 2024) einen Referenzrahmen.

Kreislaufwirtschaft im europäischen Kontext

Die Europäische Kommission hat im Jahr 2015 ein Paket zur Kreislaufwirtschaft verabschiedet und unternimmt seither laufend Schritte, um die Kreislaufwirtschaft zu stärken, z. B. mit dem Circular Economy Action Plan (2020), der Ökodesign-Verordnung (2024), der revidierten Verpackungs-Richtlinie (2025) und der revidierten Bauprodukteverordnung (2024). Darüber hinaus plant die Europäische Kommission in gewissen Bereichen Rechtsvorschriften (z.B. Verpackungen, Batterien, Textilien, Fahrzeuge oder Elektrogeräte).

Hintergrund ist der Wunsch nach einer ressourceneffizienten und gleichzeitig wettbewerbsfähigen Wirtschaft, die die Umwelt schützt und lokale Unternehmen stärkt. Die für Kreislaufwirtschaft relevanten Sektoren beschäftigten in der EU bereits 2016 über vier Millionen Arbeitnehmende.

Abfall internationales

Zusätzlich zu diesen Entwicklungen gehen einige europäische Handelspartner und Handelspartnerinnen weiter, um Kreislaufwirtschaft auf nationaler Ebene zu fördern.

Weiterführende Informationen