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Veröffentlicht am 19. Januar 2026

Kreislaufwirtschaft (inter-)national

Kreislaufwirtschaft ist schon lange keine Randerscheinung mehr, sondern ein international anerkannter Ansatz. Staaten und Staatengemeinschaften, aber auch Unternehmen – national und international – haben erkannt, dass die Kreislaufwirtschaft ein Weg ist, um aktuellen Herausforderungen zu begegnen. Auch in der Schweiz ist Kreislaufwirtschaft seit mehreren Jahrzehnten verankert.

Kreislaufwirtschaft in der Schweiz

Als rohstoffarmes Land verfolgt die Schweiz bereits seit Mitte der 1980er Jahre Ansätze der Kreislaufwirtschaft – allen voran mit dem Recycling. Es ist ihr bereits gelungen, einige Kreisläufe zu schliessen. Von den jährlich bis zu 18 Mio. Tonnen Rückbaumaterialien wie Beton, Kies, Sand, Asphalt und Mauerwerk, werden bereits über 11 Mio. Tonnen wiederverwertet. Bei den Siedlungsabfällen wird etwas mehr als die Hälfte separat gesammelt und stofflich wiederverwertet.

Der hohen Recyclingquote steht allerdings eine gewaltige Abfallmenge gegenüber. In kaum einem anderen Land fällt gemessen an der Wohnbevölkerung derart viel Siedlungsabfall an: pro Person 664 kg Abfall im Jahr (2024). Damit gehört die Schweiz zu den Spitzenreitern in Europa.

Verankerung im Abfallmanagement

Kreislaufwirtschaft war dementsprechend in der Vergangenheit vor allem im Abfallmanagement ein Thema. Detaillierte Informationen zu Umweltauswirkungen, separate Sammlung und Entsorgung finden sich deswegen im Abfallwegweiser.

Abfallwegweiser

Trotzdem gibt es auch beim Recycling noch Potential, z. B. bei Textilfasern, Baumaterialien, Kunststoffen und biogenen Abfällen.

Da Kreislaufwirtschaft aber viel mehr ist als nur Recycling, betrifft das Thema nicht nur die Abfallwirtschaft. Deshalb arbeiten im BAFU auch mehrere Abteilungen zusammen.

Betrachtet man das Thema aus der Perspektive der Wirtschaft ist noch viel Potential zu erkennen: 2024 waren erst rund 10 % der Schweizer Unternehmen substanziell in der Kreislaufwirtschaft tätig. Substantiell meint, sie investierten einen massgebenden Anteil ihrer Investitionen in Kreislaufwirtschaft und setzten mehrere Aktivitäten in diesem Bereich um.

Rahmenbedingungen stärken

Damit Kreislaufwirtschaft ihr Potential entfalten kann, braucht es die Zusammenarbeit in einem definierten Rahmen: zwischen Unternehmen, Staat und Konsument:innen. Um hierfür eine Grundlage zu schaffen, haben die eidgenössischen Räte am 15. März 2024 die parlamentarische Initiative 20.433 «Schweizer Kreislaufwirtschaft stärken» verabschiedet.

Die Revisionen des Umweltschutzgesetzes (USG), des Energiegesetzes (EnG) und des Bundesgesetzes über das öffentliche Beschaffungswesen (BöB) schaffen nun einen übergeordneten gesetzlichen Rahmen für die Stärkung der Kreislaufwirtschaft in der Schweiz.

Curia Vista: 20.433 Schweizer Kreislaufwirtschaft stärken

Kreislaufwirtschaft in der Bundesverwaltung

Mehrere Bundesämter arbeiten daran, die internationale Ziele im Bereich der Nachhaltigen Entwicklung (SDG) zu erreichen. Dabei spielt auch die Kreislaufwirtschaft eine grosse Rolle: Gesundheit und Wohlergehen (SDG 3), sauberes Wasser (SDG 6), saubere Energie (SDG 7), Innovation (SDG 9), nachhaltige Städte und Gemeinden (SDG 11), verantwortungsvoller Konsum und Produktion (SDG 12), Klimaschutz (SDG 13), Leben unter Wasser (SDG 14) und an Land (SDG 15) und Partnerschaften (SDG 17). Das BAFU, das SECO und das ARE arbeiten zusammen, um Lösungen für den Schweizer Kontext zu entwickeln.

Kreislaufwirtschaft international

Kreislaufwirtschaft hat sich weltweit zu einem so genannten «Megatrend» entwickelt. Damit ist eine globale Veränderung gemeint, die Gesellschaft, Wirtschaft oder Umwelt dauerhaft prägt. Zwischen 2020 und 2025 hat sich die Verwendung des Begriffs in Artikeln, Studien und Debatten verdreifacht. Zahlreiche Länder und auch international agierende Unternehmen engagieren sich in der Umsetzung, denn auch sie haben erkannt, dass Kreislaufwirtschaft ein Weg ist, aktuellen Herausforderungen zu begegnen: verknappte Ressourcen, internationale Abhängigkeiten & Krisen, Reduktion von Abfall und Emissionen etc. Die verwendeten Strategien und fokussierten Sektoren unterscheiden sich dabei je nach Kontext.

Festzustellen ist zudem, dass der weltweite Markt für Kreislaufwirtschaft und Material- und Ressourceneffizienz in den letzten Jahren schneller gewachsen ist als der Weltmarkt als Ganzes.

https://www.circularity-gap.world

Die Schweiz hat sich in Form von Abkommen und Verhandlungen zu einer Abstimmung mit ihren internationalen Partnern verpflichtet. So will sie die Kohärenz ihrer Massnahmen sicherstellen: z. B. mit dem Basler Übereinkommen, das die Kontrolle des grenzüberschreitenden Verkehrs mit gefährlichen Abfällen regelt, oder die Verhandlungen gegen Plastikverschmutzung.

Kreislaufwirtschaft im europäischen Kontext

Die Europäische Kommission hat im Jahr 2015 ein Paket zur Kreislaufwirtschaft verabschiedet und unternimmt seither laufend Schritte, um die Kreislaufwirtschaft zu stärke, z. B. mit dem Circular Economy Action Plan (2020) und dem Circular Economy Act (vorgesehen 2026). Darüber hinaus hat die Europäische Kommission detailliertere Rechtsvorschriften zu spezifischen Strategien der Kreislaufwirtschaft (Ökodesign, Reparatur) sowie für relevante Sektoren (Verpackungen, Batterien, Textilien, Fahrzeuge, Elektrogeräte usw.) entwickelt.

Hintergrund ist der Wunsch nach einer ressourceneffizienten und gleichzeitig wettbewerbsfähigen Wirtschaft, die die Umwelt schützt und lokale Unternehmen stärkt. Die für Kreislaufwirtschaft relevanten Sektoren beschäftigten in der EU bereits 2016 über vier Millionen Arbeitnehmende.

Abfall internationales

Zusätzlich zu diesen Entwicklungen gehen einige europäische Handelspartner:innen weiter, um Kreislaufwirtschaft auf nationaler Ebene zu fördern (z. B. Reparaturindexes in Frankreich).

Weiterführende Informationen