Naturgefahren: Technische Massnahmen
Unter technischen Massnahmen versteht man Schutzbauten wie beispielsweise Lawinenverbauungen, Steinschlagschutznetze oder Hochwasserschutzdämme, die den Ablauf eines Naturereignisses entscheidend beeinflussen und somit die Gefahr verringern oder ganz verhindern. Schutzbauten werden insbesondere bei dauernd bewohnten Siedlungen, Verkehrswegen und Objekten mit hohem Sachwert errichtet.
Schutzbauten können sowohl im Entstehungsgebiet (z. B. Lawinenverbau im Anrissgebiet, Wildbachsperren), als auch im Transitgebiet (z. B. Hochwasserschutzdämme entlang von Fliessgewässern) oder im Wirkungsgebiet (z. B. Geschiebesammler, Rückhaltebecken) von Gefahrenprozessen errichtet werden.
Technische Massnahmen sind auf ein bestimmtes Bemessungsereignis (Szenario) ausgelegt, das bei der Massnahmenplanung festgelegt wird. Da aber auch grössere Naturereignisse möglich sind, muss das Verhalten der Schutzbauten auch im sogenannten Überlastfall abgeklärt werden. Bauwerke sollen selbst bei ausserordentlichen Belastungen nicht kollapsartig versagen und zu einem unkontrollierten, sprunghaften Anwachsen der Schäden führen. Dieses Risiko kann durch robust ausgelegte Schutzbauten verringert werden, die im Überlastfall gutmütig reagieren. Das Risiko im Überlastfall kann zudem durch planerische Massnahmen (Abflusskorridore) oder organisatorische Massnahmen (Notfallplanung) weiter reduziert werden. Dabei stellt ein robust geplantes Schutzkonzept sicher, dass die einzelnen Massnahmen optimal zusammenwirken und das Risiko im Überlastfall nicht auf einzelne Bauwerke abgestützt ist.
Technische Massnahmen beeinflussen ihre Umwelt. Sie müssen deshalb im Planungsverfahren sorgfältig mit anderen Ansprüchen wie dem Gewässerschutz, dem Natur- und Landschaftsschutz und der Landwirtschaft abgestimmt werden. Umgekehrt sind technische Massnahmen vielfältigen Umwelteinflüssen, beispielsweise Sickerströmungen, Korrosion oder Baugrundsetzungen, ausgesetzt, die ihre Zuverlässigkeit beeinträchtigen können. Sie sind deshalb im Rahmen des Schutzbautenmanagements periodisch auf ihre Wirksamkeit zu überprüfen. Eine Grundlage dafür bildet der Schutzbautenkataster. Die Wirkung von technischen Massnahmen wird anhand der Methode PROTECT evaluiert. Bei Schutzsystemen, welche nicht mehr in gutem Zustand sind, stellt sich die Frage, ob sie wieder ersetzt, angepasst oder gewechselt werden sollen. Hierzu bestehende Erfahrungen und Empfehlungen sind in der Publikation «Umgang mit alternden Schutzsystemen in Wildbächen» dokumentiert.
Umgang mit alternden Schutzsystemen in Wildbächen
Zum Schutz von Siedlungen und Verkehrswegen gegen Stein- und Blockschlag wurden und werden oft Dammbauwerke geplant und errichtet. Wenn die Platzverhältnisse es erlauben, wird häufig den Steinschlagschutzdämmen der Vorzug vor Netzen gegeben. Grundlagen für die Bemessung dieser Schutzbauwerke für den Lastfall "Impakt auf einen Schutzdamm" fehlen. Das Projekt AERES ("Analysis of existing rockfall embankments of Switzerland") wurde daher zwischen 2015 und 2017 abgewickelt. Daraus können Regeln für die Bemessung der Steinschlagschutzdämme hergeleitet werden.
Technische Massnahmen sind oftmals sehr aufwändig. Im Rahmen des Planungsverfahrens muss deshalb ihre Wirkung und Wirtschaftlichkeit beurteilt werden. Für technische Massnahmen, die vom BAFU mitfinanziert werden, ist diese Beurteilung obligatorisch; für Einzelprojekte mit dem Internet-Tool EconoMe.
Programmvereinbarungen und Einzelprojekte im Bereich Naturgefahren
Wichtige Dokumente und Publikationen
Hochwasserschutz
Lebensraum Gewässer – Sedimentdynamik und Vernetzung
Praxisorientierte Forschung im Bereich Wasserbau und Ökologie
Schwemmholz in Fliessgewässern
Ein praxisorientiertes Forschungsprojekt
Ingenieurbiologische Bauweisen im naturnahen Wasserbau
Praxishilfe
Leitbild Fliessgewässer Schweiz
Für eine nachhaltige Gewässerpolitik
Umgang mit Lawinenverbauungen aus Steinmauern und Mauerterrassen
Anleitung für die Praxis
Rutschungen: Hydrogeologie und Sanierungsmethoden durch Drainage
Leitfaden