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Veröffentlicht am 6. November 2024

Naturgefahren: Technische Massnahmen

Unter technischen Massnahmen versteht man Schutzbauten wie beispielsweise Lawinenverbauungen, Steinschlagschutznetze oder Hochwasserschutzdämme, die den Ablauf eines Naturereignisses entscheidend beeinflussen und somit die Gefahr verringern oder ganz verhindern. Schutzbauten werden insbesondere bei dauernd bewohnten Siedlungen, Verkehrswegen und Objekten mit hohem Sachwert errichtet.

Schutzbauten können sowohl im Entstehungsgebiet (z. B. Lawinenverbau im Anrissgebiet, Wildbachsperren), als auch im Transitgebiet (z. B. Hochwasserschutzdämme entlang von Fliessgewässern) oder im Wirkungsgebiet (z. B. Geschiebesammler, Rückhaltebecken) von Gefahrenprozessen errichtet werden.

Technische Massnahmen sind auf ein bestimmtes Bemessungsereignis (Szenario) ausgelegt, das bei der Massnahmenplanung festgelegt wird. Da aber auch grössere Naturereignisse möglich sind, muss das Verhalten der Schutzbauten auch im sogenannten Überlastfall abgeklärt werden. Bauwerke sollen selbst bei ausserordentlichen Belastungen nicht kollapsartig versagen und zu einem unkontrollierten, sprunghaften Anwachsen der Schäden führen. Dieses Risiko kann durch robust ausgelegte Schutzbauten verringert werden, die im Überlastfall gutmütig reagieren. Das Risiko im Überlastfall kann zudem durch planerische Massnahmen (Abflusskorridore) oder organisatorische Massnahmen (Notfallplanung) weiter reduziert werden. Dabei stellt ein robust geplantes Schutzkonzept sicher, dass die einzelnen Massnahmen optimal zusammenwirken und das Risiko im Überlastfall nicht auf einzelne Bauwerke abgestützt ist.

Technische Massnahmen beeinflussen ihre Umwelt. Sie müssen deshalb im Planungsverfahren sorgfältig mit anderen Ansprüchen wie dem Gewässerschutz, dem Natur- und Landschaftsschutz und der Landwirtschaft abgestimmt werden. Umgekehrt sind technische Massnahmen vielfältigen Umwelteinflüssen, beispielsweise Sickerströmungen, Korrosion oder Baugrundsetzungen, ausgesetzt, die ihre Zuverlässigkeit beeinträchtigen können. Sie sind deshalb im Rahmen des Schutzbautenmanagements periodisch auf ihre Wirksamkeit zu überprüfen. Eine Grundlage dafür bildet der Schutzbautenkataster. Die Wirkung von technischen Massnahmen wird anhand der Methode PROTECT evaluiert. Bei Schutzsystemen, welche nicht mehr in gutem Zustand sind, stellt sich die Frage, ob sie wieder ersetzt, angepasst oder gewechselt werden sollen. Hierzu bestehende Erfahrungen und Empfehlungen sind in der Publikation «Umgang mit alternden Schutzsystemen in Wildbächen» dokumentiert.

Umgang mit alternden Schutzsystemen in Wildbächen

Zum Schutz von Siedlungen und Verkehrswegen gegen Stein- und Blockschlag wurden und werden oft Dammbauwerke geplant und errichtet. Wenn die Platzverhältnisse es erlauben, wird häufig den Steinschlagschutzdämmen der Vorzug vor Netzen gegeben. Grundlagen für die Bemessung dieser Schutzbauwerke für den Lastfall "Impakt auf einen Schutzdamm" fehlen. Das Projekt AERES ("Analysis of existing rockfall embankments of Switzerland") wurde daher zwischen 2015 und 2017 abgewickelt. Daraus können Regeln für die Bemessung der Steinschlagschutzdämme hergeleitet werden.

Technische Massnahmen sind oftmals sehr aufwändig. Im Rahmen des Planungsverfahrens muss deshalb ihre Wirkung und Wirtschaftlichkeit beurteilt werden. Für technische Massnahmen, die vom BAFU mitfinanziert werden, ist diese Beurteilung obligatorisch; für Einzelprojekte mit dem Internet-Tool EconoMe.

EconoME

Programmvereinbarungen und Einzelprojekte im Bereich Naturgefahren

Wichtige Dokumente und Publikationen

Hochwasserschutz

25. April 2023

Lebensraum Gewässer – Sedimentdynamik und Vernetzung

Praxisorientierte Forschung im Bereich Wasserbau und Ökologie

PDF14.58 MB

20. Januar 2019

Schwemmholz in Fliessgewässern

Ein praxisorientiertes Forschungsprojekt

PDF14.63 MB

31. Mai 2010

Ingenieurbiologische Bauweisen im naturnahen Wasserbau

Praxishilfe

PDF3.92 MB

20. November 2003

Leitbild Fliessgewässer Schweiz

Für eine nachhaltige Gewässerpolitik

PDF1.03 MB

15. Juni 2011

Umgang mit Lawinenverbauungen aus Steinmauern und Mauerterrassen

Anleitung für die Praxis

PDF2.64 MB

10. Januar 2010

Rutschungen: Hydrogeologie und Sanierungsmethoden durch Drainage

Leitfaden

PDF11.76 MB

2. Februar 2018

Grundlagen zur Qualitätsbeurteilung von Steinschlagschutznetzen und deren Fundation

PDF2.69 MB