Viel Schnee in den Bergen: Droht ein grosses Hochwasser im Frühling?

12.04.2018 - Die grossen Schneemengen in den Bergen lassen mancherorts Erinnerungen an den schneereichen Winter 1998/99 aufkommen: Folgen nun wie damals grosse Überschwemmungen im Frühling? Die Frage kann heute noch nicht beantwortet werden, da dies vor allem von der weiteren Wetterentwicklung abhängt. Fest steht aber, dass zurzeit in den Bergen vielerorts weniger Schnee liegt als Anfang April 1999.

Viel Schnee im Wallis
Schnee: Im Wallis liegt sehr viel Schnee, wie hier Ende Januar 2018 in Belwald.
© BAFU/Philippe Gyarmati

Im Januar 2018 ist in den Alpen verbreitet sehr viel Schnee gefallen. Es herrschte zeitweise sehr grosse Lawinengefahr, die mancherorts Erinnerungen an den Winter 1998/99 und die Hochwasser im Frühling aufkommen liess. Tatsächlich kommen die Schneehöhen in einigen Regionen an die Werte von 1999 heran. Insbesondere im Wallis liegt gegenwärtig immer noch sehr viel Schnee, in hohen Lagen teilweise über vier Meter und damit bis zu doppelt so viel wie im langjährigen Mittel.

Einen Unterschied gibt es: Während 1999 auch in tiefen Lagen viel Schnee lag, gibt es aktuell und je nach Region nur in Höhenlagen oberhalb von rund 1800 m ü.M. überdurchschnittlich viel Schnee.


Geringerer Wassergehalt im Schnee als 1999

Für die Abschätzung einer allfälligen Hochwassergefahr durch Schneeschmelze ist jedoch weniger die Schneehöhe als vielmehr der Wassergehalt der Schneedecke (in der Fachsprache: Schneewasseräquivalent) massgebend. Insgesamt enthält der Schnee in den Alpen weniger Wasser als im Jahr 1999. Der Schnee im Wallis jedoch, im Einzugsgebiet der Rhone, hat zurzeit einen viel höheren Wassergehalt als durchschnittlich in dieser Jahreszeit.

Schneeschmelze alleine führt nicht zu Überschwemmungen

Ob es im Frühling oder Frühsommer zu einem grossen Hochwasser kommen kann, hängt von der Wetterentwicklung in den kommenden Wochen ab. Wird der Frühling weiterhin warm und trocken, schmilzt der Schnee ab. Es kommt zwar zu einem erhöhten Wasserabfluss aus den Alpen, aber es droht kein Hochwasser.

Schneeschmelze und Hochwasser – was braucht es dazu?
Der Schnee schmilzt im Regen, viel Wasser fliesst von den Bergen ab und Flüsse und Seen können Hochwasser führen.

Folgende Faktoren braucht es für ein Frühlingshochwasser – so wie dies auch im Frühling 1999 der Fall war:

  • Niederschläge oder beginnende Schneeschmelze im April, sodass in tiefer liegenden Regionen die Böden gesättigt und Flüsse und Seen gefüllt sind
  • längere Wärmeperiode, starker Anstieg der Nullgradgrenze in den Bergen
  • starke, lang anhaltende Niederschläge mit hoher Schneefallgrenze und somit Regen bis in hohe Lagen, der den Schnee schmelzen lässt

Anfang April 2018 herrschte in den Alpen noch tiefer Winter. Aufgrund der vergangenen warmen Frühlingstage beginnt sich die Schneedecke nun auch in höheren Lagen zu erwärmen, sodass der Schnee feucht wird und schmelzen kann.

Aktuelle Abflussvorhersagen und Lagebeurteilungen

Das BAFU beobachtet die Situation zusammen mit dem WSL-Institut für Schnee- und Lawinenforschung SLF, MeteoSchweiz und den kantonalen Fachstellen laufend und erstellt täglich Abflussvorhersagen, die im Internet veröffentlicht werden. Zweimal pro Woche publiziert das BAFU ein hydrologisches Bulletin, in dem die aktuelle Lage beschrieben wird, gegebenenfalls auch mit einer Einschätzung der Schneesituation.

Hydrologische Vorhersagen des BAFU

Hydrologisches Bulletin des BAFU

Bach mit viel Wasser (aber ohne Hochwasser-Schäden)
Nicht immer führt ein Hochwasser zu grossen Schäden. Hier die Simme (BE) unterhalb der Plaine Morte im August 2014.
© BAFU/Philippe Gyarmati

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Letzte Änderung 10.04.2018

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