Hochwasserereignis vom 10./11. Oktober 2011

11.10.2011 - Hydrologischer Spezialbericht des Bundesamtes für Umwelt BAFU Im Berner Oberland, in der Zentralschweiz und im Wallis sind am Montag, 10. Oktober 2011 zahlreiche Flüsse über die Ufer getreten. An verschiedenen Messstationen des Bundesamtes für Umwelt wurden für den Oktober neue Höchstwerte registriert. Die Bilder der hohen Abflussmengen erinnern an das Hochwasser im August 2005. Mehrere Eisenbahnlinien und Strassen sind unterbrochen worden und weitere Schäden sind aufgetreten. Hinweis: Alle erwähnten Messdaten sind provisorisch.

Feuchte Warmluft führt zu markantem Tauwetter

Am Alpennordhang sind vom Donnerstag 6. Oktober bis am Montag 10. Oktober flächig 70 bis über 120 mm Niederschlag gefallen. Es handelt sich dabei um ein Ereignis, dass nur etwa alle 5 bis 10 Jahre einmal vorkommt. Ebenso bemerkenswert waren die Neuschneemengen, die am Samstag und in der Nacht auf Sonntag gefallen sind.

Während die Schneefallgrenze am Samstag gemäss Informationen der MeteoSchweiz noch vorübergehend unter 1000 m ü.M. lag, stieg sie am Montagvormittag infolge der feuchten Warmluft aus den subtropischen Breiten auf über 3000 m ü.M. an. Das markante Tauwetter führte dazu, dass ein beträchtlicher Teil der zuvor gefallenen Schneemengen rasch schmolz und mit den erneuten Niederschlägen ab Sonntagnacht bis Montagmittag im Alpenraum zu Hochwasser führte.

Hochwasser im Berner Oberland und in der Zentralschweiz

Die Pegel der Kander und Lütschine im Berner Oberland stiegen innerhalb von wenigen Stunden fast auf dasselbe Niveau an wie im August 2005. An der Kander bei Hondrich wurde am Montagmittag eine Abflussspitze von 265 m3/s gemessen, was einem über 100-jährlichen Ereignis (HQ100) entspricht (Jährlichkeit >100). Ein HQ100 ist eine Abflussmenge, die statistisch im Durchschnitt einmal in 100 Jahren erreicht oder überschritten wird. Diese Abflussspitze von 265 m3/s entspricht einem neuen Oktober-Höchstwert seit Messbeginn 1981. Der bisher höchste gemessene Abflusswert von 273 m3/s wurde jedoch am 22. August 2005 registriert. Im Vergleich zum damaligen Hochwasser trat aber die Abflussspitze bei diesem Ereignis in wesentlich kürzerer Zeit auf.

Die Abflussganglinie an der Kander bei Hondrich vom August 2005 (dunkelrot) verglichen mit derjenigen vom Oktober 2011 (dunkelblau) (provisorische Daten).
Kander - Hondrich: Vergleich der Abflussganglinien 2005 und 2011

Die Abflussganglinie an der Kander bei Hondrich vom August 2005 (dunkelrot) verglichen mit derjenigen vom Oktober 2011 (dunkelblau) (provisorische Daten).

Die Abflussganglinie an der Aare bei Brienzwiler vom August 2005 (dunkelrot) verglichen mit derjenigen vom Oktober 2011 (dunkelblau) (provisorische Daten). Verglichen zum August 2005 wurde im Oktober 2011 die Abflussspitze in viel kürzerer Zeit erreicht als damals, dagegen sind die Abflussvolumina geringer.
Aare - Brienzwiler: Vergleich der Abflussganglinien 2005 und 2011

Die Abflussganglinie an der Aare bei Brienzwiler vom August 2005 (dunkelrot) verglichen mit derjenigen vom Oktober 2011 (dunkelblau) (provisorische Daten). Verglichen zum August 2005 wurde im Oktober 2011 die Abflussspitze in viel kürzerer Zeit erreicht als damals, dagegen sind die Abflussvolumina geringer.

Andere Rekorde für den Oktober verzeichneten auch die Aare bei Brienzwiler, die Lütschine und der Allenbach. Dementsprechend sind auch der Thuner- und Brienzersee angestiegen, weshalb am Montagnachmittag der Entlastungsstollen in Thun in Betrieb genommen wurde. Dies führte zu einem Anstieg der Aare unterhalb von Thun. An der Aare bei Thun wurde am Abend ein über 20-jährliches und flussabwärts in Bern ein über 5-jährliches Hochwasser registriert.

Auch in der Zentralschweiz führten die Gewässer hohe Abflussmengen, wobei zahlreiche von ihnen ebenfalls Oktober-Höchstwerte seit Messbeginn verzeichneten. An der Engelberger Aa wurde ein über 30-jährliches Hochwasser, am Alpbach ein über 20-jährliches Hochwasser und an der Linth, der Seez, der Muota und der Schächen ein über 10-jährliches Hochwasser gemessen. Entsprechend sind auch die Pegel des Walen- und des Vierwaldstättersees angestiegen.

Das Lötschental war ebenfalls stark von Hochwasser und Rutschungen betroffen. An der Lonza bei Blatten wurde ein über 30-jährliches Hochwasser registriert.

Die Ganglinien des Wasserstandes (schwarz) und des Abflusses (blau) vom 09.-11.10.2011 der Stationen Kander - Hondrich und Engelberger Aa - Buochs (provisorische Daten)
Hochwassersituation der Fliessgewässer am 10.10.2011: Vergleich der maximalen Abflüsse mit der Hochwasserstatistik.

Die bisherigen Oktober-Höchstwerte wurden am deutlichsten beim Allenbach, der Seez, der Kander, dem Alpbach und der Schächen übertroffen. An der Kander bei Hondrich betrug der bisherige Höchstwert im Oktober 150 m3/s und wurde im Jahr 2000 registriert.

Entspannung der Situation an den Folgetagen

Nachdem die Niederschläge am Montagnachmittag nachgelassen hatten, gingen während der Nacht auf Dienstag auch die Wasserstände wieder zurück. Einzig der Walensee stieg am Dienstag immer noch leicht an und der Abfluss der Aare unterhalb des Thunersees entsprach immer noch einem 10-jährlichen Hochwasser. Mit dem darauffolgenden trockenen Herbstwetter hat sich die Situation in den Tagen danach wieder entspannt.

Aktuelle Daten im Internet

Das BAFU beobachtet und misst die Wasserstände an Schweizer Fliessgewässern und Seen sowie des Grundwassers. Die Daten sowie das Naturgefahrenbulletin und das hydrologische Bulletin werden laufend aktualisiert und im Internet publiziert.

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Letzte Änderung 19.09.2014

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