Forum «Biogene Abfälle»

29. November 2018

Die Menge der biogenen Abfälle ist mit jährlich über 5 Mio. Tonnen beachtlich. Aus biogenen Abfällen lässt sich durch die Verbrennung Wärme und Elektrizität gewinnen. Im Sinne einer nachhaltigen Nutzung ist es wünschenswert, wertvolle Rohstoffe für hochwertige Produkte wie Kompost oder Biogas zurückzugewinnen. So sieht es auch die seit 1. Januar 2016 in Kraft getretene Verordnung über die Vermeidung und die Entsorgung von Abfällen (VVEA) vor.

Doch wann ist welche Art der Verwertung, stofflich oder energetisch, sinnvoll? Wann eignet sich ein kombiniertes Verfahren? Welche Kriterien müssen bei Entscheidungen berücksichtigt werden?

Am Forum präsentierten Vertreterinnen und Vertreter der Forschung, der Wirtschaft und der Kantonsbehörden ihre Sicht und Erfahrung. Klar ist: die Frage lässt sich nicht einfach beantworten. Pro Stoff spielen oft zahlreiche Faktoren eine Rolle, wie beispielsweise die Qualität des Abfalls, die verfügbaren technischen Möglichkeiten, die Abwägung von Kosten und Nutzen oder auch ethischer Kriterien. Der ganzen Thematik vorgelagert steht die Abfallvermeidung, womit ihr eine zentrale Bedeutung zukommt.

Um den Entscheidungsprozess vereinfachen zu können, braucht es ein Bewertungsraster. Die Frage, wie dieses genau ausgestaltet sein soll, konnte am Forum nicht abschliessend geklärt werden. Doch der Austausch unter den Akteuren hat wichtige Inputs geliefert. Sie fliessen in die Erarbeitung der Vollzugshilfe ein. Die Diskussion ist nachfolgend kurz zusammengefasst.

 


Präsentationen

(nur auf deutsch resp. französisch) 


Stoffliche oder energetische Verwertung

Welche Verwertung sich für welchen Stoff eignet, wird in vielen Fällen durch den Markt entschieden. So ist es beispielsweise ökonomisch höchst lukrativ und gleichzeitig ökologisch sinnvoll, Gold zu recyceln. Bei biogenen Abfällen ist es hingegen oft ein Abwägen verschiedener Kriterien. Welche Anlagen sind wo überhaupt vorhanden, wie sind die Transportwege usw. Einige Kantone haben Listen mit wichtigen Kriterien erstellt und entscheiden dann nach Art des biogenen Abfalls, welche Verwertung angewandt wird. Zum Teil wird auch nach dem „bon sense“ entschieden, bzw. dem gesunden Menschenverstand. Ein Bewertungsraster in Form eines Entscheidbaums wird als hilfreich erachtet. Dies auch, weil laufend neue Substrate aus der Industrie hinzukommen.

Entscheide können auf der Grundlage von Umweltbilanzen gefällt werden. Diese sind, trotz Ungenauigkeit, ein wertvolles Hilfsmittel. Die Schwierigkeit besteht darin, beispielsweise die Erhaltung von Boden oder den Wert von Biomasse zu beziffern. Auch wird die Frage gestellt, ob die graue Energie, die in einem Produkt steckt, in Berechnungen berücksichtigt wird. Generell wird festgehalten, dass es zahlreiche Unsicherheiten gibt.

Für die KVA ist die Frage nach dem Wassergehalt eines Produkts von Bedeutung. Je höher der Wassergehalt bei einem Stoffe ist, desto weniger eignet er sich für die Verbrennung in der KVA. 

 

Die Verwertung von Altholz

Ein Grossteil der biogenen Abfälle ist Holz. Hier gilt es unter anderem abzuwägen, welche Vor- und Nachteile die Verwertung im In- oder Ausland hat. Fest steht, dass für eine Energienutzung aus Holzabfällen die Anlagen entsprechend ausgestattet sein müssen. Zwischen den in der Schweiz laufenden Anlagen gibt es Qualitätsunterschiede, etwa in Bezug auf den Anteil an unverbranntem Material in der Asche. Auch die Kontrollen durch die Kantone sind nicht überall gleich. Einige Kantone verlangen Dauermessungen.

Ein Thema sind auch die saisonalen Schwankungen der Ressource Holz. Im Sommer fällt mehr Altholz an als im Winter. Für eine Energieerzeugung übers Jahr hin müsste Holz gelagert werden.

Holz gilt als CO2-neutrale Ressource. Im Hinblick auf die CO2-Bilanz der Schweiz ist es sinnvoll, möglichst viel Holz in der Schweiz zu verbrennen. Es wird der Einwand geäussert, dass es für das globale Klima keine Rolle spiele, wo das Holz verbrannt wird. Weiter wird die Idee einer CO2 Steuer auf importierten Produkten erwähnt, analog der Steuer, die es auf dem Export gibt.

Spielt die Ökobilanz des Holzes eine Rolle, also beispielsweise woher das Holz kommt und wieviel graue Energie darin steckt? Oder geht es einfach um Holz, das hier und heute da ist? 

 

Menge und Qualität von Grüngut

Diskutiert wurde unter anderem, ob die Mengen an separat gesammeltem Grüngut gesteigert werden können. Gegenüber den hohen Erwartungen von Biomasse Schweiz äussern sich kritische Stimmen. Es gebe eine beachtliche Anzahl privater Haushalte, die bei der Grüngutsammlung nicht mitmachen wollten, da ihr Anteil zu gering sei.

Ein wichtiges Thema ist die Verbesserung der Qualität von Kompost und Gärgut. Hierzu liegt demnächst eine Vollzugshilfe vor. In Bezug auf Kunststoffe in Kompost und Gärgut gilt für das BAFU je länger je mehr die Null-Toleranz. Grund ist auch die Landwirtschaft, welche kein verunreinigtes Material auf den Feldern will.

Thema in diesem Zusammenhang ist die digitale Grüngut-Tonne. Sie ermöglicht Erkenntnisse darüber, was von wem eingeworfen wird.

Oft ist schon heute bekannt, welche Quartiere oder welche Häuser/Blöcke für viel Plastik im Grüngut verantwortlich sind. Ist es möglich, dieses Material gar nicht erst in die Kompostieranlage zu bringen? Konkurrieren sich hier die Anlagen untereinander? Und wer trägt die Kosten die daraus entstehen, wenn Material abgewiesen wird?

Rund um den Umgang mit Plastik resp. dessen Reduktion gibt es derzeit viele politische Forderungen. In der EU ist ein Plastikverbot ein Thema. In der Schweiz wurde im August 2018 von der Kommission für Umwelt, Raumplanung und Energie NR die Motion „Weniger Plastikmüll in Gewässern und Böden“ eingereicht. Das BAFU betont, dass die Plastik-Diskussion ein eigener Schauplatz ist. Innerhalb der Abfallvermeidung wird beim Plastik kein grosser Hebel für Massnahmen gesehen. Aus dem Plenum kommt auch der Hinweis, dass man in der Schweiz generell die Stoffflüsse noch zu wenig kenne. Was gelangt wirklich in die Umwelt und wo gibt es keine Probleme. 

 

 

Abfallvermeidung

In der Schweiz nimmt das Abfallaufkommen mit steigendem Wohlstand zu. Es ist daher zentral, dass nicht nur die Entsorgung von Abfällen optimiert wird, sondern die ganze Wertschöpfungskette so umgestaltet wird, dass generell weniger Abfall anfällt. Einige Stoffkreisläufe sind bereits geschlossen. Welche weiteren Stoffkreisläufe lassen sich noch schliessen? Welche Materialmengen lassen sich verringern? Wie lässt sich die Qualität der Kreisläufe verbessern?

Das BAFU erarbeitet derzeit eine Strategie zur Abfallvermeidung. Darin sollen die wichtigen Ansatzpunkte für Massnahmen identifiziert werden. Ob es auch regulierende Massnahmen geben wird, ist derzeit noch offen. Das BAFU betont, dass es eine BAFU-Strategie sein wird, für die auch das BAFU die Verantwortung tragen wird. Ziel der Strategie ist unter anderem die Sensibilisierung, zum Beispiel auf die Ressource Phosphor. 

 

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Letzte Änderung 29.01.2019

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