Phosphorrecycling: wie weiter? - 30.08.2017

Rückblick Phosphor-Tagung: Die beiden Bundesämter BAFU und BLW dürfen auf eine erfolgreiche Tagung zurückblicken, die am 30. August 2017 zum Thema Phosphorrecycling stattfand. Vertreter aus der Wirtschaft, der Wissenschaft und der öffentlichen Hand diskutierten über die neuen Grenzwerte von mineralischen Recyclingdünger sowie über Chancen und Hürden der Umsetzung.

Phosphorhaltiger Apatite-Stein
© BAFU

Seit dem 1. Januar 2016 ist es klar: Ab dem Jahr 2026 muss Phosphor aus dem Abwasser, dem Klärschlamm oder aus Klärschlammasche zurückgewonnen und stofflich verwertet werden. So steht es in der neuen Verordnung über die Vermeidung und Entsorgung von Abfällen (VVEA). In Bern trafen sich Akteure aus Wirtschaft, Wissenschaft und der öffentlichen Hand zu einem Austausch über das Thema Phosphorrecycling. Eines wurde sehr schnell klar an der Tagung: alle Akteure stehen hinter dem Ziel, den Phosphor zu recyceln und somit einen wertvollen Beitrag zur nachhaltigen Rohstoffnutzung zu leisten. Phosphorrecycling lohnt sich aus ökologischer Sicht und ist auch eine Chance für die Schweizer Wirtschaft. In der Umsetzung warten noch einige Aufgaben und es gibt offene Fragen zu beantworten wie zum Beispiel die nach den gesellschaftlichen Gesamtkosten. „In der Umsetzung bis 2026 gibt es nicht einen Königsweg“, sagte Karine Siegwart, Vize-Direktorin des BAFU an ihrer Eröffnungsrede. „Es braucht Technologien im industriellen Massstab und der Wissens- und Erfahrungsaustausch mit allen Akteuren ist sehr wichtig“.

Das Programm war vielfältig. Am Vormittag gab es Präsentationen zu den Phosphorflüssen der Schweiz, eine Beurteilung verschiedener Technologien, die Phosphorrückgewinnung des Kantons Zürichs sowie ein Blick über die Grenzen nach Deutschland, Österreich und in die EU. Am Nachmittag stellten das BLW und Acroscope die neue Düngerkategorie „mineralischer Recyclingdünger“ vor, berichteten über Herleitung der Schadstoffgrenzwerte für den neuen Dünger und den Vorschlag für neue gesetzliche Regelungen für mineralischen Recyclingdünger.

Sieben Akteure legten ihren Standpunkt dar:

Kurzstatements


Christian Kopp, Agricura
Christian Kopp, Agricura

"Der Verband begrüsst grundsätzlich das Phosphorrecycling und die neuen Grenzwerte. Es gibt drei wichtige Punkte zu beachten: Erstens darf das neue Produkt, der mineralische Recycling-Dünger, nicht teurer sein als die heutigen mineralischen Dünger. Zweitens ist die Akzeptanz höher, wenn die Grossverteiler rasch mit ins Boot genommen werden. Und drittens wäre wünschenswert, wenn keine separate Deklaration auf den Verpackungen aufgeführt werden muss. Gleiche Kennzeichnung wie mineralische Phosphate."


David Brugger, Bauernverband, Geschäftsbereich Pflanzenbau
David Brugger, Bauernverband, Geschäftsbereich Pflanzenbau

„Die Landwirtschaft begrüsst die Phosphor-Recyclingdünger im Sinne einer nachhaltigen Landwirtschaft,
geschlossenen Kreisläufen und einer Selbstversorgung mit Phosphor. Die Preise müssen allerdings konkurrenzfähig sein. Der Bauernverband erwartet zudem sichere Grenzwerte in Bezug auf Schadstoffe, konstante Qualität und gute Pflanzenverfügbarkeit sowie eine gute Ausbringbarkeit“.


Georges Spicher, Direktor cemsuisse
Georges Spicher, Direktor cemsuisse

„Das Ziel der cemsuisse ist, den Klärschlamm weiterhin im Zementwerk zu verwerten. Wir finden das Budenheim-Verfahren, bei dem der Phosphor in der Nassphase zurückgewonnen wird, als sehr zielführend. Der zurückgewonnene Phosphor weist im Vergleich zu andern Verfahren sehr tiefe Schwermetallgehalte auf. Es ist unser Wunsch, dass es einen Wettbewerb der verschiedenen Rückgewinnungsverfahren gibt.“


Oliver Steiner, Cercle Déchets
Oliver Steiner, Cercle Déchets (Kanton Bern)

„Die Pflicht zur Umsetzung gilt ab dem 1.1.2026 - Die Kantone nehmen ihre Pflicht wahr und legen in den kommenden Jahren ihre Strategie fest. Es gibt verschiedene Verfahren, welche angewendet werden können. Wichtig ist, dass bestehende Infrastrukturen berücksichtigt und genutzt werden. Überregionale Lösungen werden angestrebt, welche nicht an einer Kantonsgrenze aufhören. Die Produkte aus der P-Rückgewinnung müssen die Grenzwerte für Recyclingdünger einhalten“.


Beat Ammann, Vizepräsident OKI (Organisation kommunale Infrastruktur + Direktor ara region bern ag)
Beat Ammann, Vizepräsident OKI (Organisation kommunale Infrastruktur + Direktor ara region bern ag)

"Aus unserer Sicht sind die Kosten der springende Punkt. Was kostet die thermische Verwertung des Klärschlamms künftig? Wer ist Abnehmer des rezyklierten Phosphors? Es braucht konkurrenzfähige und beherrschbare Verfahren. Wir erwarten eine enge Zusammenarbeit der betroffenen Akteure“.


Robin Quartier, Geschäftsführer VBSA
Robin Quartier, Geschäftsführer VBSA (Verband der Betreiber Schweizerischer Abfallverwertungsanlagen)

 „Schluss mit dem fröhlichen Chaos. Wir müssen jetzt die P-Rückgewinnung umsetzen. Dabei müssen wir uns vom Kantönligeist verabschieden und die Kräfte bündeln. Es braucht einen wegweisenden Entscheid. Wir schlagen eine zentrale Anlage vor, die aus Aschen Phosphorsäure produziert. Nach Art. 81 der Bundesverfassung könnte sich der Bund an der Finanzierung dieser strategischen Infrastruktur beteiligen“.


Christian Abegglen
Christian Abegglen, VSA (Verband Schweizer Abwasser- und Gewässerschutzfachleute), Leiter Fachbereich Abwasserreinigung

"Der Verband unterstützt das P-Recycling, hat aber noch keine konsolidierte Meinung gefasst, unterstützt aber das Schliessen der Kreisläufe. Wir erwarten, dass sowohl die Entsorgungssicherheit garantiert und für die Betreiber eine Planungs- und Investitionssicherheit gewährleistet wird. Offene Fragen bestehen vor allem bei den Verantwortlichkeiten, der Verarbeitungskette und der Finanzierung."


Die abschliessende Diskussion brachte die offenen Fragen auf den Punkt:

  • Welches sind für die Schweiz die geeigneten technologischen Verfahren?
  • Wie kann man eine Akzeptanz schaffen für den Recyclingdünger? Gibt es einen Markt für den neuen Recyclingdünger?
  • Wie ist der Recyclingdünger zu deklarieren?
  • Wann ist eine Reach-Genehmigung für die Recyclingprodukte notwendig?
  • Wie viele Anlagen zur P-Rückgewinnung braucht die Schweiz?
  • Wie muss die Kommunikation und Vermarktung der Recyclingprodukte gestaltet werden?
  • Wie hoch sind die Kosten des Phosphorrecyclings?
  • Wie sehen die Inhalte der Vollzugshilfe von phosphorreichen Abfällen zur VVEA aus?

All diese Fragen müssen geklärt werden. Es ist ein multikomplexes Thema, das die Akteure gemeinsam angehen müssen. Es bedeutet Pionierarbeit, denn Phosphor-Recycling ist das erste grosse Dossier wo es um das Schliessen von Kreisläufen geht. Die beiden Bundesämter BAFU und BLW nehmen ihre Verantwortung wahr.


Präsentationen und Referate (nur deutsch)

Phosphorrecycling: Wie weiter? (PDF, 987 kB, 30.08.2017)Phosphor-Tagung, Präsentation Karine Siegwart, Bundesamt für Umwelt (BAFU)

P-Flüsse in der Schweiz: Stand, Entwicklung und Treiber (PDF, 409 kB, 30.08.2017)Phosphor-Tagung, Präsentation Claudia Binder, Jonas Mehr, Laboratory for Human Environment Relations in Urban Systems (HERUS), EPFL

Technologien zur Phosphor-Rückgewinnung (PDF, 2 MB, 30.08.2017)Phosphor-Tagung, Präsentation Andy Spörri, Ernst Basler + Partner

Strategie Klärschlammverwertung und P-Rückgewinnung Kanton Zürich (PDF, 2 MB, 30.08.2017)Phosphor-Tagung, Präsention Leo S. Morf, Amt für Wasser, Energie und Luft (AWEL), Zürich

Phosphor-Rückgewinnung: Gesetze, Verordnungen und technische Möglichkeiten (PDF, 1 MB, 30.08.2017)Phosphor-Tagung, Präsentation Daniel Frank, Deutsche Phosphorplattform DPP

Einführung in das Projekt "MinRec" (PDF, 140 kB, 30.08.2017)Phosphor-Tagung, Präsentation Michael Zimmermann, Bundesamt für Landwirtschaft (BLW)

Schadstoffgrenzwerte für MinRec-Dünger (PDF, 2 MB, 30.08.2017)Phosphor-Tagung, Präsentation Jochen Mayer, Agroscope

Die neuen gesetzlichen Regelungen für mineralische Recyclingdünger (PDF, 1 MB, 30.08.2017)Phosphor-Tagung, Präsentation Michael Zimmermann, Bundesamt für Landwirtschaft (BLW)

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Letzte Änderung 15.09.2017

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