REDD+

Die Entwaldung ist weltweit gesehen für rund 12% des Treibhausgasausstosses verantwortlich. Dies entspricht Emissionen von 4.3 - 5.5 GtCO2-äquivalent/Jahr. Allein in den Tropen werden jährlich 13 Millionen Hektar entwaldet. Bei ungebrochenem Trend rechnet die Eliasch-Review bis 2100 mit jährlichen Kosten von 1 Billion US Dollar. In den internationalen Klimaverhandlungen engagiert sich die Schweiz im Rahmen von REDD+ (Vermeidung des Treibhausgasausstosses aus Rodungen und Waldzerstörung; Reduction of Emissions from Deforestation and Forest Degradation) aktiv an der Suche nach Lösungen für diese Problematik.

In den Entwicklungsländern wird allein aufgrund der Entwaldung etwa gleich viel CO2 ausgestossen wie weltweit durch den Transportsektor inklusive Flugverkehr. Wird der Treibhausgasausstoss aufgrund der Entwaldung nicht vermindert, kann das Ziel einer Erwärmung um höchstens 2 Grad nicht erreicht werden. Dieses Ziel hat sich die Weltgemeinschaft 2009 an der Klimakonferenz in Kopenhagen als Limite für die globale Erwärmung gesetzt.

Die Schweiz priorisiert REDD+ in Entwicklungsländern aus folgenden Gründen:

  • Die Mehrheit der Emissionen in Entwicklungsländern stammt aus Landnutzungsänderungen (Entwaldung)
  • Für Entwicklungsländer ist die Verringerung der Entwaldung die effektivste Massnahme zur Emissionsreduktion (rund 60% des Schadenminderungspotenzials im Waldbereich liegt gemäss McKinsey (2009) in Entwicklungsländern
  • Ohne Unterstützung dürften die Entwicklungsländer ihre Ziele in nützlicher Frist nicht erreichen

Finanzielle Unterstützung für Entwicklungsländer

Angegangen werden soll die Entwaldungsproblematik, indem Entwicklungsländer finanzielle Unterstützung für die Erhaltung ihrer Wälder erhalten. Die Anstrengungen in diesem Bereich laufen im Rahmen der internationalen Klimaverhandlungen unter dem Namen REDD+ (Vermeidung des Treibhausgasausstosses aus Rodungen und Waldzerstörung; Reduction of Emissions from Deforestation and Forest Degradation and the role of conservation, sustainable management of forests and enhancement of forest carbon stocks in developing countries). Die Klimakonferenz 2010 in Cancun hat im Bereich REDD+ grosse Fortschritte erzielt, konnten doch die Grundlagen und Prinzipien festgelegt werden.

In Warschau wurden an der Vertragsparteienkonferenz (COP 19) im Dezember 2013 sieben REDD+ Beschlüsse getroffen. Sie bilden das Warsaw REDD+ Framework WRF. Diese breite Zustimmung ebnet den Entwicklungsländern den Weg damit ihre Klimaleistung durch Waldschutz und Bewirtschaftung Anerkennung und Anreize unter einem künftigen Klimaregime erhalten werden. Für Industrieländer, die seit 2010 für REDD+ ca. USD 7 Milliarden investiert haben (REDD+ Datenbank, 2014), ist REDD+  ein potentieller Mechanismus des  Klimaabkommens 2020, damit ihre Emissionen kompensiert werden können.

Bedeutung des Pariser Abkommens für den Wald und REDD+

An der COP 21 im Dezember 2015 in Paris wurde die Wichtigkeit des Waldes und REDD+ in den Vereinbarungen und im Klimaregime, das nach 2020 in Kraft tritt, verankert. Zusätzlich wurden drei weitere REDD+ Entscheidungen verabschiedet. Das Umweltprogramm der UNO (UNEP) veranschlagt das Reduktionspotenzial von REDD+ auf bis zu 9 CO2-e/Gigatonen/Jahr (Gap Report 2015). Laurent Fabius, Leiter der COP 21 in Paris, hat die prominente Rolle, welche die Wälder künftig im Klimaschutz spielen, folgendermassen umschrieben: «Langfristig sollen nicht mehr Treibhausgase wie CO2 ausgestoßen werden, als gleichzeitig zum Beispiel von Wäldern wieder aufgenommen werden können».

In den letzten Jahren sind bedeutende Mittel bereit gestellt worden, um Entwicklungsländer bei den wichtigen Vorarbeiten zu unterstützen und sie für den REDD+ Mechanismus fit zu machen (REDD+ readiness). Dazu hat auch die Schweiz über die Forest Carbon Partnership Facility der Weltbank FCPF (Staatssekretariat für Wirtschaft SECO) und über bilaterale Projekte (Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit DEZA) beigetragen, bisher mit rund CHF 20 Mio. In Paris hat die internationale Gemeinschaft zusätzliche $5 Milliarden für REDD+ für die Periode 2016-2020 zugesichert.   

Aktivitäten der Bundesverwaltung

Die Bundesverwaltung ist auf verschiedenen Ebenen an der Entwicklung von REDD+ beteiligt:

Verhandlungen im Rahmen der UNO-Klimakonvention

  • Die Schweiz bringt ihre Positionen in die Verhandlungen der UNO-Klimakonvention ein. BAFU, SECO und DEZA arbeiten hier eng zusammen.
  • Die Schweiz legt dabei besonderes Gewicht auf Aspekte wie nachhaltige Waldbewirtschaftung oder eine umfassende Wald-Gouvernanz (z. B. klare Nutzungs- und Eigentumsrechte).
  • Dabei setzt sich die Schweiz aufgrund eigener positiver Erfahrungen für eine partizipative, dörfliche Waldbewirtschaftung in Entwicklungsländern ein: indigene Völker sowie die lokale Bevölkerung sollen an REDD+ direkt teilhaben können, und ihre Rechte sollen dabei bewahrt bleiben, respektive geklärt werden.
  • Zudem engagiert sich die Schweiz für die Erhaltung der Biodiversität in REDD+ Aktivitäten. Dies bedeutet zum Beispiel, dass naturnahe Wälder nicht in Baumplantagen für Palmöl oder anderes umgewandelt werden.
  • Das Engagement der Schweiz für soziale und ökologische Belange zielt auch dahin, dass die bedeutenden Investitionen in REDD+ letztlich zu einem nachhaltigen Erfolg führen.

Submissionen der Schweiz ans Klimasekretariat zu REDD+

Addressing drivers of deforestation and forest degradation and robust and transparent national forest monitoring systems: Submission of Switzerland, Liechtenstein, and Monaco, 23.3.2012:

Financing options for REDD-plus (PDF, 376 kB, 18.11.2011)Submission of the governments of the Philippines and Switzerland, AWG-LCA

Vertretung der Schweiz in der REDD+ Partnership

Die REDD+ Interim Partnership bietet für alle REDD+ Aktivitäten eine Koordinationsplattform, um die Übersicht über die Projekte sicher zu stellen und um transparent über deren Qualität Auskunft zu geben. Im Rahmen der REDD+ Interim Partnership findet auch eine institutionelle Weiterentwicklung des Themas statt. Die Ergebnisse sollen wiederum in die Verhandlungen zur UNO-Klimakonvention zurückfliessen.

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Letzte Änderung 31.08.2016

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