Emissionshandelssystem EHS für Betreiber von Anlagen

Der Emissionshandel ist ein Mengensteuerungsinstrument nach dem «cap-and-trade»-Prinzip. Basierend auf historischen Daten aus den Jahren 2008-2012 wird eine absolute Menge an Emissionsrechten im System («cap») bestimmt. Für jeden EHS-Teilnehmer wird anhand von Benchmarks die Menge an Emissionsrechten berechnet, welche der EHS-Teilnehmer ungeachtet seiner Treibhausgasemissionen kostenlos zugeteilt erhält. Emissionsrechte sind frei handelbar («trade») und können einerseits dem Bund zur Deckung der ausgestossenen Treibhausgase abgegeben oder an andere EHS-Teilnehmer verkauft werden.

Teilnahme am Emissionshandelssystem (EHS)

Betreiber von Anlagen bestimmter Kategorien gemäss Anhang 6 der CO2-Verordnung müssen obligatorisch am Schweizer Emissionshandelssystem teilnehmen. Forschungs-, Entwicklungs- und Prüfungsanlagen sowie Sonderabfallentsorgungsanlagen können auf Antrag von der Teilnahme am EHS ausgeschlossen werden. Falls die Gesamtemissionen eines Betreibers von Anlagen im EHS in den vergangenen drei Jahren jeweils in jedem Jahr unter 25‘000 Tonnen CO2-Äquivalenten (CO2eq) lagen, kann er eine Ausnahme von der EHS-Pflicht («opt-out») beantragt werden. Betreiber von Anlagen bestimmter Kategorien gemäss Anhang 7 der CO2-Verordnung können freiwillig am EHS teilnehmen («opt-in»). Alle EHS-Teilnehmer sind im Gegenzug von der CO2-Lenkungsabgabe befreit. Das Schweizer EHS bindet aktuell treibhausgasintensive Anlagen u.a. aus den Sektoren Zement, Chemie und Pharma, Raffinerien, Papier, Fernwärme und Stahl ein.

Berechnung der kostenlosen Zuteilung von Emissionsrechten (Benchmark-Ansatz)

Den Betreibern von Anlagen im EHS werden auf Grundlage von Benchmarks Emissionsrechte kostenlos zugeteilt. Die kostenlose Zuteilung wird anhand von Produkt-, Wärme- oder Brennstoffbenchmarks sowie gegebenenfalls gemäss Prozessemissionen berechnet. Ungeachtet des tatsächlichen Treibhausgasausstosses erhält ein EHS-Teilnehmer so in Funktion der Produktionsmenge, der erzeugten Wärme oder der eingesetzten Brennstoffmenge und der durch den jeweiligen Benchmark definierten Menge an Emissionsrechten pro Einheit seine individuell berechnete kostenlose Zuteilung. Bei deren Berechnung wird zusätzlich das Risiko von Produktionsverlagerungen ins Ausland aufgrund der CO2-Kosten («Carbon Leakage») berücksichtigt.

Berechnung und Verwendung der maximal zur Verfügung stehenden Menge an Emissionsrechten («cap»)

Basierend auf historischen Daten aus den Jahren 2008-2012 wurde die absolute Menge an Emissionsrechten im System («cap») für die Jahre 2013-2020 bestimmt (Anhang 8 CO2-Verordnung). Da ein Emissionsrecht zum Ausstoss einer Tonne CO2-Äquivalent (CO2eq) berechtigt, entspricht dies gleichzeitig auch den zulässigen Treibhausgasemissionen im System. Der Cap beträgt für das Jahr 2013 5,63 Mio. Tonnen CO2eq und sinkt jährlich um den gleichen absoluten Betrag (1,74% der Ausgangsmenge 2010) auf rund 4,9 Mio. Tonnen CO2eq im Jahr 2020. 5% des Cap werden jährlich für die kostenlose Zuteilung an neue Marktteilnehmer und für Kapazitätserweiterungen reserviert. Berechtigt sind einerseits erst nach 2013 zugebaute neue Anlagen und andererseits bestehende Anlagen mit wesentlichen Kapazitätserweiterungen. Das BAFU versteigert regelmässig Emissionsrechte über das Schweizer Emissionshandelsregister. Übertrifft die Summe aller berechneten individuellen Zuteilungen die verfügbare Menge an Emissionsrechten (95% des Cap), werden die Zuteilungen linear um den gleichen Faktor gekürzt (sektorübergreifender Korrekturfaktor). Die Kürzung entsprach im Jahr 2013 0,09% und steigt bis zum Jahr 2020 auf 9,91% an. Die Notwendigkeit für einen sektorübergreifenden Korrekturfaktor ist mitunter darin begründet, dass die Betreiber von Anlagen ihre kostenlose Zuteilung mit der Wahl der Bezugsperiode optimieren konnten und fast alle als Carbon-Leakage gefährdet eingestuft wurden, was insgesamt zu höheren kostenlosen Zuteilungen führte. Zudem werden Emissionen aus CO2-neutralen Brennstoffen wie z.B. Holz bei der Aufsummierung des Cap nicht mitberücksichtigt. Betreiber von Anlagen, die CO2-neutrale Brennstoffe einsetzen, werden belohnt, weil sie dennoch eine kostenlose Zuteilung basierend auf dem Emissionsfaktor von Erdgas erhalten. Somit werden Emissionsrechte auch für die Verbrennung von CO2-neutralen Brennstoffen zugeteilt, die für die Festlegung des Cap nicht berücksichtigt wurden. Der Korrekturfaktor verringert die individuelle Zuteilung der einzelnen Betreiber von Anlagen, verschärft aber das Emissionsziel im EHS nicht, das alleine durch den Cap und den Absenkpfad von 1,74% pro Jahr bestimmt wird. Auf diese Elemente hat der Korrekturfaktor keinen Einfluss. Er sorgt über eine lineare Kürzung der kostenlosen Zuteilung jedoch dafür, dass das Emissionsziel im EHS eingehalten wird.

Berichterstattung und Pflicht zur Abgabe von Emissionsrechten und Emissionsminderungszertifikaten

Alle EHS-Teilnehmer müssen dem Bund über ihre jährlichen Treibhausgasemissionen Bericht erstatten. In der Folge sind dem Bund im Umfang dieser Treibhausgasemissionen Emissionsrechte oder, soweit zulässig, Emissionsminderungszertifikate abzugeben.

Einen Überblick über den Cap, die Reserve und die ursprünglich berechnete Zuteilung sowie weitere Daten und Auswertungen zum Schweizer Emissionshandel für stationäre Anlagen befinden sich unten auf dieser Seite unter «Daten».
Weiterführende Informationen für Betreiber von Anlagen im EHS befinden sich unter «Links».

  Cap 5% Reserve 95% des Cap Berechnete Zuteilung (ohne SKF) Sektorübergreifender Korrekturfaktor (SKF)
2013 5'632'864 281'643

5'351'224

5'356'061

-0.09%

2014 5'529'455 276'473 5'252'981 5'330'420

-1.45%

2015 5'426'045 271'302

5'154'743

5'304'741

-2.83%

2016 5'322'635 266'132

5'056'502

5'279'100

-4.22%

2017 5'219'225 260'961 4'958'263 5'253'458

-5.62%

2018 5'115'815 255'791 4'860'022 5'227'813 -7.04%
2019 5'012'405 250'620 4'761'788 5'202'134 -8.46%
2020 4'908'996 245'450 4'663'548 5'176'493 -9.91%

Emissionshandelssystem EHS

Cover Emissionshandelssystem EHS

Ein Modul der Mitteilung des BAFU als Vollzugsbehörde zur CO2-Verordnung. Aktualisierte Version. 2014

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Letzte Änderung 03.12.2019

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